Sammlung und Ausstellungen

Regelmäßig veranstaltet der UNESCO Lehrstuhl „Transcultural Music Studies“ (TMS) Ausstellungen im Rahmen von Veranstaltungen, Lehre und Forschungsprojekten.

Musikinstrumente aus vier Kontinenten

Seit den 1980er-Jahren baut Prof. Dr. Tiago de Oliveira Pinto eine Lehrsammlung mit Musikinstrumenten auf. Die Instrumente sind Mitbringsel von Forschungsreisen oder Geschenke von internationalen Wissenschaftler/-innen. Einige werden auch von Instrumentenbauern oder Studierenden, im Rahmen von Projekten und oft nach Vorbildern, am Lehrstuhl selbst hergestellt. Die Sammlung umfasst rund einhundert Instrumente aus Afrika, Asien, Südamerika und Europa.

Verschiedene Musikinstrumente wie zum Beispiel die Litungu (Kenia), der Mundbogen Xizambi (Mosambik) oder die Rubab (Afghanistan) sind dauerhaft im Hörsaal des Hochschulzentrums am Horn in Weimar zu sehen. Jedes Instrument hat eine besondere Verbindung zum Lehrstuhl und seine eigene Geschichte.

Sammlung „Transcultural Music Studies“

Luka Mukhavele, Musikwissenschaftler und Instrumentenbauer, begutachtet die Floßzither aus Nigeria | Foto: TMS

Schenkung Floßzither

Die Floßzither aus Nigeria ist ein Saiteninstrument, das aus Schilfrohr gefertigt wurde. Sie gehört zu den seltenen „Idiochorden“-Instrumenten, das heißt die Saiten des Instruments sind aus dem gleichen Material gefertigt wie sein Resonanzkörper.

Mehrere Schilfrohre sind hierbei oben und unten mit Pflanzenfasern (Blattstreifen mit Schnüren aus Schilfrohrstielen) miteinander verbunden. Die Saiten werden aus dem oberen Teil der Röhren geschnitten und über zwei Schilfrohrstege, die oben und unten angebracht sind, angehoben. Kleine Steine im Inneren der Floßzither erklingen beim Spielen und reihen das Saiteninstrument somit zugleich unter die Idiophone („Selbstklinger“), weil es zugleich als Rassel eingesetzt werden kann.

Die Floßzither ist eine Schenkung von Hans P. Hahn, Professor für Ethnologie mit regionalem Schwerpunkt Westafrika an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Das Instrument wurde am 2. Oktober 2020 bei der Tagung „Musikobjekt Geschichten“ im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums Weimar an Prof. Dr. Tiago de Oliveira Pinto für die Lehrinstrumentensammlung des UNESCO Lehrstuhls „Transcultural Music Studies“ übergeben.

1986 brachte sie Prof. Dr. Hans Peter Hahn während einer Feldforschungsreise aus dem Norden Nigerias mit.

:::Aktuelles:::

Ausstellung „Klingende Objekte“

10 Jahre TMS Weimar-Jena

Eröffnung der Ausstellung „Klingende Objekte“ in Jena am 4. Juli 2019 | Foto: Privat

Musikinstrumente aus vier Kontinenten zeigte die Sonderausstellung „Klingende Objekte“ vom 5. Juli bis 8. November 2019 im Ausstellungskabinett des Universitätshauptgebäudes in Jena.

Instrumente aus der Lehrsammlung TMS

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des UNESCO-Lehrstuhls für Transcultural Music Studies (TMS) hatten Studierende der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena die Schau mit ausgewählten Musikinstrumenten der Lehrstuhl-Sammlung in Weimar organisiert.

Als 1982 Prof. Dr. Tiago de Oliveira Pinto, UNESCO-Lehrstuhl-Inhaber, in Sumatra eine Kecapi erwarb, legte er die Grundlage für die Sammlung von Musikinstrumenten aus verschiedenen Kulturen. Mittlerweile umfasst sie etwa einhundert Instrumente aus Afrika, Asien, Südamerika und Europa. 

