Stadtkirche St. Peter und Paul | Foto: Franziska Epp

Spätromantische Klangwelten

Ethel Smyths „Mass in D“ erklingt in studentischer Interpretation in der Herderkirche

Eine Messe abseits des Standardrepertoires: Die Kirchenmusikstudierenden Annabelle Sachse und Felix Schramm bringen das selten aufgeführte Werk „Mass in D“ von Ethel Smyth in der Stadtkirche St. Peter und Paul (Herderkirche) zum Klingen. Das Konzert am Samstag 18. April, um 19:00 Uhr ist für beide gleichermaßen der Abschluss ihres Diplomstudiums im Fach Chor- und Orchesterleitung. Die Studierenden aus der Klasse von Prof. Martin Sturm präsentieren dabei ein Werk, das sowohl musikalisch herausfordernd als auch kulturhistorisch bedeutsam ist.

„Die Messe bewegt sich in spätromantischen Klangwelten mit großen dynamischen Kontrasten und einer farbenreichen Orchestrierung“, beschreibt Annabelle Sachse das Werk. Besonders auffällig sei die große Besetzung. An der Aufführung in Weimar wirken rund 100 Studierende, Alumni und junge Musiker*innen in Chor, Orchester und Solopartien mit. Die Solist*innen des Abends sind Mirijam Denz (Sopran), Nolwenn Tilly (Alt) und Samuel Huhn (Bass). Der Eintritt ist frei.

Anders als viele Messkompositionen ist Smyths Werk nicht für den liturgischen Gebrauch, sondern ausdrücklich für das Konzert komponiert. Auch in der Struktur weicht Smyth von der traditionellen Messordnung ab: Das Gloria steht als musikalischer Höhepunkt am Ende des Werks und nicht – wie liturgisch üblich – nach dem Kyrie.

Ethel Smyth zählt zu den wichtigsten Komponistinnen des 19. Jahrhunderts. Ihre Musik stand lange Zeit im Schatten ihrer männlichen Zeitgenossen. Durch ihr Engagement in der englischen Frauenbewegung und ihr offenes, queeres Leben wagte sie bereits damals einen mutigen Schritt, der bis heute inspiriert.

Mit ihrem Projekt wollen die Studierenden zur Sichtbarkeit von Komponistinnen im Konzertleben beitragen. Darüber hinaus betont Felix Schramm, stehe ihre Arbeit für Diversität, studentische Eigeninitiative sowie ein gleichberechtigtes, offenes und demokratisches Miteinander: „Gerade in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Spannungen sehen wir in der Musik eine Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen“. Am Projekt arbeiten Studierende aus unterschiedlichen Studiengängen und verschiedenen Ländern und können so „durch Musik Begegnung und Verbindung schaffen“.

Die künstlerische Verantwortung liegt dabei zu gleichen Teilen bei den beiden Organisator*innen. Auch die Zusammenstellung von Chor, Orchester und Solist*innen sowie die Planung der Proben und des Instrumentariums liegen ganz in der Hand der Studierenden. Sie sammeln dabei wichtige praktische Erfahrungen für ihr Berufsleben.

[19.03.2026]