
Herausragender Künstler und Wissenschaftler
Die Hochschule für Musik trauert um ihren Ehrensenator Prof. Dr. Peter Gülke
Die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar trauert um ihren Alumnus, Ehrendoktor und Ehrensenator Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter Gülke, der am 26. April 2026 im Alter von 91 Jahren verstorben ist.
„Mein tief empfundenes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen und allen, die ihm nahestanden“, sagt Hochschulpräsidentin Anne-Kathrin Lindig. „Für unsere Hochschulgemeinschaft ist sein Tod ein schmerzlicher Verlust. Peter Gülke war nicht nur ein herausragender Künstler und Wissenschaftler, sondern vor allem ein außergewöhnlicher Mensch. Seine Zugewandtheit, seine Offenheit und seine uneitle Klugheit haben uns geprägt und inspiriert. Ich habe ihn persönlich als einen Menschen erlebt, der trotz seiner beeindruckenden Gelehrsamkeit stets bescheiden blieb, der zuhörte, ermutigte und mit großer Wärme begegnete. Sein Denken, sein Wirken und seine Haltung werden weit über seinen Tod hinaus nachklingen.“
Eigentlich war für Dienstag, 28. April ein „Kaminabend“ mit Prof. Gülke im Lesesaal der Hochschulbibliothek geplant, bei dem er über das Dirigieren als Beruf und Berufung sprechen wollte – auf Einladung des Instituts für Dirigieren und Opernkorrepetition. „Mit großer Betroffenheit erfahren wir von seinem Tod“, sagt Dirigierprofessor Ekhart Wycik. „Wir stehen in Ehrfurcht, großer Bewunderung und höchster Anerkennung vor der Lebensleistung einer großen Dirigentenpersönlichkeit, die den Namen Weimars in die ganze Welt getragen hat.“
Peter Gülkes Leben und Schaffen kann als Grenzgang beschrieben werden: Da ist zunächst der biografische Weg von Ost nach West und wieder zurück in den Osten mit Weimar als Ausgangs- und vorläufigem Zielpunkt, dem sich eine zweite Grenzüberschreitung hinzugesellt: die geglückte Doppelexistenz als Musiker und Musikwissenschaftler. 1934 in Weimar geboren, studierte er an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar Musik. Nach Zwischenstationen in Rudolstadt, Stendal, Potsdam, Stralsund und Dresden wurde er zunächst Generalmusikdirektor der Staatskapelle Weimar.
1975 machte er als Musikwissenschaftler auf sich aufmerksam – mit dem heute als Klassiker gehandelten Buch über die Musik des europäischen Mittelalters „Mönche, Bürger, Minnesänger“. Von einem Gastspiel, das ihn 1983 nach Hamburg führte, kehrte Peter Gülke nicht in die DDR zurück. Nach seiner Habilitation an der TU Berlin fand der Musikpraktiker einen neuen Schaffensort in Wuppertal, während der Theoretiker vielbeachtete Studien zu Brahms, Bruckner und Schubert veröffentlichte. Die Liste der ihm zugedachten Ehrungen ist lang und verzeichnet den Ernst von Siemens Musikpreis und das Bundesverdienstkreuz am Bande. Zuletzt wirkte Peter Gülke von 2015 bis 2020 als Chefdirigent der Brandenburger Symphoniker.
[27.04.2026]
