Alltag in der Coronakrise

Die Hochschule hat einige Studierende, Lehrende und Verwaltungsmitarbeiter*innen gebeten, von ihrem Alltag während der Coronakrise zu erzählen. Die Beiträge sind persönliche Berichte und müssen nicht mit der Auffassung des Herausgebers der Website übereinstimmen.
 

Nach Beginn der Vorlesungszeit – Mai/ Juni 2020

Amelie Bräumer, Mitarbeiterin im Veranstaltungsbüro

Mit bangem Gefühl waren wir im Veranstaltungsbüro der Hochschule den Entwicklungen der Pandemie gefolgt, versuchten zwischen den Verordnungen von Land und Stadt zu eruieren, welche Konsequenzen diese für unsere Arbeit nach sich ziehen könnten. Schon bald wurde klar, dass die Auswirkungen von Corona keinen Halt vor unseren Veranstaltungen machen würden. In der einen Minute hatten wir die letzten organisatorischen Details für diverse Veranstaltungen geklärt, kurz darauf mussten diese abgesagt werden.

Ein Veranstaltungsbüro ohne Veranstaltungen? Eine Hochschule ohne Konzerterlebnisse, die wir gemeinsam teilen können? Das war für uns als Team undenkbar, tragen wir doch Sorge für die Organisation und Durchführung von Hochschule-Konzerten aller Art, und für die Überwindung von kulturmanagerialen Herausforderungen, damit die musikalisch-künstlerische Vision unserer Lehrenden, Studierenden oder internationalen Gäste realisiert werden kann.

Die Zeit im Home-Office behalte ich als sehr produktiv in Erinnerung, vor allem für mein Aufgabengebiet der Urheber- und Nutzungsrechte, für welches mir die Ruhe ganz gelegen kam. In der Mittagspause erprobte ich neue Rezepte und gegen Abend ging ich noch eine Runde laufen. Zwar hatte ich mir damit eine Routine zugelegt, doch aufgrund der Kontaktbeschränkungen und Wegfall meiner Hobbys wurde es immer ruhiger. Vielen meiner Freunde ging es genauso und so nutzten wir die neue Situation für ausgiebige Videochats und Telefonate.

Seit etwa sechs Wochen arbeite ich nun wieder vom Büro aus und freue mich, auch meine Kolleg*innen "live und in Farbe" zu sehen und gemeinsam mit ihnen Corona etwas entgegenzusetzen – und sei es eben auf unsere Art: Die Hochschulleitung betraute das Veranstaltungsbüro mit dem Sicherheitsmanagement für die Hochschule. So nutzten wir nun unsere Händchen für Organisation und Koordination, indem wir ad hoc ein System entwickelten, mit dessen Hilfe künstlerischer Einzelunterricht unter der Einhaltung des eigens erarbeiteten Sicherheits- und Hygienekonzepts gelingen könnte.

Gerade darin lag für mich der Reiz der Aufgabe, galt es nun, neue und vor allem praktikable Strukturen zu schaffen. Dafür bedarf es Flexibilität, Frustrationstoleranz und vor allem viel Kommunikation – und Teamgeist einer ganzen Hochschulgemeinschaft. Denn ein Konzept kann noch so gut sein, es sollte von allen getragen werden, damit die Umsetzung gut gelingt.

Dies bedeutet auch, dass das System möglichst kompatibel für alle ist. So lerne ich gerade viel über die inneren Strukturen der Hochschule und Arbeitsweisen vieler Hochschulkolleg*innen und Lehrenden, um uns entweder bis ins letzte Detail abstimmen zu können oder dem Gegenüber genug Freiraum im Sicherheitssystem zu geben, so dass Arbeitsabläufe nicht eingeschränkt werden. Hier sind wir auf einem guten Weg, gleichzeitig kommen neue Herausforderungen noch hinzu. Gerade beschäftigen wir uns nämlich mit der organisatorischen Umsetzung von Prüfungen. Es bleibt also spannend!

Trotzdem freue ich mich schon auf die Zeit, wenn wir Corona überwunden haben und unser so feinsinnig durchdachtes System überflüssig wird. Auf die Zeit, in welcher wir in unser für so selbstverständlich gehaltenes Hochschulleben zurückkehren und uns, unseren Familien und Freunden ohne Sicherheitsabstand und guten Gewissens begegnen können.

[04.06.2020]

Anna Garzuly-Wahlgren, Professorin für Flöte

Prof. Anna Garzuly-Wahlgren (Mitte) mit ihrem Ensemble "Quintessenz" bei einem Konzert am 21. Mai 2020 in Höfgen

In diesem Semester ist alles anders. Mit dem Corona-Ausbruch hagelte es plötzlich Absagen – Konzerte, Meisterkurse, viele lang geplante schöne Projekte waren hin.

Nach dem ersten Schock fühlte ich aber eine Erleichterung. Nach Jahrzehnten Stress des Profimusikerlebens im Doppelpack mit meinem Mann war eine plötzliche Zwangspause da, wir saßen mit unserem drei Kindern zusammen im Lockdown. Ein Glück, feste Stellen zu haben in dieser Zeit, was vielen unseren freischaffenden Kollegen leider nicht gegönnt ist.

Seit dem Corona-Lockdown unterrichte ich online und seit dem 4. Mai in Weimar auch endlich wieder in Präsenz. Leider noch nicht alle Studierende, da einige in ihren Heimatsländern "stecken geblieben" sind.

Internet zu haben in dieser Zeit war ein Segen! Man kann vieles klar erfassen, um gut arbeiten zu können, auch Gespräche führen, um neue Ziele anzugehen, zu motivieren. Es war eine tolle Brücke um in Kontakt bleiben zu können.

