Dissertationsvorhaben
Luca Behrendt
Rock in der DDR. Musikalische Merkmale und gesellschaftliche Hintergründe des DDR-Art-Rock
In den ausgehenden 1960er und beginnenden 1970er Jahren entwickelte sich zunächst in Großbritannien eine neue Strömung der Rockmusik, die international als Progressive Rock, im deutschsprachigen Raum häufig als Art-Rock bezeichnet wird. Das Genre entstand durch die Vermischung von Rockmusik mit Einflüssen aus Popmusik, europäischer Kunstmusik, Jazz und Folklore und zeichnet sich u.a. durch die zunehmende Komplexität und Vielfältigkeit im verwendeten Instrumentarium, hinsichtlich der Harmonie und Rhythmik sowie der Länge, der Formteile und des Textes von Songs aus. Britische Bands wie King Crimson, Emerson, Lake & Palmer, Genesis und Yes sind als Pioniere und Hauptvertreter des Genres zu nennen; rasch verbreitete sich der Art-Rock aber auch in die USA, nach West- und Osteuropa sowie in die ganze Welt. In der DDR war der Art-Rock ebenfalls erfolgreich. Die DDR stellte für Musikerinnen und Musiker vor allem im Bereich der Rock- und Popmusik durch die starke, politisch motivierte staatliche Einflussnahme sowie die damit einhergehenden Restriktionen einen speziellen künstlerischen Schaffensraum dar. Im Rahmen des Dissertationsprojekts sollen deshalb das musikalische Profil des DDR-Art-Rock am Beispiel von für das Genre maßgeblichen Bands sowie die kulturellen und gesellschaftspolitischen Umstände seiner Entstehung und Ausprägung erforscht werden.

Ansgar Heyer
Changing Gears – Zur Wahrnehmung und Produktion von metrischen Modulationen
Bei Tempoänderungen in der Musik gibt es die Möglichkeit, diese Änderungen durch eine Umdeutung des vorherigen Metrums vorzunehmen. Hierbei wird eine bestimmte Pulsebene innerhalb der metrischen Hierarchie zur Umdeutungspulsebene, da sie sowohl im alten als auch im neuen Tempo gedeutet werden kann. Auf diese Weise kann z.B. ein neues Tempo aus dem alten abgeleitet oder ein bestehendes Metrum neu kontextualisiert werden.
Aufgrund dieser Ähnlichkeiten zur Technik der tonalen Modulation wird hierfür der Begriff der metrischen Modulation verwendet. Beispielsweise können die Viertel innerhalb einer 4/4-Taktart zu den neuen punktierten Viertel innerhalb einer 6/8-Taktart umgedeutet werden, wodurch der wahrgenommene Hauptpuls gleich schnell bleibt, aber die neuen Achtel 33% schneller sind als im alten Tempo.
Trotz ihrer Verbreitung unteranderem im Pop, Rock sowie im Jazz sind metrische Modulationen ein von der Musikwissenschaft bislang kaum erforschtes Gebiet. Die Dissertation zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen und dabei gleichzeitig einen Beitrag zu aktuellen Fragestellungen der Rhythmusforschung zu liefern. Hierfür werden nach einer ersten theoretischen Systematisierung von metrischen Modulationen und ihrer Anwendung zunächst die allgemeinen Bedingungen und Limitationen ihrer Wahrnehmung sowie danach die Wirkungsweisen in Bezug auf Konzepte wie Groove oder PLUMM empirisch untersucht. In einem letzten Schritt wird die Produktion von metrischen Modulationen in Hinblick auf weitere Aspekte wie z.B. Mikrotiming erforscht.

Janne Schneider
Alltagsmusik in Leipzig 1880 bis 1939
Gefördert durch ein Graduiertenstipendium der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar
Leipzig ist wie viele Städte im heutigen Deutschland um 1900 geprägt von einem enormen Bevölkerungswachstum, der Industrialisierung und dem Auskommen von Massenmedien. Der erste Weltkrieg und seine politischen Folgen, aber auch technologische Innovationen wie das Radio und gesellschaftliche Auseinandersetzung wie die Frauen- und Arbeiterbewegung veränderten das Leben der Menschen und damit, so meine These, auch ihre musikalischen Alltagspraktiken.
Durch die Untersuchung von historischen Tageszeitungen, Telefonbüchern, Stadtführern, Zeit-schriften und anderen historischen Quellen, erhoffe ich mir Aufschlüsse über die juristische und politische Voraussetzungen, Orte, Repertoire, Akteur:innen und Publikum der „leichten Unterhaltung“. Meine Arbeit soll eine Lücke der Leipziger Stadtgeschichte schließen und einen Beitrag zur Erforschung der populären Kultur von Klein- und Mittelstädten leisten.

Jin Zhang
Japanese Fusion Jazz. Musical Style and Cultural Context
Gefördert durch ein Graduiertenstipendium der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar
Japanese music has developed under the influence of East Asian culture for a long time. However, in modern times, especially after World War II, as an imported music form, jazz has occupied a place in the music market in Japan and has a wide range of influence in a relatively short time. Nowadays, Japan is sitting on the most fertile ground for the development of jazz in Asia. More precisely, through nearly 100 years of uninterrupted exploration of jazz, Japanese jazz has formed the features of professionalism, marketization, and civilianization. Japan has established itself in the style of jazz, especially fusion jazz, which is usually called “J-Fusion”. This dissertation project will investigate Japanese fusion jazz music, focus on its composition, improvisation, and arrangement, assisted by computer analysis and visualizing to carry out the Japanese fusion jazz’s unique characteristics, analyze and sort out the influence and vicissitudes of fusion jazz on the history of Japanese music culture, and research and explore the impact of Japanese fusion jazz in other Asian countries.
