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Begegnungskultur erhalten: Prof. Gero Schmidt-Oberländer spricht über den Hunger aufs Musizieren und die Suche nach alternativen Lehrformaten in Zeiten von Corona

Auf Abstand: Unterricht von Prof. Clemens Tiburtius am Institut für Musikpädagogik und Kirchenmusik während des Sommersemesters 2020 | Foto: Maik Schuck

Begegnungskultur erhalten: Prof. Gero Schmidt-Oberländer spricht über den Hunger aufs Musizieren und die Suche nach alternativen Lehrformaten in Zeiten von Corona

Im vergangenen Sommersemester mussten Studium und Unterricht an vielen Stellen neu gedacht und angepackt werden. Einige Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 konnten mit Beginn des Wintersemesters gelockert werden. Das Institut für Musikpädagogik und Kirchenmusik, wo viele Gruppenunterrichte stattfinden und das mit vielen externen Partner*innen zusammenarbeitet, steht vor besonderen Herausforderungen. Wie das Institut mit der Situation umgeht, erzählt Institutsdirektor Prof. Gero-Schmidt-Oberländer im Gespräch.

Prof. Schmidt-Oberländer, wie haben Sie den Unterricht an Ihrem Institut organisiert?

Wir versuchen, in allen Bereichen Präsenzunterricht anzubieten. Im Einzelunterricht geht das sehr leicht, für den Gruppenunterricht gibt es Raumkonzepte. Zum Glück haben wir große Räume in der Hochschule, wo Chorarbeit möglich ist oder wo die SchuMu-Bigband arbeiten kann. Man muss sehr genau planen. Aber alle sind wild darauf, wieder gemeinsam zu unterrichten und zu musizieren. Es ist einfach ein Hunger aufs Musizieren da.

Ihre Studierenden arbeiten viel mit Menschen aus Kindergärten, (Musik-)Schulen und mit Personen von anderen externen Einrichtungen zusammen. Wie können diese Unterrichte unter den aktuellen Umständen stattfinden?

Mit Personen aus anderen Einrichtungen wird es tatsächlich schwierig. Dafür benötigen wir Konzepte, die beiden Institutionen gerecht wird.

Wir haben im Bereich Elementare Musikpädagogik in diesem Semester im Haus eine Senior*innengruppe und eine Eltern-Kind Gruppe. Außerdem sind wir im Kindergarten im Kirschbachtal in zwei Kindergruppen: Wir sind sehr froh, dass das möglich ist (auch wenn es fachlich herausfordernd ist, eine den erforderlichen Hygienebestimmungen gemäße Anpassung der Inhalte zu entwickeln).

Bei den unterrichtspraktischen Übungen wird es eine Hybridform geben. Wo es geht, werden wir mit Schulen kooperieren, aber das hängt von den Klassengrößen und Raumkapazitäten der Schulen ab. Gleichzeitig haben wir die unterrichtspraktischen Übungen so ausgeweitet, dass wir die Unterrichtssituationen mit anderen Studierenden nachstellen. Es ist zwar etwas anderes, die eigenen Kommiliton*innen statt die Schüler*innen in der Schule zu unterrichten. Aber die Umstände zwingen uns leider dazu.

Konnten die Praxissemester im Sommersemester durchgeführt werden?

Ja, die Praxissemester konnten stattfinden – für die Studierenden aber leider oft mit unbefriedigendem Ergebnis. Entweder waren die Schulen ganz geschlossen oder es fand Online-Unterricht statt. Einige haben auch berichtet, dass sie die Betreuung anderer Fächer übernehmen mussten. Viele haben daher entschieden, das Kann-Semester in Anspruch zu nehmen und das Praxissemester zu wiederholen.

Haben Sie generell bei den Studierenden eine große Verunsicherung erlebt?

Nein, das kann ich nicht sagen. Es gab natürlich mehr Nachfragen als sonst, aber ich habe das Gefühl, dass sich alle gut mitgenommen fühlen. Man muss sagen, dass unsere Hochschule die Situation insgesamt vorbildlich gemanagt hat. Ich bin viel im Austausch mit Kollegen an anderen Hochschulen. Da hat der Unterricht viel später oder auch gar nicht in Präsenz stattgefunden. Wichtig ist es, immer wieder an die Disziplin zu appellieren und an die Einhaltung der Regeln zu erinnern.

Welche Alternativen mussten Sie am Institut noch finden?

Die größte Schwierigkeit im Moment ist: Wie gehen wir mit Konzerten um? Im Sommer war es einfacher. Da haben wir open air gespielt. Im Winter wird das schwieriger. Natürlich wollen wir das Programm öffentlich spielen, das wir geprobt haben. Wie das gehen kann, müssen wir noch überlegen. Denkbar sind kleinere Besetzungen oder mehrere Konzerte mit kleinen Zuschauergruppen.

Welche sonstigen Einschränkungen erleben Sie?

Was unser Institut sehr auszeichnet, ist die familiäre Atmosphäre – gemeinsam im Foyer sitzen, sich austauschen. Im Sommer ging das noch sehr gut. Da haben wir uns vor der Tür getroffen und uns unterhalten. Diese Begegnungskultur zu erhalten ist nicht ganz leicht. Dafür müssen wir noch einen Weg finden.

Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Ina Schwanse


[16.10.2020]