Das Klangerlebnis per Video ist natürlich ernüchternd, ich vermisse besonders die Entfaltung des Klanges im Raum. Was die Flöte angeht: die Mikrofone mögen uns nicht und übersteuern gerne. Die ersten Unterrichtstunden waren daher frustrierend oder streckenweise urkomisch.

Wir haben uns jede Woche per Video gesehen und mir wurden auch regelmäßig Aufnahmen zugeschickt. Das hat Eigenverantwortung und Disziplin erfordert. Meine Studierende waren Gott sei Dank alle in Sicherheit und wir warten jetzt sehnsüchtig darauf, dass sie zurückkehren können.

Ich unterrichte neben Flöte in Weimar auch Kammermusik an der HMT Leipzig. Da war leider der Unterricht per Video überhaupt nicht möglich, die Ensemble-Mitglieder sind oft verstreut auf der ganzen Welt und gleichzeitig mehrere Mikrofone zu schalten, übersteigt unsere Möglichkeiten. Ich bin sehr froh, dass ab 2. Juni der Präsenzunterricht in Leipzig auch mit den Kammermusik-Gruppen losgeht. Die HMT ist sehr groß und Leipzig hatte auch mehr Coronafälle als Weimar, daher sind wir da einen Monat später dran.

Das Leben im Lockdown war letztendlich weniger entspannt als zuerst gedacht. Homeschooling braucht seine Zeit, drei pubertierende Kinder, Hund und Katze ebenfalls, zudem ergab sich viel Arbeit am Computer. Ich habe trotzdem viele meiner liegengebliebenen Pläne anpacken können und bin für vieles dankbar. Für die geschenkte Zeit mit der Familie, für den wunderschönen Frühling, den wir Tag für Tag bewusst erlebt haben und vieles mehr.

Ich sehne mich mittlerweile sehr nach lebendigem Musikmachen, nach Konzerten und Begegnungen. Es war mir vergangene Woche eine Freude, endlich wieder mit meinem Flötenquintett "Quintessenz" zu proben und unser erstes Nach-Corona-Konzert unter freiem Himmel zu spielen.

Die Zwangspause beflügelt auch die kreativen Kräfte, überall sprießen neue Ideen. Dabei ist auch ein gewachsenes Bewusstsein da, um mehr achtzugeben auf den Moment, auf uns selber und auf andere.

[25.05.2020]

Dina Ivanova, Studentin (Klavier)

Dina Ivanova in ihrer russischen Heimat

Mein Leben hat sich – wie für fast alle von uns – verändert. Ich habe die vergangenen drei Monate in meiner russischen Heimatstadt verbracht, ohne gute Übemöglichkeiten, aber mit aufgegebenen Plänen und Hoffnungen und einer sehr ungewissen Zukunft.

Ich muss sagen, dass Corona meinen Enwicklungsprozess komplett gestoppt hat. Deshalb hoffe ich, nach Deutschland zu kommen (was im Moment fast unmöglich ist) und zu versuchen, mein früheres Studienleben wieder so zu gestalten, wie es vor Corona war.

Fast alle meine Konzerte im Frühjahr und Sommer wurden abgesagt, nur sehr wenige wurden verschoben. Ich wollte am Maria-Canals-Wettbewerb in Spanien und am Rubinstein-Wettbewerb in Israel teilnehmen. Beide sind verschoben worden, und es ist überhaupt sehr schwierig im Moment, diese Art von Veranstaltungen zu planen.

Ich glaube, für Musiker wie mich wird es in Zukunft noch schwieriger werden. Nach einer so großen Pause im Arbeits- und Aufführungsprozess wird es unsagbar schwer sein, wieder auf die Bühne zurückzukehren. Für mich ist diese ganze Situation ziemlich beängstigend. Deshalb denke ich, dass es vor dem Impfstoff kein "normales" Musikleben geben wird (und wer weiß, ob es das danach sein wird).

In dieser Situation hatte ich keine andere Wahl, als nach Hause zu gehen. In Weimar habe ich kein Klavier, und wenn ich dort geblieben wäre, hätte ich eine lange Zeit überhaupt nicht üben können. Außerdem wollte ich in dieser schwierigen Zeit näher bei meiner Mutter und meinem Freund sein.

Es war wirklich toll, dass ich endlich Zeit mit meiner Familie verbringen und genügend Schlaf bekommen konnte. All diese unerwartete freie Zeit half mir, den Wert des Lebens ernsthaft zu überdenken und über wirklich wichtige Dinge wie Liebe und Familie in unserem Leben nachzudenken.

Außerdem erhielt ich die großartige Gelegenheit, fast eineinhalb Monate mit meinem wunderbaren Freund Ivan Skanavi zu verbringen, der ebenfalls in Weimar studiert und Cello spielt. Gemeinsam konnten wir einige neue Stücke lernen und nebenbei das Blattspiel in Kammermusik üben.

Ich versuche, neues Repertoire zu lernen und diese freie Zeit positiv zu nutzen. Aber ehrlich gesagt, es ist wirklich schwer, die Motivation zu finden. Ich muss zugeben, dass ich auch einen großen Teil meiner Freizeit ziemlich banal verbracht habe, nur mit Lesen und Filmeschauen.

Die Restriktionen in Russland sind ziemlich schwer zu befolgen, aber im Allgemeinen ähnlich wie in Deutschland. Der Unterschied ist, dass die Deutschen viel disziplinierter sind. Ich habe mich so lange wie möglich selbst isoliert, und ich finde es sehr traurig, gezwungen zu sein, in Russland zu bleiben, weil die Grenzen geschlossen sind und es nur sehr wenige Flüge nach Europa gibt. Die QR-Codes für Moskau und andere Strafsysteme finde ich sehr unfair und willkürlich. Auch finanziell ist diese Situation für alle extrem schwierig.