Kooperation zwischen Jena und Weimar

Die Studierenden des TMS-Lehrstuhls und des Lehrstuhls für Volkskunde/Empirische Kulturwissenschaft der FSU Jena erforschten im Rahmen des Seminars „Klingende Objekte: Musikinstrumente im kulturellen Kontext und als immaterielles Kulturerbe“ im Wintersemester 2018/19 die kulturellen Ursprünge und Hintergründe einzelner Instrumente aus der Sammlung – unter der Anleitung von Prof. Pinto und der Volkskundlerin Dr. Juliane Stückrad (FSU Jena). Ab April 2019 bereiteten die Studierenden das erlangte Wissen für die Ausstellung „Klingende Objekte“ auf.

::: Ausstellungsflyer (PDF) :::

Ausgewählte Exponate

Mbira

Mbira aus der Werkstatt von Luka Mukavele in Maputo (Mosambik) | Foto: Privat

Die Mbira ist ein Lamellophon und gehört zu den ältesten Typen dieses Instruments. Es besteht aus einem Holzklangbrett mit Eisenzungen (Lamellen). Die Mbira wird beidhändig gespielt. Die Töne werden erzeugt, indem die Lamellen mit dem Daumen (nach unten) oder mit den Zeige-/Mittelfingern (nach oben) gezupft werden. Für eine größere Resonanz wird das Instrument in eine Kalebasse (Kürbisschale) gehalten. Die ausgestellten Exemplare stammen aus der Werkstatt von Luka Mukavele in Maputo (Mosambik).

Ngoma

Ngoma-Trommel aus Tansania und Auerstedt | Foto: Privat

Trommeln sind Membranophone, das heißt bei diesem Instrumententyp wird eine Membran in Schwingung versetzt. Die beiden wichtigsten Unterscheidungsmerkmale beziehen sich auf die Art und Weise, wie das Fell am Korpus befestigt wird, sowie auf die Form des Korpus selbst. Eingesetzt werden sie als Rhythmus- und Melodieinstrument.

Die ausgestellten Exemplare sind Ngoma-Trommeln aus Tansania und Auerstedt. Der Begriff „Ngoma“ ist sowohl die Bezeichnung für Trommeln im Allgemeinen als auch für den Tanz sowie für das dazugehörige Fest.

 

Instrumente selbst bauen

Bernhard Bleibinger, 2016/2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Transcultural Music Studies, hat sie 1998 für seine Magisterarbeit gebaut. Die zweite (kleinere) Trommel haben Studierende aus Weimar 2016 in Auerstedt hergestellt. Bleibinger, heute Professor für Musikwissenschaft in Südafrika, gibt in Projekten immer wieder seine Kenntnisse von der Herstellung der Instrumente an Studierende weiter.

Durch die Baupraxis erkunden die Studierenden das Instrument und das mit ihm verbundene Wissen auf der materiellen Ebene. Die Fellbespannung wird durch Einwirkung von Hitze und Wasser beeinflusst. Wird die Trommel am offenen Feuer erhitzt, erhöht sich die Tonhöhe. Klingt die Trommel zu hoch, wird das Fell mit wenig Wasser entspannt und die Tonhöhe somit erniedrigt. 

Was klingt?

Was wird am Instrument zum Klingen gebracht? | Foto: Privat

Weltweit gibt es viele verschiedene Versuche, Musikinstrumente zu klassifizieren. Erich Moritz von Hornbostel und Curt Sachs erstellten 1914 eine „Systematik der Musikinstrumente“. Die beiden Wissenschaftler stellen die Frage, was an einem Instrument zum Klingen gebracht wird. Sie formuliren daraus vier Hauptkategorien:

1. Das Instrument klingt selbst (Idiophon)
2. Eine Membran klingt (Membranophon)
3. Eine Saite klingt (Cordophon)
4. Eine Luftsäule klingt (Aerophon)

Mensch und Instrument im Dialog

Ein Instrument existiert nur in einem komplexen Gefüge von musikalischen Strukturen. Die Erhaltung einer Musikkultur bedeutet die Erhaltung von Zusammenhängen zwischen Menschen, Instrumenten und Strukturen.

Im Rahmen des Seminars und der Ausstellung „Klingende Objekte“ setzten sich die Studierenden mit der Frage auseinander, wie sich Musikinstrumente als Exponat in einer Ausstellung inszenieren lassen. Dabei untersuchten sie einzelne Instrumente und ihre Herstellungsmethode, ihre musikalischen Strukturen, Spielweisen sowie Bezüge zu anderen Instrumenten und Praktiken.