Dorothea Kühn

Dorothea Kühn "früher" | Foto: privat
Dorothea Kühn "heute" | Foto: privat

war von 1946 bis 1950 Harfenstudentin. Sie erlebte die Eröffnung der Hochschule nach dem Zweiten Weltkrieg und den. 75. Hochschulgeburtstag im Jahr 1947 mit: "Man kann sich das heute kaum vorstellen, was das für ein Gefühl war, wieder Musik machen zu können." Heute lebt die 94-Jährige in Berlin und kehrt immer wieder gern zu den Ehemaligentreffen an ihre Alma Mater zurück.


"An der Hochschule angenommen zu werden war damals leichter als heute. Ich wurde zum Direktor Walter Schulz bestellt, ich erzählte, dass ich schon in Posen zwei Jahre Harfe studiert hatte, er spielte mir ein paar Intervalle vor, die ich bestimmen sollte – und schon war ich angenommen. Ich sagte noch, dass ich ein Stipendium von 90 Mark haben müsste. So viel hatte ich im Büro verdient und wir als Familie von Mutter und vier Kindern ohne Vater brauchten das.


Wir haben damals den "Belsazar" von Händel in der Einstudierung von Professor Friedrich, dem Leiter der Schulmusikabteilung, einstudiert. Es war auch schon ein Orchester da und es war ein unvergessliches Erlebnis. Die Hochschule war damals im Palais angesiedelt und entsprechend gab es wenig Platz, aber natürlich auch weniger Studenten. Es gab wenig Noten und wir kopierten manche Stimmen handschriftlich.


Der Winter 1946/47 war sehr kalt und die Übungsräume waren nicht geheizt. Wir waren vier Harfenstudenten, und so transportierten wir die Harfe zu mir nach Hause und alle übten bei uns im Wohnzimmer. Auch sonst war das Üben problematisch. Natürlich hatte niemand eine eigene Harfe – und so hatten wir einen festen Übungsplan und fingen schon um 6 Uhr morgens an. In den Semesterferien hatte ich den Vorteil, dass ich in Weimar wohnte und so viel üben konnte, wie ich wollte.


Ich durfte dann auch schon manchmal in der Staatskapelle – im Konzert, in der Oper und in Weihnachtsmärchen – mitspielen. Die Chefs waren damals Herrmann Abendroth und später Rudolf Kempe.


1950 bewarb ich mich am Landestheater Altenburg, kein Abschluss, kein Bachelor, kein Master – ich musste Geld verdienen. Ich brachte meine Bewerbung persönlich hin, denn eigentlich wollten sie dort keine Studenten oder Absolventen nehmen. Ich könne aber auf eigene Kosten wiederkommen und mitspielen. Und dann bekam ich doch die Stelle. So habe ich es über Chemnitz an die Deutsche Oper Berlin, damals Städtische Oper, geschafft, dort noch 33 Jahre gespielt und jetzt genieße ich schon 30 Jahre meine Pension."