Bislang hatte ich keinen Online-Unterricht, weil es für alle Musiker und besonders für Pianisten eine ziemlich komplizierte Art ist zu lernen. Der Klang des Klaviers wird durch die Internetverbindung sehr schlecht und mechanisch.

Hinzu kommt, dass ich zu Hause leider nur ein sehr altes aufrechtes Klavier besitze, was für das Studium nicht sehr hilfreich ist. Die einzige Möglichkeit ist, mein Spiel aufzunehmen und meinem Lehrer zu schicken. Aber natürlich kann das die "normale" Arbeit in der Realität nicht ersetzen.

Da ich während des Lockdowns viel Freizeit hatte, konnte ich mir einige Online-Kurse und -Vorlesungen anhören, und ich finde, dass das auch zukünftig eine gute Möglichkeit für die persönliche Weiterentwicklung ist.

[26.05.2020]

Pauline Sophie Keidel, Studentin (Gesang)

Der Unterricht findet für mich lediglich in den großen Räumen statt, um das Einhalten des Vier-Meter-Abstandes zu gewährleisten. Natürlich tragen wir im Unterricht keine Maske, deutliches Reden fällt damit bereits schwer.

Eine Veränderung zur Zeit vor der Coronakrise ist, dass kein Unterricht mehr getauscht werden kann, sobald der Plan steht – weder der Raum noch die Uhrzeit oder die Person. Für mich ist dieser Punkt positiv, da das Planen, besonders mit Kind, deutlich besser funktioniert.

Allerdings sind nur 1:1-Unterrichte möglich: Gesangsunterricht ohne Begleitung, Szenenunterrichten ohne gemeinsames Interagieren von mehreren Studierenden, keine Dialoge, sondern Monologe. Damit ist das Hinarbeiten und Aufführen einer Oper unmöglich.

Als digitalen Unterricht habe ich lediglich Italienisch, freiwillig. Alle anderen Lehrenden sehe ich persönlich, aber mit dem vorgegebenen Abstand. Das Unterrichten über eine Videokonferenz empfinde ich als seltsam. Einerseits das Persönliche durch den Aufenthalt in den eigenen vier Wänden, andererseits die Entfernung. Die Geräusche sind sehr verändert. Ein gleichzeitiges Reden passiert leider viel schneller.

Vor Corona habe ich keine digitalen Formate in meinem Studium verwendet. Das Gesangsstudium ist sehr praktisch und braucht den direkten Umgang.

Da mein Kind in die Notbetreuung im Kindergarten gehen kann, bin ich eine der Glücklichen, denen ein relativ normaler Tagesablauf möglich ist. Im Mai wurde die Notbetreuung auf Studenten und Auszubildende ausgeweitet – und genau da begann mein Studienalltag wieder. Allerdings sind die Kindergartenzeiten verkürzt, wodurch ich nur bis zum frühen Nachmittag Unterrichte wahrnehmen kann, was teilweise mit den Zeiten einiger Lehrender nicht kompatibel ist. Aber alle sind bemüht. Wir freuen uns einfach, dass es wieder weitergehen kann.

[25.05.2020]

Markus Leoson, Professor für Schlagwerk

Prof. Markus Leoson mit seiner Tochter Kristin
Geburtstagsfeier im Kreise der Familie

In der vorlesungsfreien Zeit fahre ich meist nach Hause zu meiner Familie nach Schweden. So war es auch dieses Mal. Ende Februar bin ich nach Stockholm geflogen und habe noch einige wenige Wochen "Normalität" erleben können. Am 29. Februar schließlich habe ich mein letztes Konzert gespielt. Dann ereilte das Coronavirus auch Schweden.

Es wird oft falsch verstanden, dass Schweden mit dem Virus völlig anders umgeht. Es besteht zwar keine Maskenpflicht, und wir konnten fast normal einkaufen und in Restaurants gehen. Aber überall mit Einschränkungen wie kürzere Öffnungszeiten und auch mit Abstandsbeschränkungen. Von normalem Leben kann daher keine Rede sein. Auch auf unseren Straßen waren nicht viele Menschen unterwegs. Seit Mitte März finden keine Kulturveranstaltungen statt, und wenn es Veranstaltungen gibt, dürfen maximal 50 Personen daran teilnehmen. Nicht zuletzt hieß es zum Teil auch für uns: zwei Monate Homeschooling.

Da ich erst vor wenigen Tagen nach Deutschland reisen konnte – mehrere Flüge waren zuvor abgesagt worden – konnte ich nichts anderes tun, als von zu Hause aus zu arbeiten. Ende März habe ich noch bei einem Kammermusik-Festival gespielt, das live gestreamt wurde. Ein Live-Konzert ohne Publikum im Saal zu geben ist natürlich recht ungewohnt. Die Situation ähnelt mehr einer Studio-Aufnahme. Aber da einige Leute im Saal waren, um alles reibungslos übertragen zu können, fühlte es sich doch fast wie in einem "richtigen" Konzert an. Wir haben sogar für den Zuschauer moderiert und nach dem Konzert haben sich Menschen aus dem In- und Ausland gemeldet und sich für das Konzert bedankt.

