Kreuzzüge in Chemnitz: Drei Fragen an Anna Harvey, Mezzosopranistin im "Thüringer Opernstudio"

Anna Harvey als Goffredo (rechts im Bild) | Foto: Dieter Wuschanski

Kreuzzüge in Chemnitz: Drei Fragen an Anna Harvey, Mezzosopranistin im "Thüringer Opernstudio"

Die Engländerin Anna Harvey singt im Studienjahr 2016/17 im "Thüringer Opernstudio", studiert zugleich an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar in der Hauptfachklasse von Prof. Siegfried Gohritz. Derzeit steht sie in einer ganzen Reihe von Rollen auf der Bühne des Deutschen Nationaltheaters Weimar. Dort, in der Oper "Lulu", hörte sie der Intendant des Opernhauses Chemnitz und verpflichtete die Mezzosopranistin sogleich für Händels Oper "Rinaldo", die am Samstag, 25. März in Chemnitz Premiere feierte. Anna Harvey, Absolventin der renommierten "Royal Academy of Music London", erzählte im Gespräch von ihren vielfältigen Erfahrungen im "Thüringer Opernstudio".

Frau Harvey, Sie singen in Chemnitz die Hosenrolle des Goffredo in Händels "Rinaldo". Was erwartet das Publikum?

Anna Harvey: Goffredo ist der General einer christlichen Armee zu Zeiten der Kreuzzüge – und Rinaldo einer seiner besten Soldaten, der in Goffredos Tochter verliebt ist. Doch die Schlacht gegen die Sarazenen und die Zauberin Armida kommen Rinaldo zunächst in die Quere. Die Inszenierung von Kobie van Rendsburg wird toll! Er projiziert die großen Schlachtszenen und magischen Effekte auf eine Videoleinwand, das wirkt wie ein Computerspiel. Dadurch können bestimmt auch neue Zuschauerschichten für die Oper begeistert werden.

Was lernen Sie im "Thüringer Opernstudio"?

Harvey: Am Deutschen Nationaltheater in Weimar habe ich schon Rollen in den Opern "Lulu", "Die Zauberflöte", "Die Schneekönigin" und "Die Italienerin in Algier" gesungen. Ich bin vor allem deshalb nach Weimar gekommen, um die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem englischen Opernsystem kennenzulernen. In Großbritannien kennen wir keine festen Ensembles, sondern die Häuser funktionieren kompakt mit einzelnen Produktionen im "Stagione"-Prinzip. In Deutschland muss man dagegen ständig die Rollen wechseln, manchmal in vier stilistisch sehr unterschiedlichen Opern innerhalb einer einzigen Woche. Dadurch sammelt man sehr viel Bühnenerfahrung!

Und welche Rolle spielt der Gesangsunterricht?

Harvey: Prof. Gohritz kann mir noch sehr viel beibringen! Beim Singen entwickeln sich Körper und Stimme ständig weiter, so dass man auch als Profi ständig Unterricht braucht. Hier in Deutschland muss ich im Ensemble-System härter arbeiten als im "Stagione"-Prinzip, eine Produktion folgt der nächsten. Bei dieser Intensität am Theater und den vielen Reisen ist es wichtig, dass Prof. Gohritz mir vermittelt, wie ich meine Stimme richtig und nachhaltig einsetze, so dass sie ein ganzes Berufsleben lang trägt.


Ab Mai 2017 ist Anna Harvey von der "Welsh National Opera" in Cardiff (Wales) zum "Associate Artist" auserkoren. Dieses Privileg genießt immer nur ein Nachwuchskünstler pro Jahr. In Wales singt sie unter anderem den Prinzen Orlofsky in Johann Strauß' Operette "Die Fledermaus".

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