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Feuer und Flamme: Fanny Kloevekorn spricht über ihr Konzertexamen und ihren Weg von der Studentin zur Solo-Oboistin

Fanny Kloevekorn

Feuer und Flamme: Fanny Kloevekorn spricht über ihr Konzertexamen und ihren Weg von der Studentin zur Solo-Oboistin

Sie sorgt für eine europäische Erstaufführung in Weimar. Im Sinfoniekonzert des Hochschulorchesters am Donnerstag, 30. Januar wirkt Fanny Kloevekorn als Solistin im Oboenkonzert „Spirit of the Wild“ von Nigel Westlake. Mit dem Konzert wird die Oboistin ihr Aufbaustudium zum Konzertexamen an der HfM abschließen. Fanny Kloevekorn, die in der Klasse von Prof. Matthias Bäcker studierte, war bereits Solo-Oboistin beim Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchester und bei der Estonian National Opera. Seit dem Sommer 2018 hat sie dieselbe Position im Philharmonischen Orchester Hagen inne.

Frau Kloevekorn, warum haben Sie das Oboenkonzert „Spirit of the Wild“ für Ihr Konzertexamen ausgewählt?
Im Frühjahr letzten Jahres bekam ich von meinem Lehrer eine WhatsApp mit dem Link zu der Premiere des Oboenkonzerts mit den Worten, ob das nicht etwas für mein Konzertexamen wäre. Ich habe es mir angehört und war sofort Feuer und Flamme! Es ist erst einmal das mit Abstand schwerste Stück, das ich bisher einstudiert habe. Die Virtuosität ist sagenhaft und zugleich kann man gerade im dritten Satz auch die klangliche Vielfalt meines Instruments wunderbar herausbringen. Es ist für mich ein sehr komplettes Werk und die Wirkung ist sehr viel eindringlicher als die traditionellen Oboenkonzerte.

Wie bereiten Sie sich auf das Konzert vor?
Ich habe Kontakt zu Herrn Westlake aufgenommen, weil mich sehr interessiert hat, wie es zu dieser Komposition gekommen ist. Als ich es das erste Mal hörte, dachte ich schon, dass es bestimmt von der australischen Natur inspiriert ist, was mir Herr Westlake bestätigt hat: In der Entstehungszeit des Konzerts hat er eine Reise nach Tasmanien unternommen. Ich habe ansonsten kein spezielles Geheimnis. Einfach üben, bis es sich einprägt. Und ganz wichtig: Es immer wieder ruhen lassen.

Sehen Sie es als Risiko oder als Chance, dass das Konzert noch nicht so häufig gespielt wurde?
Ich sehe es als große Chance an. Mein Lieblingskonzert war immer das Strauss-Oboenkonzert, aber ich empfinde es als viel spannender, jetzt einem quasi "neuen" Werk meinen persönlichen Stempel aufzudrücken.

Spielen Sie gern eher unbekannte und zeitgenössische Werke?
Ich habe sehr viel moderne Musik gespielt und bin diesbezüglich auch experimentierfreudig, gerade in meiner solistischen Arbeit. Jedoch ist mein anderes großes Kerngebiet die schwere Romantik. Auch wenn viele schon beispielsweise Strauss und Schumann gespielt haben, so kann man unabhängig davon seinen eigenen klanglichen Weg mit der Literatur gehen.

Wer oder was hat Sie auf Ihrem beruflichen Weg entscheidend geprägt?
Meine Mutter. Sie war meine erste Oboenlehrerin und hat dafür gesorgt, dass ich zur richtigen Zeit die richtigen Lehrer bekommen hatte. Ich war immer in der glücklichen Situation, dass ich genau wusste, dass meine jeweiligen Lehrer in der jeweiligen Situation genau zu mir passten. Das waren im Vorstudium und im Bachelor Diethelm Jonas und im Master und Konzertexamen Matthias Bäcker. Beide haben mich in meinem oboistischen Weg maßgeblich zu der Oboistin entwickeln lassen, die ich bin. Ein weiterer großer Baustein war mein Auslandsjahr in Lyon, wo ich mich persönlich und oboistisch sehr frei entfalten konnte. Und was meinen Weg in einer ganz anderen Art beeinflusst hat, das war der plötzliche Tod meiner Mutter. Dies hat mich und auch mein Spiel nachdrücklich verändert.

Gibt es etwas, wofür Sie sich einsetzen?
Ich bin Delegierte meines Orchesters bei der Deutschen Orchestervereinigung. Das heißt, ich vertrete unser Orchester bei der Gewerkschaft. Dies ist mir ein persönliches Anliegen, seit ich Erfahrungen im Ausland gesammelt habe und dort gemerkt habe, wie es ist, wenn es keine Regeln, keine Gesetze, keine Gewerkschaft gibt, die einen vor Willkür, vor Rassismus und Sexismus schützt.
Privat ist mir in einem großen Maße der Kontakt zu meiner Familie wichtig, man nimmt dies oft als selbstverständlich hin. Ich habe leider erfahren, dass dies nicht so ist und bin dankbar, dass ich in der Lage bin, Verantwortung gegenüber meiner Familie zu übernehmen.

Was machen Sie, wenn Sie nicht auf der Bühne stehen?
Wann steht man jemals nicht auf der Bühne? Privat schreibe ich gerne in Phasen, in denen ich meine Kreativität nicht vollends in der Musik aufbrauche.

Wie geht das Jahr für Sie weiter? Welche Pläne gibt es?
Neben meinem normalen Dienst beim Philharmonischen Orchester Hagen darf ich dort zusätzlich an einem interessanten Projekt mit neuer Musik solistisch mitarbeiten. Und dann haben mein Pianist und ich schon seit einiger Zeit vor, unsere nächste CD herauszubringen. Ich hoffe, dass wir mit der Planung noch in diesem Jahr anfangen können.

Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Ina Schwanse


Sinfoniekonzert mit dem Hochschulorchester
Do 30. Januar, 19:30 Uhr | Weimarhalle
Leitung: Prof. Nicolás Pasquet

Programm:
I. Strawinsky: Der Feuervogel - Suite für Orchester
N. Westlake: Oboenkonzert "Spirit of the Wild"
S. Rachmaninow: Sinfonische Tänze op. 45