Vor allem aber habe ich die freie Zeit genutzt, um einige Bearbeitungen zu schreiben, zum Beispiel mehrere Stücke von Piazzolla für Marimba und Vibraphon solo. Die Noten sind bereits erschienen und auch schon für die Hochschulbibliothek bestellt. Außerdem veröffentliche ich bald mein kleines Trommelbuch. Daran arbeite ich schon seit fünf, sechs Jahren. Aber durch Corona hatte ich nun genügend Zeit, es endlich abzuschließen.

Meinen Unterricht musste ich erst einmal digital starten, da es seit Unterrichtsbeginn noch einen Monat dauern sollte, bis ich wieder in Weimar sein konnte. Per Video zu unterrichten funktioniert einigermaßen und es ist besser als nichts, aber es ist keine befriedigende Lösung. Nicht nur die schlechte Tonqualität ist ein Makel. Eine besondere Schwierigkeit für uns Schlagwerker besteht darin, dass wir mitunter ein großes Setup aufbauen müssen. Über den Bildschirm kann man das alles nicht immer gut genug erkennen. Ein weiteres großes Problem ist, dass es zu wenig Übemöglichkeiten gibt. Ich freue mich, dass wir im hochschulzentrum am horn einen dritten Raum zur Verfügung gestellt bekommen haben. Aber insgesamt ist es zu wenig. Aber ich freue mich, dass ich nun wieder in Weimar sein und live unterrichten kann. Wann ich das nächste Mal zu meiner Familie reisen kann, weiß ich noch nicht.

[03.06.2020]

Tim Model, Student (Schulmusik) und StuRa-Vorsitzender

Beim Wandern
StuRa-Videokonferenz

An manche der Coronaeinschränkungen, wie Masken beim Einkaufen oder in Bahnen habe ich mich schon gewöhnt, an manche werde (und hoffentlich muss) ich mich aber nie gewöhnen: keine Konzerte, keine größeren Menschenansammlungen, keine Umarmung zur Begrüßung - furchtbar!

Doch oft sind Veränderungen auch Chancen, ich lerne gerade viele kleine Dinge in unserer Welt auf eine ganz andere Art und Weise zu schätzen, wie unseren kleinen Garten hinterm Haus, die schöne Landschaft Thüringens, meine meist recht stabile Internetverbindung und viele kleine Begegnungen im normalen Alltag.

Mein Studium verläuft gerade nicht sehr normal, aber alle Akteure geben sich riesige Mühe dem Normalzustand so nahe wie möglich zu kommen. Ich freue mich z.B. über meinen Einzelunterricht Gesang, der mit Folie ums Mikro und Plexiglasschutzscheibe trotzdem relativ normal stattfindet!

Durch meine Arbeit als StuRa-Vorsitzender bin ich Teil des Krisenstabs der Hochschule geworden, der mehrmals wöchentlich im Fürstensaal tagt. Für diese sehr persönlichen Sitzungen, bin ich dankbar und sie prägen meinen Alltag und meine Gremienarbeit sehr.

Wie kompliziert und kontrovers die Diskussionen und auch die Ergebnisse aufgrund der vielen Vorgaben und Einschränkungen sind, kann man sich sicher gut vorstellen. Trotzdem spielt die studentische Perspektive für alle Beteiligten eine sehr wichtige Rolle und es wird immer versucht, das Beste für alle herauszuholen. Die Arbeit im Krisenstab und die Arbeit des StuRa sind deshalb gute Wegweiser für studentische Partizipation nach Corona.

Der StuRa arbeitet schon seit Beginn der Krise digital, wir sind sehr schnell auf Videokonferenzen umgestiegen und treffen uns mindestens einmal in der Woche online, um den Krisenmodus aufrechtzuerhalten. Spätestens seit dem Beginn der "Vorlesungszeit" kam auch der normale Betrieb dazu: Erstibetreuung, Verhandlungen mit dem DNT, mit der Bahn und dem VMT, Diskussionen zum Leitbild, etc.

Momentan veranstalten wir im ca. 2-wöchigen Abstand ein offenes Gesprächsformat, den #sturatalk via Onlineplattform, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren, die Interessen unserer Kommiliton*innen bestmöglich zu vertreten und um einfach für unsere Studis da zu sein! Wir wissen, wie schwierig diese unbeständige Zeit gerade für Studierende ist und wollen so unser immer offenes Ohr anbieten.

Die Bereitschaft der einzelnen Mitglieder ist trotz der momentanen Arbeitsbelastung echt hoch und auch dafür bin ich ihnen unfassbar dankbar! Ihr seid die Besten!

Ein Wermutstropfen bleibt noch eine Weile: Die M18, das Haus der Studierenden, ist immer noch geschlossen. Mir fehlen die warmen Sommerabende mit Musik, Freunden und kalten Getränken sehr. Aber ich bleibe zuversichtlich, es kommt alles wieder.

[05.06.2020]

Katrin Ulitzsch, Mitarbeiterin in der Stabsstelle Lehre und Qualitätsmanagement

Ich wollte endlich wieder den ganz normalen Alltagswahnsinn einer vierköpfigen Familie mit zwei kleinen Kindern. Aufgrund meiner schweren Krebserkrankung (und dem zeitigen Rückfall) fiel ich lange Zeit aus – beruflich wie privat. Dann war ich bereit für den beruflichen Wiedereinstieg. Ich bin froh und sehr dankbar, dass ich im Januar dieses Jahres wieder an der Hochschule in meiner früheren Position stundenweise anfangen konnte.

Dann kam Corona. Nun sind wir alle vier zu Hause. Ich fange meist nachmittags an zu arbeiten. Bis dahin bin ich mit Unterrichten, Aufgaben kontrollieren, Essen kochen, für die Kleine da sein, Abstimmung mit der Schule, Arztterminen, etc. vollends eingespannt.

