Prof. Bernhard Klapprott | Foto: Martin Schwabe

Im Andenken Bachs

Prof. Bernhard Klapprott veröffentlicht Eigenkomposition und gibt Erasmus-Meisterkurse

Die hochkarätigen Lehrenden der Weimarer Musikhochschule sind oftmals auch außerhalb Weimars pädagogisch und künstlerisch aktiv. So auch der Direktor des Instituts für Alte Musik, Prof. Bernhard Klapprott, der am 22. Mai zu ERASMUS+-Meisterkursen nach Ljubljana (Slowenien) und Budapest (Ungarn) aufbricht. Mit solchen externen Meisterkursen geben die Lehrenden europa- und weltweit gewissermaßen ihre pädagogischen "Visitenkarten" ab - und wecken Interesse an einem Studium in Weimar.

Doch Bernhard Klapprott hat auch als Künstler hervorragende Neuigkeiten zu vermelden: Der Weimarer Professor für  Cembalo, Clavichord, Hammerclavier, Orgel (Alte Musik) und Generalbass ist auch als Komponist aktiv und freut sich über eine Veröffentlichung in einem bedeutenden Musikverlag. Seine neue Komposition "B-A-C-H, Perpetuum Mobile" für zwei Cembali ist im Bärenreiter-Verlag in der Reihe zeitgenössischer Musik erschienen. "Ich freue mich, dass ein solch prominenter Verlag mein Werk veröffentlicht hat und es international in gedruckter Form und als Download erhältlich ist", sagt Prof. Klapprott.

Der Bärenreiter-Verlag schreibt über das Werk: "Zwei Cembali verschmelzen zu einem großen, reichen Klang, der sich auf einem Ostinato aus dem Nichts bis hin zu ausgeschriebenen Clustern aufbaut. Neben dem b–a–c–h-Motiv beruht das gesamte Werk auf den drei diesem Motiv zugrunde liegenden Intervallen, die in verschiedenen Konstellationen erklingen. Große Spannungsbögen durch rhythmische Verdichtungen, ein allmähliches Abnehmen der Anzahl von Stimmen bei deren gleichzeitigem Versetzen auf unterschiedliche Tonhöhen verleihen dem Werk ein Gefühl von Raum und Weite."

Bernhard Klapprott studierte in Köln und Amsterdam Cembalo bei Hugo Ruf und Bob van Asperen, Orgel bei Michael Schneider und Ewald Kooiman sowie Kirchenmusik. Ergänzend besuchte er Meisterkurse in Generalbass bei Jesper Christensen und in Orgel bei Michael Radulescu. Eine intensive Beschäftigung mit dem Clavichordspiel prägte seine musikalische Entwicklung. 

1991 gewann Klapprott den 1. Preis beim 10. Internationalen Orgelwettbewerb (Bach/Mozart) des Festivals van Vlaanderen in Brügge. Er konzertiert international als Solist, Generalbassspieler und Dirigent. Er wirkt bei Rundfunk- und Fernsehaufnahmen mit und ist als Juror bei Wettbewerben gefragt. Seine zahlreichen CD-Veröffentlichungen umfassen bedeutende Werke wie die sämtlichen Clavierwerke von Thomas Tomkins (Cembalo, Virginal, Orgel, 4 CDs, MDG), Claviersonaten von Georg Anton Benda (Clavichord von J. G. Horn, 1788, AEOLUS), Konzerte für 3 und 4 Cembali von Johann Sebastian Bach (Virgin Classics) sowie Orgelwerke von Bach (Teil der Gesamteinspielung an Orgeln von A. und J. A. Silbermann, AEOLUS). Seine Aufnahmen wurden mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter der Preis der deutschen Schallplattenkritik und der ECHO Klassik.

1999 gründete Klapprott das Ensemble CANTUS THURINGIA & CAPELLA, dessen künstlerische Leitung er gemeinsam mit Christoph Dittmar innehat. Das Ensemble widmet sich der Aufführung von Werken des 16. bis 18. Jahrhunderts in vokaler und instrumentaler Besetzung. Besonders hervorzuheben sind Wiederaufführungen unbekannter mitteldeutscher Musik und Bühnenwerke in Verbindung mit historischer Schauspielkunst. CD-Ersteinspielungen bei cpo umfassen Kantaten, Passionen und Oratorien von Komponisten wie Reinhard Keiser, Friedrich Wilhelm Zachow, Georg Friedrich Händel, Georg Gebel d.J., Johann Peter Kellner, Johann Christoph Rothe und Carl Philipp Emanuel Bach.

Als Initiator des Projekts „Musikerbe Thüringen“ setzt sich Klapprott für die Wiederentdeckung und Veröffentlichung unbekannter thüringischer Vokal- und Instrumentalmusik ein, unter anderem durch eine CD-Reihe bei cpo und eine entsprechende Edition. Seine wissenschaftliche Arbeit spiegelt sich in Fachartikeln wider, darunter die umfassende Studie „sangbar und zusammenhängend spielen – Aspekte der Kantabilität im Spiel des Clavichords, dargestellt anhand von Quellen der Zeit Carl Philipp Emanuel Bachs“ (Michaelsteiner Konferenzberichte Bd. 82).

Seine Lehrtätigkeiten führten ihn an zunächst an die Universität Dortmund und die Hochschulen für Musik in Detmold und Herford. Seit 1994 ist er Professor an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar für Cembalo, Historische Tasteninstrumente und Generalbass am Institut für Alte Musik sowie für Orgel (Schwerpunkt 16. bis 18. Jahrhundert) in der Studienrichtung Kirchenmusik/Orgel. Zudem lehrt er Cembalo/Historische Tasteninstrumente am Institut für Alte Musik und Aufführungspraxis der Hochschule für Künste Bremen. Darüber hinaus gibt er Meisterkurse und Gastvorträge in Europa und den USA, unter anderem an der Juilliard School in New York, der Eastman School in Rochester, dem Oberlin Conservatory und der Boston University.

[14.05.2025]