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Für den weltweiten Einsatz: Studierende der Musikwissenschaft aus Weimar und Kabul lernen in einem gemeinsamen Onlineseminar mittels einer E-Learning-Plattform

Einige Seminarteilnehmer aus Weimar (li.) und Kabul | Fotos: Philip Küppers

Für den weltweiten Einsatz: Studierende der Musikwissenschaft aus Weimar und Kabul lernen in einem gemeinsamen Onlineseminar mittels einer E-Learning-Plattform

Fast 5.000 km Luftlinie liegen zwischen Weimar und Kabul. Dass diese gewaltige Strecke und die kulturellen Unterschiede, die zweifellos zwischen Deutschland und Afghanistan bestehen, kein Hindernis für gemeinsame Projekte sein müssen, beweist der Lehrstuhl für Transcultural Music Studies (TMS) am musikwissenschaftlichen Institut gegenwärtig wieder eindrucksvoll.

In einem Pilotprojekt lernen im aktuellen Wintersemester sieben Studierende aus Weimar und zehn aus Kabul, darunter fünf Frauen, zusammen über eine eigens entwickelte E-Learning-Plattform. Dort werden Materialien und Texte zur afghanischen Musikkultur sowie zu musikwissenschaftlichen Arbeitsweisen und Fragen des Musikmanagements und der Musikpädagogik online gestellt und diskutiert. "Für den Dialog zwischen den Studierenden und das Bewältigen von gemeinsamen Aufgaben haben wir eine Moodle-Plattform mit musikethnologischen Fragestellungen programmiert", erklärt Lehrstuhlmitarbeiter Philip Küppers.

Die Teilnehmer aus Weimar erhielten zunächst eine Einführung in die Musik- und Kulturgeschichte Afghanistans, auch durch den wissenschaftlichen Mitarbeiter Mirwaiss Sidiqi, der seinen Bachelor in Musikwissenschaft an der Universität Kabul erlangte und derzeit am TMS-Lehrstuhl tätig ist. Die afghanischen Studierenden wiederum wurden mit den wissenschaftlich-methodischen Ansätzen aus Deutschland vertraut gemacht.

Momentan werden Texte zur afghanischen Musik überarbeitet und um die aktuellen musikalischen Entwicklungen im Land erweitert. Auch die Fragen, wie in internationalen Archiven recherchiert wird und wie die akademische Suche in der persischen Musikwissenschaft aussieht, werden gemeinsam erörtert. Zudem arbeiten die Studierenden an der Produktion eines E-Books.

"Was wir tun, ist keine kulturelle Entwicklungshilfe, sondern eine Zweibahnstraße!", betont Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Tiago de Oliveira Pinto. "Der Austausch soll den wissenschaftlichen Dialog intensivieren, das Verständnis für andere Kulturräume fördern und nicht zuletzt den Horizont erweitern, und zwar auf beiden Seiten."

Die Weimarer Studentin Laurina Bleier zeigt sich von dem Konzept begeistert: "Collaborative Reseach fordert zu einer Zusammenarbeit heraus, die außerhalb der gewohnten Methoden und Herangehensweisen stattfindet und ermöglicht damit einen Blick über den eigenen methodischen Tellerrand."

Seit nunmehr drei Jahren kooperiert der TMS-Lehrstuhl mit verschiedenen Partnern in Afghanistan, um die dortige musikalische Zivilgesellschaft und die kulturelle Identität zu stärken. Jüngst wurde daher ein Memorandum of Understanding zwischen der HfM Weimar und der Universität Kabul unterzeichnet.

Das erste Symposium über Collaborative Research an der Universität Kabul, zu dem das dortige Music Department und der Weimarer Lehrstuhl für TMS im November eingeladen hatten, legte den Grundstein für die Zusammenarbeit. Das Onlineseminar ist nun ein weiterer Schritt. Es läuft auch während der vorlesungsfreien Zeit weiter.

Geplant ist, dass der studentische Austausch mit anderen Regionen der Welt mittels E-Learning auch im zukünftigen Lehrangebot der TMS Einzug findet. So wird das Seminar zukünftig im zweisemestrigen Turnus angeboten, dann auch mit Partnern in Brasilien, der Ukraine und Äthiopien.