Hans-Christian Steinhöfel

Foto: Maik Schuck

studierte Opernkorrepetition und Klavier in Weimar (1979–1984) und wurde hier 1994 zum Professor für Opernkorrepetition berufen. Von 1995 bis 2001 wirkte er als Prorektor für künstlerische Praxis der Hochschule.

Im wahrsten Sinne des Wortes prägte eine Vielzahl von Baustellen seine Amtszeit. Hier berichtet er davon.

Transkript des O-Tons:

"Ich bin Hans-Christian Steinhöfel und bin schon sehr lange mit dieser Hochschule verbunden. Ich habe hier in Weimar studiert und war dann einige Jahre am Deutschen Nationaltheater beschäftigt. Im Herbst 1989 kam ich als hauptamtliche Lehrkraft in die Abteilung Dirigieren dieser Hochschule – und diese Jahre, die folgten, haben mich unglaublich geprägt. Es waren die Aufbaujahre, die Wendejahre. Es gab unglaubliche politische Veränderungen in Deutschland, wie wir alle wissen.


Und es gab eine private Komponente: Ich war damals frisch verheiratet, wir hatten bereits eine Tochter und ich hatte die Möglichkeit, als hauptamtliche Lehrkraft hier an der Hochschule zu arbeiten. Wir hatten eine Wohnung gefunden, es war für uns im Privaten alles auf einem sehr guten Weg. Dann begannen die Aufbaujahre an der Hochschule, die für mich bedeuteten, dass ich mich, wie einige andere Kolleginnen und Kollegen auch, um eine Stelle bewerben konnte. Im Jahre 1994 hatte ich das große Glück, zum Professor berufen zu werden.


Was mich unglaublich geprägt hat, war die Tatsache, dass der damalige Rektor Prof. Dr. Wolfram Huschke mich bat, ab 1995 als Prorektor für künstlerische Praxis tätig zu sein, was heute Vizepräsident heißt – das hat mich natürlich sehr beeinflusst bzw. geprägt. Wir hatten unglaublich spannende Aufgaben vor uns. Wir mussten in diesen Jahren die Hochschule sowohl personell konsolidieren als auch vor allen Dingen dafür sorgen, dass die räumliche Ausstattung entsprechend gut wird. Das war ein sehr, sehr schwieriger Prozess.


Die Hochschule hatte in ganz Weimar verteilt mehrere, zum Teil kleinere Gebäude für einzelne Abteilungen. Wir begannen in den späteren 90er Jahren das Gebäude Am Palais komplett zu sanieren. Wir haben angefangen, im Hauptgebäude am Platz der Demokratie den Festsaal zu vergrößern, so dass die heute existierende Kubatur entsteht. Wir hatten eine ganze Zeit lang keinen einzigen Konzertraum zur Verfügung, wo Vorspiele, Klassenabende und Konzerte stattfinden konnten. In diesen Jahren wurde auch die Weimarhalle neu gebaut und wir hatten auch in dieser Zeit noch nicht die Kaserne, das hochschulzentrum am horn.


Also, das waren wahnsinnig interessante, spannende, aber auch sehr arbeitsreiche Jahre, wo es darum ging, am Ende ein Raumkonzept für die Hochschule zu entwickeln, das wir heute mit unseren vier Standorten haben: Am Palais, Platz zur Demokratie, Belvedere und hochschulzentrum am horn. Das Jahr 1999 markierte dabei einen Zwischen-Höhepunkt. Das war das Kulturstadtjahr. In diesem Jahr gelang es uns, den Festsaal im Fürstenhaus fertigzustellen. Dieser wurde im April 1999 eröffnet. Wir hatten damit das erste Mal wieder einen eigenen Konzertraum zur Verfügung.


Dann begann eine Bauphase an der Streichhan-Kaserne am heutigen Carl-Alexander-Platz. Diese Kaserne ist im 19. Jahrhundert für die kaiserlichen Truppen gebaut worden und diente in der Zeit nach 1945 den russischen Truppen als Standort hier in Weimar. Wir Weimarer haben die Kaserne eigentlich nie wahrgenommen, weil sie von hohen Mauern umgeben war. Man konnte da nicht richtig hineinschauen, wir hatten keine Ahnung, was sich hinter diesen Mauern abspielte.


Umso spannender war es, dass wir das inzwischen frei geräumte Gebäude in den 90er Jahren besichtigen konnten. Unserem damaligen Rektor Huschke und uns gelang es, beim Ministerium in Erfurt Fürsprecher für die Idee zu gewinnen, dieses Gebäude für die Hochschule umzubauen bzw. zu entwickeln. Aus meiner Sicht ein enormer Glücksfall für die Hochschule. Die Hochschule wäre ohne dieses Gebäude aus meiner Sicht heute wesentlich schlechter dran.


Ein Höhepunkt war natürlich die Fertigstellung dieser Kaserne, allerdings verbunden mit einem besonders einschneidenden geschichtlichen Ereignis. Es war nämlich genau im September 2001, als die Flügeltransporte anrückten. Man holte die Flügel aus den Gebäuden der Stadt ab, um sie dort in den neu renovierten Räumen einzustellen.


Ich hatte Listen geschrieben, welches Instrument in welchem Raum kommen sollte. Plötzlich stand ich am 11. September vor dem Gebäude und unser damaliger technischer Leiter kam auf mich zu und sagte, ich solle doch schnell nach Hause gehen und Fernsehen schauen. In Amerika seien gerade zwei Flugzeuge in das World Trade Center gerast. Der 11. September 2001 markiert für mich diese Ereignisse in New York und gleichzeitig den Abschluss der Bauarbeiten für die Hochschule."