Nun werden Kindergärten und Schulen wieder geöffnet. Aber für Kinder mit Angehörigen der Risikogruppe - zu der ich aufgrund der Immunschwäche (infolge der Therapie) gehöre - sei kein Präsenzunterricht vorgesehen. Kann das sein? Wie soll das gehen? Können wir das langfristig leisten? Nach Rücksprache mit Schulleitung sei es uns überlassen, ob wir sie in der Schule oder weiterhin zu 100% zu Hause beschulen.

Lange und oft haben wir gesprochen, überlegt, diskutiert. Wir entschieden uns, solange die Corona-Fallzahlen so gering sind, unsere Große in die Grundschule – zumindest an zwei Tagen (vielleicht bald drei Tage) pro Woche für die geplanten 3 – 3,5 Std. und unsere kleine Tochter vormittags in den Kindergarten zu lassen.

Wir befinden uns derzeit in Woche 1, in denen unsere Kinder wieder einen Hauch Normalität erleben dürfen. Aber so viel steht fest: den Kindern tut es verdammt gut, endlich wieder Gleichaltrige um sich zu haben und für uns ist es auch eine echte Erleichterung.

Es ist für uns wichtig, im Home-Office arbeiten zu können. Nur so ist die für uns notwendige Flexibilität gegeben. Dauerhaft möchte ich so aber nicht arbeiten. Der Austausch mit den Kollegen klappt via Videokonferenz, Mail und Telefon zwar gut, dennoch fehlt mir der persönliche Kontakt sehr.

Normalerweise lässt sich vieles in kurzen Gesprächen unmittelbar klären. Ich kann mich jetzt zwar mit Kollegen abstimmen und bin an das Wichtigste angebunden, aber um das „große Ganze“ richtig einzuschätzen, bedarf es mehr als das. Das, was „zwischen den Zeilen“ stattfindet, bleibt mir verborgen. Das macht mir meinen Wiedereinstieg schwerer.

Auch der freundliche direkte Austausch mit anderen Kollegen fehlt mir sehr. Ich hoffe, dass wir alle bald wieder ohne Einschränkungen und mit gutem Gefühl in die Hochschule kommen können. Wann das in meinem Fall sein wird – ich weiß es nicht. Mein Mann und ich planen bestenfalls von Woche zu Woche.

[28.05.2020]

Während des Lockdowns – April 2020

Maia Andrews, Studentin (Gesang/ Thüringer Opernstudio)

Friedemann Eichhorn, Professor für Violine

Auch in der jetzigen Zeit ist mein Tagesablauf ziemlich geregelt. Die Schule unserer Kinder läuft per Fernunterricht wie Online-Lerngruppen und Hausaufgaben weiter, so dass schon hierdurch eine Struktur gewährleistet ist.

Mit meinen Studierenden arbeite ich regelmäßig über Online-Medien. Das funktioniert in gewisser Hinsicht besser als ich dachte, auch wenn es für uns alle neu ist. Ganz gut kann man an geigerischen Basiselementen feilen. Das Mikrophon ist unbestechlich hinsichtlich Intonation, auch rhythmischer Prägnanz. Bogeneinteilung und Haltungsfragen lassen sich ebenfalls gut erörtern.

Natürlich hat die rein klangliche Arbeit deutliche Grenzen und bisher können wir nur rein solistischen Unterricht abhalten. Die Korrepetition und das Zusammenspiel vermissen wir sehr, ebenso die Kammermusik und das Orchesterspiel.

Dennoch versuchen meine Studierenden und ich das Beste aus der Situation zu machen. So viel Musik wird seit einigen Jahren online gehört bzw. gespielt! Also konzentrieren wir uns auch darauf: wie wirkt das Spiel über die Online-Medien?

Wichtig neben dem reinen Unterrichten ist in der Arbeit mit den Studierenden der stete Austausch, die Beratung in Repertoirefragen, Zielsetzungen, Wettbewerbsfragen, Bewerbungen.

Ansonsten komme ich in dieser Periode selbst viel zum Üben, wobei mir die vielen weg gefallenen Konzerte fehlen. Wir Musiker lieben einfach das Spielen und das Teilen der Musik mit Zuhörern.

Auf der anderen Seite kann ich mich ohne Deadline-Druck bereits jetzt zukünftigen Projekten widmen. Für meine CD-Firma bereite ich mit der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken ein großes Aufnahmeprojekt vor. Über die Dauer von mehreren Jahren werden wir sämtliche Werke für Violine und Orchester von Alfred Schnittke auf fünf CDs einspielen, beginnend im Jahr 2021.

Dazu erledige ich viel Arbeit am Schreibtisch. Hierzu gehört die Gestaltung von Konzertprogrammen oder die Kommunikation mit Veranstaltern.

Außerdem bereite ich eine Neuausgabe des Violinkonzerts Nr. 22 von Viotti mit Bogenstrichbezeichnungen, Fingersätzen und Recherchen von Kadenzen vor.

Darüber hinaus wurde mein Interesse am Produzieren von Musik-Videos geweckt. Mit meinen Studierenden habe ich ein Gemeinschaftsvideo in Einzelstimmen aufgenommen, die zu einem Violinen-Ensemble übereinander geschnitten wurden. In den Social Media haben wir es veröffentlicht (Video auf Facebook).

Am Schneideprozess habe ich selbst mitgewirkt und es ist durchaus interessant, sich in diese Medienmöglichkeiten hineinzudenken. Das Projekt stellt für mich ein kleines Symbol des Zusammenhalts in der Krise dar. Ein weiteres Video habe ich kürzlich mit meinem Sohn am Klavier aufgenommen (Video auf Facebook).

