Die Bedeutung protestantischer Fürstenschulen für die mitteldeutsche Figuralmusikpflege des 16. Jahrhunderts

Träger: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 2016–2019

Leitung

Projektbeschreibung

Das Projekt setzt sich zum Ziel, die Geschichte der figuralen Kirchenmusikpflege im ‚Kernland‛ der Reformation aufzuarbeiten. Bis heute erstaunt der hohe Verbreitungsgrad dieser äußerst voraussetzungsreichen Form gottesdienstlicher Musik im Entstehungsgebiet des deutschen Kirchenlieds, ein Umstand der in der Forschung zwar zur Kenntnis genommen, aber nie systematisch untersucht wurde. Im Projekt sollen zunächst die Auswirkung der Reformation auf die mitteldeutsche Figuralmusikpflege untersucht, die Phase ihrer Konsolidierung und Konfessionalisierung am Beispiel Wittenbergs, Zwickaus und St. Joachimsthals nachvollzogen werden. Im Zentrum des Vorhabens stehen dann die Fürstenschulen zu Meißen, Grimma, Pforta und Schwerin, an denen ca. 1550–1580 die größten Musikalienbestände der Zeit zusammengetragen wurden. Es soll gezeigt werden, dass die Fürstenschulen nach dem Bedeutungsverlust Wittenbergs im Jahr 1547 zu den wichtigsten Trägern der mitteldeutschen Figuralmusikpflege avancierten, sowohl hinsichtlich des Festhaltens an bestimmten Repertoiretraditionen, als auch durch die Erhebung figuralen Singens in den Rang von Allgemeinbildung. Um ein möglichst lebendiges Bild der Musikpflege an den Fürstenschulen zu erhalten, wird sowohl die Bestandsgenese als auch die Nutzungsgeschichte der Handschriften, Drucke und Konvolute nachvollzogen. Abschließend soll die Wirkung der Fürstenschulen auf die mitteldeutsche Figuralmusikpflege von ca. 1580 bis 1600 erörtert werden, wobei der Anteil der Alumnen unter den prägenden Persönlichkeiten des mitteldeutschen Musiklebens zu ermitteln und das Fortleben von Repertoiretraditionen am Beispiel repräsentativer Bestände (Pirna, Löbau, Zwickau, Neustadt a. O., Udestedt) zu untersuchen ist. Im Umfeld des Reformationsjubiläums 2017 will das Vorhaben zum einen die Geschichte der protestantischen Kirchenmusik aktualisieren, zum anderen an ein musikalisches Erbe der Reformation erinnern, das lange Zeit zugunsten eines ‚lutherischen Sonderweges‛ aus Geschichtsbild und kulturellem Gedächtnis ausgeschlossen wurde.