Dissertationsvorhaben

Georg Alkofer

Pat Metheny – Stilkritische Analyse von Improvisation, Komposition, Spieltechnik und Klangästhetik

Die Dissertation untersucht die Musik des US-amerikanischen Gitarristen und Komponisten Pat Metheny, der seit Mitte der 1970er Jahre als einer der wichtigsten Protagonisten des zeitgenössischen Jazz gilt. Auf Basis mitunter völlig disparater Stile wie Bebop, Free Jazz, Minimal Music, Pop, Klassik, Fusion, Jazz-Rock, Folk, New Age und brasilianischer Musik entwirft er seit Beginn seiner Laufbahn einen dezidiert persönlichen Klangkosmos. Die Untersuchung richtet sich auf die spezifischen Charakteristika und Gestaltungsmittel von Methenys improvisatorischem und kompositorischem Personalstil sowie auf die stilistische und musikhistorische Einordnung seines Schaffens. Eingebettet in den kulturellen und biographischen Kontext werden dazu exemplarische Aufnahmen transkribiert und auf Basis eines Kriterienkatalogs musikalischer Parameter, der u.a. die Aspekte Harmonik, Rhythmik, Melodik, Phrasierung und Spieltechnik enthält, analysiert. Schließlich bedingt die stilanalytische Konzeption der Arbeit auch die Untersuchung der spezifischen Klanggestaltung die Metheny mittels zahlloser selbstkonzipierter Instrumente, eigenen Gitarrenstimmungen, Effektgeräten und elektronischen Gerätschaften, wie beispielsweise Gitarrensynthesizern, realisiert.
www.georgalkofer.de
Martin Breternitz

Jazz in der DDR – Musik, Szenen und Zwischentöne im Staatssozialismus am Beispiel der Region Thüringen

Doktorand im Graduiertenkolleg „Die DDR und die europäischen Diktaturen nach 1945"

Jazz in der DDR war vielfältig, teils subversiv, oft nonkonformistisch und trug stets den Gedanken der Freiheit mit sich. Ihm gegenüber stand ein starrer Staatsapparat, dessen Kulturbehörden zwischen Repression, Kontrolle und Vereinnahmung changierten. Jazz war zu jedem Zeitpunkt der DDR-Geschichte gesellschaftlich, sowie künstlerisch vertreten, relevant, und bot ständige Reibungspunkte zwischen Staat und der dem Jazz geneigten Bevölkerung. Das Forschungsvorhaben untersucht mittels Theorien des Kulturtransfers die zeithistorischen Zusammenhänge, stilistische Aspekte und Aneignungsformen von Jazz einerseits, sowie andererseits die kulturbehördlichen Kontrollstrukturen und das Vorgehen gegen diese Musik und ihre Akteure. In einer breiten Regionalstudie über die Jazzszenen Thüringens, die sich aus Gemeinschaften und Netzwerken von Jazzfans und Jazzklubs konstituierten werden mit alltagsgeschichtlichem Zugang die Perspektiven von Menschen untersucht, die in einer Diktatur eigensinnig „ihre“ Musik hören, aufführen und veranstalten wollten.

Benjamin Burkhart

Sound – Bedeutung – Kulturtransfer. Reggae und Dancehall in musik- und diskursanalytischer Perspektive

Gefördert durch ein Stipendium der Ernst-Abbe-Stiftung

Im Zentrum des Dissertationsvorhabens stehen mit Reggae und Dancehall Stilbereiche der populären Musik jamaikanischer Provenienz, die in der Musikwissenschaft hinsichtlich analytischer Ansätze sowie bezüglich ihrer weltweiten Rezeption und Produktion bislang weitgehend unbeachtet geblieben sind. Eingedenk anhaltender Debatten zur adäquaten Analyse populärer Musikformen möchte die Studie einen Beitrag leisten, der musik- und diskursanalytische Methoden gezielt zu verbinden und multimodale Erklärungsmodelle zu entwickeln versteht. Zunächst sieht das Forschungskonzept vor, Diskurse über Reggae und Dancehall auf der Text- und Bildebene sowie ästhetische Kriterien der Bewertung anhand einer inhaltsanalytischen Auswertung der führenden deutschsprachigen Special-Interest-Zeitschrift Riddim zu rekonstruieren und zu systematisieren. Die Ergebnisse dieses Arbeitsschrittes werden als Grundlage für eine analytische Auseinandersetzung mit dem Klanggeschehen jenseits textzentrierter Ansätze heranzuziehen sein, die auf die ermittelten ästhetischen Kriterien Bezug nehmen soll. Folglich ist ein analytischer Weg zu beschreiten, der eine wechselseitige Durchleuchtung der diskursiven Rahmung des Klanggeschehens einerseits, zum anderen des Klanggeschehens selbst zu leisten verspricht. Für das Vorhaben zentral sind Fragen zu ästhetischen Dimensionen sowie zur Bedeutungsproduktion populärer Musik, überdies zu Ergebnissen der Rezeption karibischer Popmusik im deutschsprachigen Raum, deren Beantwortung zugleich Möglichkeiten einer empirisch fundierten analytisch-ästhetischen Popmusikforschung aufzeigen soll.
Carsten Wernicke

Musik und Selbstsorge im Zeitalter der ubiquitären Verfügbarkeit musikalischer Dinge

Musik ist heute so ubiquitär wie Temperaturmessung und Beleuchtung. Sie ist nicht nur nahezu überall verfügbar, es ist auch nahezu jede Musik nahezu überall verfügbar. Diese neue Situation der Verfügbarkeit von Musik durch die Allverfügbarkeit des Soundfiles und damit ubiquitäre Zuhandensein zeitigt Veränderungen in der Lebenswelt und damit der Möglichkeiten und Phänomene der Sorge um sich sowie der Sorge um die musikalischen Dinge. In dem Dissertationsprojekt soll mithilfe von qualitativen, leitfadengestützten Tiefeninterviews und deren Auswertung im Sinne einer phänomenologisch-praxeologischen Perspektive die Dingqualitäten musikalischer Phänomene vor dem Hintergrund ihres gegenwärtigen sozialen Gebrauchs sowie die Praktiken im Umgang mit Musik und ihr Sinn sowie die Intentionen ihres Gebrauchs offengelegt werden. Zugleich wird untersucht, welche Formen des Wissens (re-)produziert werden, inwieweit der Gebrauch von Musik auf das Subjekt selbst, wie also Musik im Zeitalter ihrer Ubiquität auf die Existenz des handelnden Subjekts zurückwirkt. Letztendlich soll danach gefragt werden, wie der Hörer an sich heute in die Welt gestellt ist, wie ihm die Welt als Ganzes, wie ihm Musik, wie er Musik, wie er durch Musik der Welt und sie ihm, aber auch wie er sich selbst in Musik begegnet.