
Die Entführung aus dem Serail
Studierende bringen eine zeitgemäße Version der Mozart-Oper auf die Bühne
Unter dem Titel „OPERation Serail“ wird eine berühmte Mozart-Oper mit zeitgenössischen, frischen Blicken seziert: Studierende der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar bringen Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ am Samstag, 28. und Sonntag, 29. März jeweils um 19:00 Uhr im Studiotheater Belvedere zur Aufführung. Werkeinführungen beginnen jeweils bereits um 18:30 Uhr. Der Eintritt zu beiden Vorstellungen ist frei!
Die musikalische Leitung des rein studentischen Projekts übernimmt Sebastian Ickstadt, Regie führen Rieke Julia Nuber und Fabius Tietje. Für die Ausstattung im Studiotheater sorgt Victoria Kerl. Es singen Studierende der Weimarer Musikhochschule, die gemeinsam mit einem Projektchor und einem Projektorchester auf der Bühne stehen.
Der Titel „OPERation Serail“ ist für das Regieteam zugleich Programm: die „Operation“ am Werk wird wörtlich genommen. Was passiert, wenn man das Skalpell ansetzt und die Oper konsequent von ihren antiquierten Schichten befreit?
Die künstlerische Untersuchung stellt Fragen, „die heute wie damals unter den Nägeln brennen“, so das Regieteam. Wie behauptet man sich als Individuum in starren Strukturen, und welchen Preis hat die eigene Selbstbestimmung in einem repressiven Umfeld? Das studentische Projekt bietet jungen Kunst- und Kulturschaffenden die Möglichkeit, das Werk kritisch neu zu entdecken und in einer zeitgemäßen, gekürzten Version eigenständig auf die Bühne zu bringen.
Das Regieteam beschreibt seine Inszenierung mit folgenden Worten:
„Die Entführung aus dem Serail zählt zu den am Kontroversesten diskutierten Opern der Gegenwart. Nationalistische, exotistische und rassistische Lesarten stehen dem unbestrittenen musikalischen und dramaturgischen Reichtum des Werkes gegenüber, das zugleich fest im Opernrepertoire verankert ist. Die Inszenierung verzichtet auf eine historisierende Verortung und löst den Raum aus seinem klischeebehafteten Bedeutungszusammenhang. Das Serail erscheint nicht mehr als konkreter geografischer Ort, sondern als funktionaler Macht- und Kontrollraum, in dem Abhängigkeiten hergestellt und aufrechterhalten werden.
Belmonte und Pedrillo treten nicht als klassische Opernhelden auf, sondern als Bittsteller und Anwärter, die sich in einem System aus Überwachung und funktionalen Abhängigkeiten unter Selim beweisen müssen. Die erste Konfrontation mit Osmin verschärft dieses Machtgefüge und rückt die Rolle weg von der traditionellen Randfigur. Als Relikt eines vergangenen Systems klammert er sich an eine längst verlorene ‚Zucht und Ordnung‘, während seine eigene Autorität durch eine innere Instabilität untergraben wird. Inmitten dieser Abhängigkeiten behaupten sich die Frauenfiguren jenseits gewohnter Opernklischees. Konstanze bricht die romantische Erwartung bereits in der Ouvertüre. Blonde hingegen führt vor, wie man sich im modernen Serail Respekt verschafft. Und wo Grenzen überschritten werden, bleibt Flucht als Möglichkeit, der Kontrolle zu entkommen.“
[04.03.2026]
