Schriftenreihe der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar

Herausgegeben von Detlef Altenburg (bis 2013), von Christiane Wiesenfeldt (2014), von Christiane Wiesenfeldt gemeinsam mit Tiago de Oliveira Pinto (ab 2015)

Band 1: Richard Strauss Briefe. Aus dem Archiv des Allgemeinen Deutschen Musikvereins (1888-1909), Wien u.a. 1995

Band 3: Aufbrüche und Fluchtwege. Musik in Weimar um 1800, hrsg. von Helen Geyer und Thomas Radecke, Wien u.a. 2003

Der Band beschreibt den Wandel musikästhetischer Positionen und des musikdramatischen Geschehens in jenen brüchigen und experimentierfreudigen Jahrzehnten der Erstarkung des Bürgertums und einer nationalen Selbstfindung. Die Konzentration von Geistesgrößen, Literaten und Künstlern um 1800 im Umkreis von Weimar und der Universität Jena bedeutete heftige und auch kontrovers geführte Diskussionen in den Salons und Zirkeln, die sich regelmäßig zum Gedankenaustausch trafen. Dies war der Nährboden für Experimente, die auch die Gebiete des dramma per musica, der Oper bzw. des Singspiels wie des Schauspiels und der mit Fragen der Musik verknüpften musikästhetischen und inhaltlichen Positionen betrafen. Zum letzten Mal in der Geistesgeschichte kam es in jenen Jahrzehnten zu einem fruchtbringenden Dialog zwischen Geistes- und Naturwissenschaften, und damit übernahmen Weimar und bedingt auch Jena Rollen, wie sie sonst nur die Akademien Italiens innehatten.

Band 4: Schiller und die Musik, hrsg. von Helen Geyer und Wolfgang Osthoff, Wien u.a. 2007

Friedrich Schillers ästhetisches und praktisches Verhältnis zur Musik sowie die gesamteuropäische musikalische Rezeption seiner Werke bis in das 20. Jahrhundert hinein sind Gegenstand dieses Bandes. Seine dichterischen und dramatischen Qualitäten werden anhand unterschiedlichster musikalischer Umsetzungen diskutiert. Im Blickfeld stehen dabei Kompositionen von Beethoven, Schubert, Schumann, Mendelssohn, Liszt, Brahms, Rossini, Donizetti, Verdi, Smetana, Dvorak, Tschaikowskij, R. Strauss, Pfitzner und Orff. Doch werden keineswegs nur musikhistorische Fragen behandelt, sondern auch grundlegende ästhetische Aspekte seines Werkes sowie die Kontroversen zur Bedeutung Schillers in der heutigen Zeit erörtert. Auf diese Weise eröffnet der Band neue Perspektiven für künftige Auseinandersetzungen mit den vielfältigen Facetten des Dichters und seiner Werke.

Band 5: Knut Holtstädter, Mauricio Kagels musikalisches Werk. Der Komponist als Erzähler, Wien u.a. 2010

Ausgehend von der Frage, was das Komponieren von Musik in der Moderne und Postmoderne ausmacht, definiert diese Studie am Beispiel des Werks von Mauricio Kagel (1931–2008), der als einer der vielseitigsten zeitgenössischen Komponisten gilt, Strategien des Komponierens. Dabei versteht sie "Kompositionsstrategie" nicht nur als eine bewusste Auseinandersetzung mit Kompositionstechnik, sondern schließt den gesamten künstlerischen Prozess mit ein. Mit dieser kulturwissenschaftlichen Herangehensweise werden mehrere Brücken geschlagen: Die Verbindungen zwischen Kompositionstechnik und Musikästhetik werden aufgezeigt, Methoden und Theorien unterschiedlicher Disziplinen auf den Gegenstand angewandt und so verschiedene Verfahren wie das der Quellenforschung und der Musikanalyse miteinander kombiniert.

Band 6: Roman Hankeln, Kompositionsproblem Klassik. Antikeorientierte Versmetren im Liedschaffen J. F. Reichardts und einiger Zeitgenossen, Wien u.a. 2011

Das Liedoeuvre des Berliner Komponisten Johann Friedrich Reichardt (1752–1814) ist bekannt für sein innovatives Text-Musik-Verhältnis.

Die Studie beschreibt dieses Verhältnis anhand von Reichardts Vertonungen deutschsprachiger Texte, die sich an Versmaßen der Antike orientieren und damit für die Liedkomposition um 1790 eine Reihe von Problemen aufwerfen. Autoren sind u.a. Herder, Goethe, Schiller, Voß oder Hölty. Das umfangreichste Kapitel gilt Reichardts zentraler Klopstock-Auseinandersetzung, die mit derjenigen Glucks und Neefes konfrontiert wird.