Privat findet unser Leben natürlich fast ausschließlich in den eigenen vier Wänden statt, es ist eine sehr intensive Familienzeit. Kontakt mit den Großeltern, der weiteren Familie und Freunden ist jedoch nur online oder fernmündlich möglich, was wir sehr bedauern.

Für meinen Schwiegervater, der in einem Seniorenheim in Bamberg lebt, ist die Situation viel schwieriger als für uns. Wir haben einen Garten und da das Wetter momentan sehr schön ist, glüht der Grill und rollt der Ball viel.

Ich schätze mich glücklich zu den Musikern zu gehören, die eine feste Anstellung haben und dass dadurch eine Sicherheit besteht, die viele freiberufliche Kolleginnen und Kollegen leider nicht haben. Der Ausfall aller Konzerte und Veranstaltungen bedeutet eine Katastrophe für sie, genau wie der Lockdown in vielen anderen Branchen wie Gaststättengewerbe oder Geschäften.

Deswegen bereite ich gerade ein kleines Spendenprojekt für Freelance-Musiker vor, für das ich Kolleginnen und Kollegen der internationalen Geigenwelt gewinnen konnte. Insgesamt sind wir 19 Geigerinnen und Geiger. Ich arbeite an einem gemeinschaftlichen Video, das in ein bis zwei Wochen fertig sein dürfte. Wir hoffen, damit ein bescheidenes Zeichen setzen zu können.

Meine Hoffnung ist, dass unser wunderbares Kulturgut Musik gestärkt aus der Krise hervor geht. Ich glaube fest daran, dass wir Menschen ohne diese Nahrung für Seele, Herz und Intellekt nicht leben können und bin überzeugt: der Hunger auf Live-Konzerte wird nach der Krise besonders groß sein.

Am wichtigsten ist, dass alle freischaffenden Musikerinnen und Musiker durch diese schwierige Zeit kommen und dann wieder richtig „einsteigen“ können. Aber eben auch – was häufig vergessen wird – all diejenigen, die Musik ermöglichen wie Veranstalter, Agenturen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kulturmanagement, Instrumentenbauer, Tonmeister und Produzenten!

[20.04.2020]

Christian Franze, Mitarbeiter im Justiziariat

Zurzeit befinde ich mich im Homeoffice, um, neben der täglichen Arbeit, unsere beiden Kinder zu betreuen. Dabei bekomme ich Unterstützung von meiner Frau, der es ähnlich ergeht, so dass wir uns diesbezüglich zumindest reinteilen können.

Wie für alle Familien, hat sich auch bei uns zu Hause einiges geändert. Für die Kinder ist jeden Tag Wochenende und spielen angesagt, sie müssen aber auch verstehen, dass wir als Eltern von Montag bis Freitag Zeit für die Arbeit benötigen, auch wenn wir zu Hause sind.

Das ist nicht einfach und die regelmäßigen Unterbrechungen müssen im Tagesablauf mit eingeplant werden. Das geht an einigen Tagen besser, an anderen ist es etwas schwieriger. Das Problem dabei ist, dass hier die Tagesform aller Familienmitglieder eine entscheidende Rolle spielt und nicht nur die eigene, wie bei normalen Tagen im Büro.

Diese Umstände führen dazu, dass sich die Arbeitszeit über den gesamten Tag verteilt und von einer Regelmäßigkeit nicht gesprochen werden kann. Im Prinzip bin ich aber recht flexibel und kann es mir ganz gut einteilen, so dass die Kids auch nicht allzu oft mit gesenktem Kopf aus dem heimischen Büro geschickt werden müssen.

Die Arbeit im Homeoffice sorgt auch dafür, dass man in diesen Zeiten die Wochentage nicht völlig vergisst und sich weiterhin alle auf das Wochenende freuen können.

Neben dem beruflichen Alltag hat sich natürlich auch der Rest verändert. Die regelmäßigen Trainingseinheiten mit meiner Basketballmannschaft sind seit Wochen ausgesetzt, so dass diese Art des Ausgleichs zu Beruf und Familie komplett weggefallen ist.

Damit ist, neben meinen Schulfreunden, ein großer Teil meiner sozialen Kontakte weggebrochen. Aber zumindest kann man auch über WhatsApp Spaß haben, wenn auch meist nur in Textform und nicht von Dauer. Der fehlende Mannschaftssport wurde durch Familienspaziergänge, spielen im Garten und gelegentliche Laufeinheiten ersetzt. Und mit alten YouTube-Clips versuche ich die weggefallene Sportberichterstattung im Fernsehen zu kompensieren.

Was geblieben ist, sind Besuche bei den Eltern, wo man sich, aufgrund des frühlingshaften Wetters, zumindest draußen im Garten mit etwas Abstand ab und zu treffen und ein wenig schwatzen kann.

Letztendlich ist es auch das, worauf ich mich am meisten freue: Freunde und Familie wieder treffen und Umarmungen verteilen. Auch die ein oder andere Feierlichkeit wird in jedem Fall nachgeholt.

[21.04.2020]

Cornelius Hofmann, Student (Kirchenmusik)

Als Studierender der Kirchenmusik ist man es gewohnt, zum Üben allein in einer leeren Kirche Orgel zu spielen. Doch eine so lange Zeit immer für sich allein spielen zu müssen, noch dazu zu Ostern, macht einen schon etwas traurig.

Dabei habe ich das Glück überhaupt üben zu können, noch dazu auf verschiedenen Instrumenten. Anfang März, gerade noch vor den Corona-Beschränkungen, bin ich nach Pößneck gezogen. Hier habe ich eine Stelle als Regionalkantor und bin für die Musik in 36 Kirchen verantwortlich.

