Prof. Dr. Matthias Lewy | Foto: Thea Ulbricht

Existenzweisen der Musik

Antrittsvorlesung von Matthias Lewy, Professor für Transcultural Music Studies

Zur Hälfte aus Musik und zur Hälfte aus Betrachtungen derselben besteht die Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Matthias Lewy. Dabei richtet der Musikwissenschaftler seinen Blick weit über die europäischen Grenzen hinaus. „Existenzweisen der Musik – kollaborative Forschung und Lehre in den Transcultural Music Studies“ lautet der Titel der öffentlichen Vorlesung Im Rahmen des 154. Hochschulgeburtstags, des „Dies Academicus“, am Mittwoch, 24. Juni um 18:00 Uhr im Festsaal Fürstenhaus. Der Eintritt ist frei.

Musikalisch eröffnet wird der Abend mit Rhythmen aus dem Iran auf der Rahmentrommel Daf, gefolgt von Klängen des Zagrosgebirges auf der Hirtenflöte Ney und einer „Chūpāni“-Improvisation. Der Künstler E. Zare präsentiert abschließend noch festliches und mystisches Tanzrepertoire sowie ein Folklore-Lullaby, unter anderem auf dem Blasinstrument Balaban. Im Anschluss hält Prof. Dr. Matthias Lewy, der am Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena lehrt, seine Antrittsvorlesung.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends ist dann die Übergabe des Co-Chair des Weimarer „UNESCO Chair on Transcultural Music Studies“ durch den amtierenden Inhaber Prof. Dr. Tiago de Oliveira Pinto. Im Jahr 2027 soll die Übergabe des Chair folgen.

Zum Ausklang spielt das „Transcultural Choro Ensemble“ unter der Leitung von Tiago Santos. Der Choro ist eine brasilianische, künstlerische und kulturelle Praxis, ein Musikgenre, dessen früheste Spuren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Im Jahr 2024 wurde der Choro als immaterielles Kulturerbe Brasiliens anerkannt. Das Ensemble setzt sich aus Studierenden zusammen, die an den künstlerisch-wissenschaftlichen Projektseminaren des „UNESCO Chair on Transcultural Music Studies“ teilnehmen, sowie aus Alumni der Weimarer Musikhochschule. Es erklingen zehn verschiedene Choro-Stücke auf u.a. Mandoline, Klarinette, Saxophon, Akkordeon, Violine, Gitarre und Cavaquinho.

Prof. Dr. Matthias Lewy, geboren 1973 in Magdeburg, studierte Vergleichende Musikwissenschaft sowie Kultur- und Sozialanthropologie an der Freien Universität Berlin und absolvierte ergänzend ein Diplom in Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler" Berlin. Nach frühen Tätigkeiten im Kultur- und Musikmanagement, u. a. bei Piranha Musik und dem Weltmusik-Netzwerk WOMEX, wandte er sich der Wissenschaft zu. Ab 2005 führte er umfangreiche Feldforschungen in Venezuela und Nordbrasilien durch, die die Grundlage seiner Promotion und seiner späteren Arbeiten zu Klangontologien Amazoniens bilden.

Von 2015 bis 2019 war er Professor für Musikethnologie an der Universität Brasília. Anschließend wechselte er in die Schweiz, wo er bis 2024 als Professor für Forschung und Lehre am Competence Center Music Education Research der Hochschule Luzern tätig war. 2024 habilitierte er sich an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und erhielt die Venia Legendi im Fach Musikwissenschaft. Seine Forschung umfasst Klangontologien Amazoniens, populäre Musiken Lateinamerikas und der Karibik sowie Fragen der kollaborativen Archivierung und kuratorischen Museumspraxis, derzeit im Sonderforschungs-Projekt „Resozialisierung von Klang / Resocializing of Sound“. Er ist Mitglied des Bundesfachausschusses Kulturelle Vielfalt des Deutschen Musikrats.

[19.06.2026]