
Kopie als Kunst?
Weimarer Studierende spielen historische und neue Barockmusik beim Festival „Güldener Herbst“ in Gotha
Mit einem außergewöhnlichen Projekt gastieren Studierende des Instituts für Alte Musik der Weimarer Musikhochschule beim Festival „Güldener Herbst“. Sie spielen am Samstag, 28. September um 16:00 Uhr in der Augustinerkirche in Gotha im Format „Junges Podium“ historische und neue Barockmusik.
Dabei stellen sie italienischen Kantaten aus der Anton-Ulrich-Sammlung der Meininger Museen einige Neukompositionen im gleichen Stil zur Seite, welche eigens von Weimarer Musiktheorie-Studierenden für dieses Konzert komponiert wurden.
Am Zentrum für Musiktheorie der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar versuchen Studierende unter der Leitung von Prof. Jörn Arnecke, die Codes historischer Musik zu entschlüsseln. Auf dem Weg der künstlerischen Forschung entstehen dabei neue Werke, die an historischen Vorbildern orientiert sind, zum Teil aber auch bewusst von diesen abweichen.
Handelt es sich um bloße Stilkopien alter Meister oder um postmoderne Kunst, die für sich einen ästhetischen Wert beanspruchen kann? Antworten soll das Konzert in Gotha bringen, bei dem das Publikum wie bei einem Quiz raten darf, welche Kompositionen historisch und welche neu sind.
Gespielt werden drei kurze Kantaten für Kammerensemble aus Meiningen sowie drei Werke, die von Studierenden auf den gleichen Text „historisch informiert“ neu komponiert wurden. Voraus ging eine intensive stilistische Analyse der Noten, die der spätere Herzog Anton Ulrich von seinem mehrjährigen Aufenthalt in Wien nach Meiningen mitgebracht hatte.
Besondere Unterstützung erhielten die Studierenden von Dr. Maren Goltz, Leiterin der musikgeschichtlichen Sammlung der Meininger Museen, die die Türen des Archivs für die Nachwuchswissenschaftler*innen öffnete und ihnen die Sammlung vorstellte.
Auch Alte-Musik-Experte Gerd Amelung nahm großen Anteil am Entstehen des Projekts. Dank seiner langjährigen Erfahrung mit dem italienischen Stil des frühen 18. Jahrhunderts konnte er die Studierenden sowohl beim Komponieren als auch Einüben der Werke beraten und unterstützen. Amelung, der selbst einst in Weimar Alte Musik studierte, wird die künstlerische Leitung des Festivals „Güldener Herbst“ nach der kommenden Ausgabe in die Hände der Sängerin Alice Lackner übergeben.
Der „Güldene Herbst“ spielt seit der Entwicklung seines Residenzformats bereits zum dritten Mal in Gotha auf. Vom 27. bis 29 September lädt das Festival für Alte Musik in Thüringen unter dem Motto „Musik.Innovation“ an ganz besondere Orte ein: in das einzigartige barocke Ekhof-Theater, den prunkvollen Festsaal auf Schloss Friedenstein sowie in die Augustiner- und die Margarethenkirche.
Karten für alle Veranstaltungen sind über die Website des Festivals bzw. Reservix und in teilnehmenden Tourist-Informationen sowie an der Tageskasse erhältlich.
Nähere Informationen und Tickets:www.gueldener-herbst.de
[28.08.2024]