Viele der Orgeln in den Dorfkirchen sind historisch und teils liebevoll restauriert, aber auch ohne Corona meist in einem Dornröschenschlaf – jetzt habe ich Zeit und Gelegenheit diese Instrumente beim Üben kennenzulernen.

Doch nicht nur ich habe etwas davon – die Sängerinnen und Sänger meines Chores und die Gemeinde bekommen via Mail oder Messenger kleine Videos davon nach Hause – so musste Ostern doch nicht ohne (Orgel-)Musik bleiben.

Durch geöffnete Türen und Fenstern waren die Orgelklänge auch vor der Kirche gut hörbar und erfreuten so manchen Einwohner, der (mit ausreichend Abstand) in der Schlange vor dem benachbarten Lokal stand, um sich Thüringer Klöße mit nach Hause zu nehmen.

Doch werde ich bald wieder mit meinem Chor zusammen musizieren können? Könnte eine Chorprobe unter Einhaltung von Hygieneregeln funktionieren? Singen mit Maske – für mich nur schwer vorstellbar.

Schade finde ich es, dass für Mai geplante Musikalische Gottesdienste mit befreundeten Komiliton*innen der Hochschule nun ausfallen müssen, da bereits viel Proben- und Organisationszeit in diesen Projekten steckte.

Die nun zur Verfügung stehende Zeit nutze ich, um die letzten Hausarbeiten meines Studiums zu schreiben, auch wenn das Arbeiten nicht wie gewohnt in der Bibliothek möglich ist.

Zum Ausgleich erkunde ich die Umgebung durch viele Spaziergänge in den Wäldern am Fuße des Thüringer Schiefergebirges. In der nun „mensafreien" Zeit koche ich und probiere manches neue Rezept aus. Auch bleibt jetzt Zeit Bücher zu lesen, die bisher lange ungelesen im Regal standen.

Natürlich fehlt mir der direkte Kontakt zu Familie und Freunden – doch über Social Media bleiben wir trotz Kontaktsperre und Umzug in Verbindung.

Zu Ostern lag auch die ein oder andere Postkarte im Briefkasten oder ging auf die Reise – vielleicht der Anfang einer neuen Tradition, die bei mir die Zeit nach Corona auf jeden Fall überdauern soll.

Sophie Huber, Studentin (Musikwissenschaft/ Kulturmanagement)

Als mein Studium im Oktober begann, hätte sich noch keiner träumen lassen, dass ein paar Monate später die Welt auf einmal Kopf stehen wird. Ich hatte letztes Jahr die schwere Entscheidung getroffen, nach meiner Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten und einem kurzen Abstecher in die Welt des Tiermedizin-Studiums, meinem Leben noch einmal eine neue Wendung zu geben und meiner Leidenschaft in der Kultur nachzugehen.

Vor Corona noch eine boomende Branche, mit Festivals, Konzerten und Theater steht diese nun auf einmal still und vor einer ungewissen Zukunft. Trotz der aktuellen Schwierigkeiten darf ich mich aber freuen, denn gerade im März habe ich die Öffentlichkeitsarbeit des Jungen Theaters stellwerk Weimar übernommen. Jedoch hat wohl niemand erwartet, dass meine erste Aufgabe aus Krisenmanagement bestehen würde.

Kurz nach meiner Einstellung wurde der Corona-Shutdown bekannt gegeben und statt neuer Marketingstrategien, musste auf einmal ein neues digitales Konzept gestaltet werden. Aber aus der unerwarteten Situation ist ein kreativer
Prozess entstanden, jetzt leite ich zusammen mit meinen Kolleginnen der Theaterpädagogik das #quarantheater.

Über tägliche Aufgaben, Informationen, Fotos und Videos suchen wir auch in der Distanz die Nähe zu unseren Mitgliedern und Zuschauer*innen und bieten eine Möglichkeit der kreativen Interaktion. Ich persönlich darf mich also glücklich schätzen, neben einem sicheren Nebeneinkommen, habe ich auch weiterhin die Möglichkeit, mich kreativ zu betätigen und so die Isolation als Chance zu sehen.

Natürlich stehen uns gerade einige Veränderungen bevor, sowohl in der Wirtschaft als auch gesellschaftlich, aber vielleicht können diese unter anderem auch positive Folgen mit sich bringen. Gerade in Zeiten der Isolation, nimmt Kultur einen wichtigen Stellenwert ein, die Anfrage nach Livestreams aus Theatern und von Konzerten ist groß!

Vielleicht bringt die Krise genau diese Wichtigkeit der Kultur wieder in den Fokus und wir dürfen uns auf eine neue, vielfältige und starke kulturelle Szene nach Corona freuen!

Bis dahin sehe ich voller Erwartung dem neuen Semester entgegen und bin neugierig, wie wir dieses alle erleben dürfen. Seminare und Gruppenarbeiten über Online-Portale sind sicher eine Herausforderung, aber vielleicht auch eine Zukunft, um Arbeit und Studium besser verbinden zu können!

[20.04.2020]

Cora Irsen, künstlerische Mitarbeiterin für Werkstudium

Vorab sei gesagt, dass ich mich als Mitarbeiterin der Hochschule in einer privilegierten Situation befinde. Ich muss mein Leben nicht in Gefahr bringen, um anderen Mitmenschen zu helfen. Ich muss nicht in einer kleinen Wohnung ausharren, ohne Garten, ohne die Möglichkeit, mich frei in der Natur bewegen zu können.

