Prof. Gonzalo Simonetti | Foto: Universität Alberto Hurtado

Gäste aus Südamerika

Workshop und Konzert mit chilenischem Kunstlied im Rahmen der Liedtage

Im Laufe des Wintersemesters hat Prof. Christoph Ritter mit seinen Studierenden das „Deutschsprachige chilenische Kunstlied zwischen Spätromantik, Impressionismus und Moderne“ erkundet. Im Rahmen der Liedtage XVIII gibt es nun einen Workshop mit zwei Gastprofessoren aus Chile sowie ein öffentliches Abschlusskonzert am Dienstag, 10. Februar um 19:30 Uhr im Festsaal Fürstenhaus. Der Eintritt ist frei!

„Es galt ein sehr spannendes, weithin unbekanntes und sehr originelles Repertoire zu entdecken“, erzählt Prof. Christoph Ritter, der am Institut für Gesang und Musiktheater Werkstudium sowie Lied- und Partienstudium unterrichtet. „Vielfältig sind die Beziehungen der chilenischen Komponistinnen und Komponisten zur deutschen Sprache und Kultur. Uns begegnen spannende Künstlerbiografien zwischen den Kulturen“, so Ritter weiter.

Auf dem Programm des Abschlusskonzerts stehen Lieder von Leni Alexander, Federico Heinlein, Hans Helfritz, Carmela Mackenna, Alfonso Leng und Alfonso Montecino. Es handelt sich dabei um Erstaufführungen und Deutsche Erstaufführungen. Die Idee für diesen Liedkurs war im Austausch mit Kolleg*innen der Universidad Alberto Hurtado Santiago de Chile entstanden, mit der die Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar eine Kooperation verbindet. In Vorbereitung auf das Konzert werden die aus Chile angereisten Professoren Gonzalo Simonetti und Gonzalo Cuadra ihre Erfahrungen im Rahmen eines Workshops an die Studierenden weitergeben.

Video-Aufnahmen ausgewählter Lieder des Programms sollen auf dem YouTube-Kanal der Weimarer Hochschule veröffentlicht und dann mit der Internet-Plattform „Anthologie de la Canción de Arte Chilena“ (Anthologie des chilenischen Kunstliedes: https://antologiadelacancion.uahurtado.cl) verlinkt werden. Diese Anthologie ist im Musikinstitut der Universität Alberto Hurtado entstanden, um klassische Lieder für Gesang und Klavier von chilenischen und ausländischen Komponisten zu bewahren, die im Land gelebt haben. Das Anthologie-Projekt umfasst die audiovisuelle Aufnahme jedes Liedes, die Herausgabe der Partitur und Hilfestellungen für die Interpretation.

Das nationale Vokalrepertoire Chiles in schriftlicher Tradition lässt sich bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Allgemeinen handelte es sich damals um ein Repertoire für Gesang und Klavier mit Liebes- oder sentimentalen Texten, in einfacher Ausführung für den Hausgebrauch bestimmt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand unter dem Einfluss von Musikern, die am Nationalkonservatorium ausgebildet worden waren, und nach dem Vorbild des europäischen Kunstliedrepertoires eine chilenische Entsprechung, in der diese Einflüsse deutlich zu erkennen waren.

Im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts ging die Kunstliedszene in Chile Hand in Hand mit den weltweiten Strömungen und Positionen, verbunden mit politischen und künstlerischen Gedanken, avantgardistischen Schaffens- und Experimentierlinien oder auch einem eher traditionellen Ansatz. Die „Antología de la Canción de Arte” (Anthologie des Kunstliedes) der Universität Alberto Hurtado umfasst dieses Repertoire aus drei Jahrhunderten, das größtenteils unveröffentlicht oder wenig verbreitet ist, und zeugt von seiner Qualität, Vielfalt und Aktualität.

Prof. Gonzalo Simonetti ist ein ausgebildeter Bariton und Gesangslehrer, der am Musikinstitut der Universität Alberto Hurtado tätig ist und dort im Studiengang „Interpretación Superior mención Canto” Gesang und Phonetik lehrt. Engagements als Sänger führten ihn u.a. an die Opernhäuser in Weimar, Erfurt, Meiningen und Görlitz. 

Prof. Gonzalo Cuadra ist ein Sänger, Musikwissenschaftler, Komponist und Regisseur. Im Bereich des chilenischen Kunstlieds ist er seit fünf Jahren Co-Direktor des Projekts „Antología de la canción de arte chilena” an der Universität Alberto Hurtado. 

[06.02.2026]