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"Leise Zwischentöne wahrnehmen": Im Gespräch mit unserer Diversitätsbeauftragten Prof. Meike Britt Hübner

Prof. Meike Britt Hübner | Foto: Alexander Burzik

"Leise Zwischentöne wahrnehmen": Im Gespräch mit unserer Diversitätsbeauftragten Prof. Meike Britt Hübner

Unterschiedliche Lebensentwürfe anerkennen und würdigen, Benachteiligungen abbauen und damit Chancengleichheit ermöglichen – das sind einige der Aufgaben unserer Diversitätsbeauftragten. Im Oktober 2020 übernahm Meike Britt Hübner, Professorin für Musik- und Bewegungspädagogik/ Rhythmik, erstmals dieses Amt. UNISONO traf sie für eine erste Bilanz zum Gespräch.

Frau Prof. Hübner, das Amt des*der Diversitätsbeauftragten ist mit dem aktuellen Thüringer Hochschulgesetz neu geschaffen worden. Warum brauchen wir ein Amt, das sich für Vielfalt einsetzt?

Prof. Hübner: Um Vielfalt nicht als Dekor, sondern substanzielles Potenzial wirksam werden zu lassen und Chancengleichheit zu fördern: Es bedarf des genauen Hinsehens und -Hörens, um auch leise Zwischentöne wahrzunehmen. Das ist in unserer eher lauten Welt nebenbei nicht ohne weiteres möglich. Durch die Funktion wird nicht nur die Existenz des weitgefächerten Felds an Themen und deren Relevanz für unsere Hochschule anerkannt, sondern ihnen wird bewusst Zeit und Raum eingeräumt. Gleichzeitig bekommt sie eine Gerichtetheit, eine konkrete Adresse und auch eine Person, einen Menschen, der ansprechbar ist.


Welche Themen haben sich seit Ihrem Amtsantritt als besonders relevant herausgestellt?

Kommunikation: Damit ist z.B. einerseits konkret die Frage der Verwendung gendersensibler bzw. machtfreier Sprache gemeint, die vielerorts und damit auch an unserem Haus kontrovers diskutiert wird mit den Argumentationsebenen Sprachrichtigkeit und Weltanschauung.
Außerdem auch die Verbreiterung bzw. die Spezifizierung unserer Beratungsangebote für Studierende, Lehrende und Mitarbeitende hinsichtlich der besonderen Situation bei uns als Musikhochschule.


Welche anderen Themen wollen Sie außerdem angehen? Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Zunächst geht es um Sensibilisierung für das Thema. Diversität als Qualitätsmerkmal zu implementieren in den Köpfen und Herzen und damit im Alltag der Hochschule, insbesondere auch in der Lehre.


Wie können sich die Hochschulmitglieder an Sie wenden?

Jederzeit persönlich natürlich. Auch per E-Mail ist ein guter Weg: diversitaetsbeauftragte(at)hfm-weimar.de. Jeden Mittwoch biete ich zwischen 11:30 und 12:30 Uhr auch das Forum „Diversität“ als feste Sprechzeit an, derzeit allerdings nur per Webex. Ich rufe alle auf: Kommen Sie auf mich zu, sprechen Sie mich an! Wichtig ist: Alle Anliegen behandele ich vertraulich und gern auch anonym!


Wie arbeiten Sie mit der Gleichstellungsbeauftragten zusammen, deren Amt es ja weiterhin gibt?

Wir befinden uns gerade in einem personellen Wechsel durch das Ende der Amtszeit unserer letzten und dem Beginn der Amtszeit unserer neuen Gleichstellungsbeauftragten. Der Beirat für Gleichstellungsfragen, dem wir angehören, ist derzeit sehr konkret mit der Entwicklung des neuen Gleichstellungsplans befasst. Natürlich wünsche ich mir und braucht es eine enge Zusammenarbeit durch die Nähe und Überlappung beider Bereiche, die ja für Chancengleichheit stehen: Kurze Wege, gegenseitige „Beflügelung“ und gegenseitige Unterstützung durch strukturelle Bündelung.


Wir sind gerade in das zweijährige „Audit Diversity“ eingetreten. Was genau ist in diesem Prozess zu erwarten?

Durch das Audit dürfen und können wir unser Haus durch eine Lupe betrachten: Zunächst geht es darum, unsere Hochschule in den verschiedenen Dimensionen bezüglich Diversität zu erkennen, also eine IST-Analyse zu erstellen: Was gibt es bei uns? Daraus werden sich die Fragen ergeben: Was fehlt uns? Was brauchen wir, die Menschen an unserem Haus? Wie möchten wir unser Miteinander gestalten? Was ist uns wichtig?

Hochschulen sind Orte des Diskurses und stellen Räume dar, die Themen hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Relevanz be-und verhandeln können, also auch ein Stück weit in der Verantwortung stehen. Das ist durch den Auditierungsprozess in besonderer Weise noch einmal anzustoßen, weiter zu intensivieren und zu aktualisieren, denn die einzelnen Dimensionen von Diversität sind ja doch keine Neuerfindung und damit auch in Teilbereichen bereits mitgedacht.

Jetzt können wir durch das Audit Existierendes vertiefen und miteinander in Beziehung setzen – also Schnittstellen schaffen, bereits Erarbeitetes bündeln und sinnvoll mit Neuem verklammern: Das ist eine tolle Chance! Ich freue mich darauf, das mit Ihnen allen zusammen anzugehen und bedanke mich bereits jetzt für das Engagement und Interesse sowie die Unterstützung des Bereichs Diversität.


Vielen Dank für das Gespräch!
Die Fragen stellte Ina Schwanse