
„Aufarbeitung hat oberste Priorität“
Hochschule für Musik bekennt sich zu ihrer Verantwortung
Im ARD-Magazin „Report Mainz“ wurden am 19. Mai schwere Anschuldigungen gegenüber einem im Jahr 2012 für die Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar tätigen Lehrbeauftragten erhoben, der seither nicht mehr an der Hochschule und am Musikgymnasium Schloss Belvedere unterrichtet hat. Dieser Lehrbeauftragte habe während einer Exkursion der Hochschule für Musik eine damalige Schülerin des Musikgymnasiums sexuell belästigt. Ein Professor der Hochschule wird im Beitrag zudem beschuldigt, der betroffenen Schülerin eine Mitschuld gegeben und somit den Täter geschützt zu haben.
Die aktuelle Hochschulleitung wurde vor der ARD-Sendung mit den Vorwürfen konfrontiert und hat sofort eine Untersuchungskommission eingesetzt, die hausinterne Recherchen begonnen hat. Inzwischen wurden mit damals involvierten Personen Gespräche geführt bzw. angeboten. Der Untersuchungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Sollte sich im Zuge der Untersuchungen herausstellen, dass es in der Vergangenheit zu Versäumnissen seitens der Hochschule gekommen ist, übernimmt die Hochschule hierfür die volle Verantwortung.
„Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst und zweifeln sie nicht an. Im Namen der Hochschule bitte ich alle Personen um Entschuldigung, die an unserer Hochschule solches persönliche Leid erfahren mussten“, so Hochschulpräsidentin Prof. Anne-Kathrin Lindig. „Wir sind dabei, uns ein möglichst umfassendes Bild von den damaligen Geschehnissen zu machen. Die sofortige Aufarbeitung hat für uns oberste Priorität. Zudem verfolgen wir täglich das Ziel, immer bessere und sicherere Bedingungen gerade auch für den Einzelunterricht zu schaffen.“
Machtmissbrauch und Verletzungen der Intimsphäre von Hochschulmitgliedern oder Schutzbefohlenen werden an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar nicht geduldet. Festgestellte Verstöße werden von der Hochschulleitung mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln geahndet. Die Hochschule hat innerhalb der letzten Jahre bereits umfangreiche Maßnahmen zur Sensibilisierung, zur Prävention, zum Schutz der Betroffenen und zum Umgang mit Machtmissbrauch, Diskriminierung und sexualisierter Gewalt ergriffen – und wird diesen Prozess weiter intensivieren. Die Hochschule wünscht sich, dass Betroffene sich direkt an die Hochschulleitung wenden oder sich über den seit mehreren Jahren bestehenden SOS-Knopf auf der Hochschul-Website über die Ansprechpersonen, Anlaufstellen und anonymen Briefkästen informieren und ihre Fälle melden.
Die deutschen Musikhochschulen stellen sich seit zehn Jahren gemeinsam und systematisch der Aufgabe, Ursachen von Machtmissbrauch zu erkennen, Strukturen weiterzuentwickeln und so nicht nur exzellente, sondern auch sichere Studienbedingungen zu gestalten. Durch die aktuell laufende wissenschaftliche Studie zu Machtmissbrauch an deutschen Musikhochschulen, die von dem unabhängigen Forschungsinstitut IPP München umgesetzt wird, werden erstmals flächendeckende belastbare Erkenntnisse über Ausmaß und Erscheinungsformen von Machtmissbrauch an den deutschen Musikhochschulen vorliegen. Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2027 veröffentlicht.
[20.05.2026]