Reichardt nähert sich dem lieduntypischen Bau und Inhalt dieser Dichtungen durchaus konventionsgebunden. Ergebnis sind dadurch aber gerade überraschend experimentelle musikalische Problemlösungen mit stilhistorischer Brisanz in der wichtigen Phase kurz vor der Erfindung des romantischen Kunstlieds.

Band 7: Populäre Musik und kulturelles Gedächtnis. Geschichtsschreibung - Archiv – Internet, hrsg. von Martin Pfleiderer, Wien u.a. 2011

Populäre Musik ist in den Archiven, Museen und Hochschulen angekommen. Weltweit widmen sich Dutzende von Musikarchiven Musikern, Sängern und ganzen Stilbereichen der populären Musik, Ausstellungen und Museen thematisieren Aspekte aus deren Geschichte, und nicht nur in Deutschland gehören Jazz und populäre Musik inzwischen zum festen Bestandteil der Lehrpläne an Schulen, Hochschulen und Universitäten. Doch ist populäre Musik damit bereits ein fester Bestandteil unserer kollektiven Erinnerung und unseres kulturellen Gedächtnisses? Der Band diskutiert anhand zahlreicher Beispiele aktuelle Fragen der Geschichtsschreibung populärer Musik, der Archivierung von Tonträgern, Texten und Bildern, die Chancen des Internets für Musikarchive sowie generell die Bedeutung populärer Musik für das heutige Geschichts- und Kulturverständnis.

Band 8: Christian Storch, Der Komponist als Autor. Alfred Schnittkes Klavierkonzerte, Wien u.a. 2011

Alfred Schnittke (1934–1998) gilt gemeinhin als Komponist, der mit dem Begriff der Polystilistik das Paradigma der Postmoderne ausformuliert hat. Damit werden Fragen nach der Autorschaft und Originalität Schnittkes aufgeworfen. Das Buch hinterfragt das Verhältnis von Autor, Werk und Rezeption in der Musik am Beispiel seiner Klavierkonzerte unter Verwendung literaturtheoretischer, soziologischer und philosophischer Theorien. Die Solokonzerte für Klavier decken einen langen Zeitraum seines Schaffens ab und lassen deshalb Entwicklungsstränge wie die Rezeptionsgeschichte Schnittkes und seiner Werke erkennen.

Band 9: Psalmen. Kirchenmusik zwischen Tradition, Dramatik und Experiment, hrsg. von Helen Geyer und Birgit Johanna Wertenson, Wien u.a. 2014

Psalmvertonungen entwickelten sich im 17. und 18. Jahrhundert zu einer bedeutenden musikalischen Gattung, die die Gläubigen in den Bann zog. Dennoch sind sie innerhalb der Musikwissenschaft ein weitgehend unbearbeitetes Feld. Die Beiträge diskutieren ihren Stellenwert im Spannungsfeld von Tradition und Innovation, das die katholische Kirchenmusik angesichts der Aufklärung und der Abgrenzung zur evangelischen Liturgie dramatisch erschütterte. Um Psalmenvertonungen erstmals umfassend stilistisch und ästhetisch erörtern zu können, kommen dabei musikwissenschaftliche Perspektiven ebenso zum Tragen wie liturgie- und kunstgeschichtliche Fragestellungen.

Bd. 10: Bernhard Steinbrecher, Das Klanggeschehen in populärer Musik. Perspektiven einer systematischen Analyse und Interpretation, Wien u.a. 2016

Die Studie befasst sich mit dem Klingenden in populärer Musik und damit, wie musikwissenschaftliche Analyse zum besseren Verständnis der Musik und ihrer Wertschätzung beitragen kann. Inwieweit stehen unsere Vorlieben und Abneigungen in Beziehung zu dem, was uns beim Hören eines Tonträgers zu Ohren kommt? Verschiedene Interpretationsrichtungen und traditionelle sowie neuere musikanalytische Werkzeuge werden vom Autor systematisiert. In einer Falluntersuchung zur US-amerikanischen Band Fugazi rekonstruiert er sodann den Zusammenhang zwischen Klanggeschehen und ethischen sowie ästhetischen Beurteilungskriterien. Das Buch richtet sich an alle, die sich wissenschaftlich, als Musikschaffende oder als Fans gerne mit Musik beschäftigen.