
Verdiente Bühne
Festkonzert zum Internationalen Frauentag mit Musik von Komponistinnen aus acht Jahrhunderten
Es gibt unzählige Werke von Komponistinnen aus den vergangenen acht Jahrhunderten. Doch wie viele Kompositionen von Frauen sind in den Konzertsälen tatsächlich zu hören? Wie viele Namen sind wirklich bekannt? Diese Fragen stellt ein Festkonzert zum Internationalen Frauentag am Sonntag, 8. März um 19:00 Uhr in Forum Seebach, als Kooperationsprojekt der Hochschule für Musik FRANZ LISZT und des Deutschen Nationaltheaters Weimar (DNT). Der Eintritt ist frei!
Das Festkonzert spannt einen Bogen von Hildegard von Bingen — Mystikerin, Heilerin und Komponistin des 12. Jahrhunderts — bis zur japanischen Gegenwartskomponistin Misato Mochizuki. „Dazwischen erklingt Musik von Frauen, die komponierten, als es ihnen eigentlich nicht erlaubt war, die publizierten, als man es ihnen ausredete und die gehört werden wollten, als man über sie hinweghörte“, sagt die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Weimarer Musikhochschule, Gesangsprofessorin Anne Schwanewilms, die das Projekt federführend mit geplant hat.
„Es geht nicht nur um Musik, es geht um Sichtbarkeit, um Gerechtigkeit“, ergänzt Prof. Schwanewilms. „Um das, was Frauen gerade auch in der Kunstgeschichte, in der Gesellschaft geleistet haben — und was ihnen allzu oft vorenthalten wurde: die verdiente Bühne, die gebotene Anerkennung, das schlichte Recht, gehört zu werden.“ Zu erleben sind im Forum Seebach herausragende Sänger*innen und Instrumentalist*innen der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar.
Ein besonderer Moment des Festkonzerts soll Rita Süssmuth (1937–2026) gewidmet werden, die im Januar dieses Jahres verstorben ist. Als erste Bundesfrauenministerin, als Bundestagspräsidentin über zehn Jahre und als lebenslange Streiterin für Gleichstellung und Menschenrechte hat sie die deutsche Politik geprägt. Die Hommage verknüpft eine Würdigung mit dem Blick auf die Gegenwart: auf Frauen im Iran, in Afghanistan, in der Ukraine, in Gaza. „Auf alle, die heute für das kämpfen, was wir als selbstverständlich nehmen“, so Prof. Schwanewilms.
Ein Impulsvortrag befasst sich mit der Komponistin Ethel Smyth (1858–1944), die als eine der ersten Frauen in der männlich dominierten europäischen Musikwelt Opern auf großen Bühnen durchsetzte. Noch heute fehlt ihr Name in den meisten Spielplänen. Der Impulsvortrag beleuchtet ihr Leben und ihr spezielles Werk, eine Messe in D-Dur.
„Die 1. Feministische Themenwoche vom 1. bis 8. März am DNT soll als Initialzündung für weitere gemeinsame Veranstaltungen und als Zusammenführung künstlerischer Positionen wirksam werden“, erklärt Anne Schwanewilms. „Um den Fortbestand und Ausbau des gemeinsamen Diskurses voranzutreiben, wird zudem eine gemeinschaftlich erstellte Bibliografie feministischer Literaturempfehlungen in Umlauf gebracht. Die gegenseitige Unterstützung und der inhaltlich-musikalische Austausch zum Thema Gleichberechtigung sollen zukünftig weiter vertieft werden.“
[27.02.2026]
