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Radiophone Komposition: Das Studio für elektroakustische Musik kooperiert hochschulübergreifend mit der Professur für Experimentelles Radio

Foto: Candy Welz

Radiophone Komposition: Das Studio für elektroakustische Musik kooperiert hochschulübergreifend mit der Professur für Experimentelles Radio

Das gemeinsame Studio für elektroakustische Musik (SeaM) der HfM und der Bauhaus-Universität Weimar feierte im November 2017 sein 20-jähriges Bestehen. Das Jubiläum wurde zum Anlass genommen, mit Konzerten und Installationen sowohl eine Rückschau als auch einen Blick in die Zukunft zu wagen. Die Künstlerische Leitung der Gesprächskonzerte übernahm SeaM-Leiter Prof. Robin Minard.

Die Projektion von Klängen im Raum sowie das Gestalten von „Klangräumen“ spielen seit der Gründung des Studios im Jahr 1997 die zentrale Rolle. Eine weitere Facette der Kooperation zwischen den beiden Weimarer Hochschulen stellt die Zusammenarbeit des SeaM mit der Professur für Experimentelles Radio von Nathalie Singer vor.

Im Mittelpunkt der Kooperation zwischen den Lehrstühlen steht die Elektroakustik. Diese umfasst ein breites Spektrum von Konzerten über Installationen bis hin zum Radio. Die Lehre an beiden Weimarer Hochschulen ergänzt sich dabei sehr gut: Wenn die Arbeit im Radiobereich sehr kompositorisch ausfällt, kann der- oder die Bauhausstudierende auch mit Prof. Robin Minard im Studio für elektroakustische Musik im Fürstenhaus zusammenarbeiten. Gleiches gilt für die Kompositionsstudierenden der Weimarer Musikhochschule: Ist ihre Arbeit radiophon, können sie Unterricht bei Prof. Nathalie Singer am Lehrstuhl für Experimentelles Radio nehmen.

Zu den Ergebnissen dieser Kooperation zählen preisgekrönte elektroakustische Werke und Installationen wie beispielsweise A City Searches for a Microphone von Ludwig Berger und Alexander Popischil. Außerdem sind regelmäßig Werke aus dem SeaM beim studentischen Rundfunksender bauhaus.fm zu hören.

Darüber hinaus werden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen elektroakustische Musik und Medienkunst sowie Gastvorträge namhafter Künstler präsentiert. „Wir haben damit eine offene und aufnahmefähige Umgebung für die zukünftige Entwicklung der elektroakustischen Musik und der multimedialen Kunst, und zwar nicht nur in Weimar, sondern auch überregional“, betont Robin Minard.

Unkonventionelle Impulse


Nathalie Singers Professur an der Bauhaus-Universität Weimar ist als Ausbildungs- und Produktionsstätte für das künstlerische Medium Radio europaweit einzigartig. Eine umfassende Ausbildung in allen Bereichen des Rundfunks wird dort geboten: vom Journalismus über die Radiokunst bis hin zur Installation und dem Live-Hörspiel.

Durch ein eigenes Produktionsstudio und die direkte Anbindung des experimentellen Radios an den wöchentlichen Sendebetrieb des bauhaus.fm besteht die Möglichkeit, Lehrinhalte zeitnah in die Praxis umzusetzen und neue, unkonventionelle Impulse in die Öffentlichkeit zu tragen.

Laut Singer sei vor allem unter den Bachelorstudierenden die Nachfrage sehr groß. Aus der Kooperation und der unterschiedlichen Schwerpunktsetzung der beiden Lehrstühle könnten die Studierenden enorm profitieren. Innerhalb der praktisch orientierten künstlerischen Projekte der Professur für Experimentelles Radio werden Fachkurse mit Einführungen in Aufnahmetechniken und den Umgang mit Mikrophonen angeboten.

An der Musikhochschule können dann Geräte ausgeliehen und Aufnahmen gemacht werden, welche gemeinsam mit den Lehrenden ausgewertet werden. Hierbei bedarf es einer ganz anderen Art der Gehörbildung: Wie hört man beispielsweise Verzerrungen oder Kompressionen? „Tonale Musik ist in diesem Bereich nichts Alltägliches“, so Robin Minard.

Akusmatische Kunst


Minard ist der Gründungsvater des Studios für elektroakustische Musik, das seit 1999 über ein hochqualitatives, mehrkanaliges Produktionsstudio im Fürstenhaus und seit 2008 über das Werkstattstudio in der Coudraystraße verfügt.

Im Werkstattstudio ist permanent ein 40-kanaliges Lautsprecherorchester für die räumliche Gestaltung und Interpretation von akusmatischer Musik eingerichtet. In den Jahren 2013 und 2014 kam zu Forschungszwecken ergänzend ein IOSONO-System hinzu, das eine neuartige Variante von räumlicher Klangprojektion über Hochleistungslautsprecher darstellt.

Führt man sich die Veränderung der Klangwahrnehmung durch den Einsatz von Lautsprechern vor Augen, wird die Notwendigkeit der Weimarer Ausbildungsangebote deutlich: „Durch die Aufnahmetechnik wurden Klänge plötzlich zu Klangobjekten, die von einem Raum zum anderen transportiert sowie zu jeder Zeit und überall wieder aufgerufen werden konnten.

Dies stellte ein grundsätzlich neues und bis dahin unvorstellbares Phänomen dar, das schließlich die Geschichte der Musik und sogar das künstlerische Denken veränderte“, erklärt Minard.

Die Wahrnehmung von Klängen war damit nicht mehr untrennbar an den Raum gebunden. So hören wir in der heutigen Zeit Musik vorrangig nicht mehr im Konzert, sondern überall dort, wo Lautsprecher vorhanden sind – oder eben im Radio. Damit verbunden haben sich auch die Möglichkeiten für das Musikmachen geändert.

„Viele machen bereits zu Hause auf dem eigenen Rechner Musik und wollen dann lernen, wie es richtig geht“, so Minard. Die Nachfrage für die Spezialisierung im Audiobereich sowie die dafür erforderlichen Einrichtungen sind demnach vorhanden. Höchste Zeit, sie entsprechend zu nutzen.

Autorin: Julia Jakob

ASA | Prüfungsamt

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