Meine Tochter studiert bereits, so dass ich mit meinem Mann, der ebenfalls zu Hause ist, jeden Tag gemeinsam verbringen darf.

Das bedeutet, dass ich Zeit geschenkt bekomme. Zeit zu lernen, mich weiterzubilden, mein Instrument zu perfektionieren, aber auch Zeit für mich und meine Gedanken, denen ich in der Hektik des Berufsalltags nicht nachgehen kann.

Der Tag der Schließung der Hochschule fühlte sich an wie der Beginn eines Schweigeseminars oder eines Reinigungsrituals.

Natürlich befand ich mich für Stunden in einer „Blase des Entsetzen“, als ich abends erfuhr, dass der Wettbewerb für Horn und Tuba in Markneukirchen abgesagt wurde. Seit so vielen Wochen bereiteten sich meine Studenten für diesen Wettbewerb vor! Wir waren bereits in der sehr intensiven Phase, in der man gezielt kleine Konzerte anvisiert, um sein Wettbewerbsprogramm loszuwerden.

Aber die Angst vor der Ausbreitung des Virus war größer als die Enttäuschung. Zu Beginn habe ich mit Schrecken die ständig ansteigenden Zahlen der Infizierten und Gestorbenen beobachtet, doch schon bald bemerkte ich, dass dieser Virus ein Zeichen für uns Menschen ist, ein Signal, unser Leben, unsere Gesundheit, unser Atmen nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern Dankbarkeit zu lernen.

Wenn wir ehrlich mit uns sind, dann leben wir doch alle viel zu sehr im Außen. Das Leben muss sich immer schneller bewegen, keine Zeit für ein Innehalten, Beobachten, Lächeln, Spazieren ohne Ziel. Erfolg muss gebracht werden, wer hat die meisten Klicks auf Instagram, wer macht die originellsten Fotos oder Videos, um Konzerte zu bekommen.

Bereits nach ein paar Tagen fühlte ich den immer stärker werdenden Drang zu meditieren und Yoga zu praktizieren, was ich natürlich bereits seit Jahren tue. Aber ich spürte, dass ich nur durch viele Stunden Meditation, Beschäftigung mit verschiedenen Fragen über das Sein und Yoga die Situation, die diese Pandemie hervorgerufen hat, gefühlsmäßig und gesundheitlich gut überstehen werde und dadurch für meine Mitmenschen eine kraftvolle Hilfe sein kann.

In dieser Zeit arbeite ich in notwendiger Ruhe und Intensität an den Werken für meinen Korrepetitionsunterricht, wofür im Hochschulalltag leider keine Zeit bleibt. Es fühlt sich gut an, ohne Zeitdruck die vielen Orchesterreduktionen zu studieren und schwierige Sonaten zu perfektionieren. Um meine Studenten zu unterstützen, spiele ich für sie, meist mit Metronom den Klavierpart verschiedenster Stücke ein, oft in unterschiedlichen Tempi oder nur als Harmoniebegleitung, so dass sie nicht ohne Klavierbegleitung üben müssen.

Der Kontakt zur Außenwelt fehlt mir nicht. Allerdings bin ich als Pianistin auch immer sehr viel mit mir selbst allein gewesen. Aber ich vermisse meine Studenten und die Arbeit mit ihnen, ihre Geschichten zu hören und ihre Fortschritte zu erleben, mit ihnen zu fühlen und für sie da zu sein.

Selbstverständlich ist ein guter Tagesablauf in dieser Zeit besonders wichtig. Ich stehe, wie auch zu Hochschulzeiten, gegen 6 Uhr auf und arbeite nach meinem Sadhana anschließend viele Stunden am Klavier.

Ich wünsche mir sehr, dass wir Menschen nun lernen, mit unserem Leben, unseren Mitmenschen, unseren Ressourcen, unserer Zeit auf diesem Planeten bedachter umzugehen. Wenn wir alles in unserem Leben mit Dankbarkeit annehmen und endlich aufhören, uns selbst und andere immer wieder zu be- und verurteilen, werden wir mit Sicherheit ein schöneres Leben führen.

[20.04.2020]

Signe Pribbernow, Mitarbeiterin in der Abteilung Akademische und Studentische Angelegenheiten (ASA)

Die Welt hat sich verändert und doch ist für mich vieles geblieben wie es war. Fast alle Kolleg*innen meiner Abteilung nutzen das Homeoffice, wenn auch aus verschiedenen Gründen.

Ich kann täglich ins Büro gehen, weil ich einen kurzen Weg zur Arbeit habe und keine langen Fahrtzeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln habe.

Ich habe auch keine schulpflichtigen Kinder zu betreuen, aber unsere Töchter sind aus ihren Studienorten nach Weimer gekommen, weil es in ihren WGs auch nicht so ist wie immer. Die eine hatte ihr Zimmer untervermietet, weil sie selbst im Ausland war und anschließend ein Praktikum machen wollte – abgebrochen und abgesagt.

Die andere konnte weder in die Hochschule zum Üben noch ins Theater zum Dienst – da kann einem schon mal die Decke auf den Kopf fallen. Nun sind beide wie früher zu Hause, sie kochen für uns und nähen Mund-Nasen-Schutzmasken. Es ist schön, wenn wieder mehr Leben im Haus ist.

Mein Mann ist Musiker, darf zwar jetzt auch nicht ins Theater, muss sich aber auf dem Instrument fit halten, also täglich üben. Das hat er zwar früher auch getan, aber ich habe davon ja nur wenig gemerkt. Jetzt übt auch meine Tochter hier. Über den Tag verteilt ist also viel Musik im Haus – naja, da kann ich mich im Büro besser konzentrieren.

Mit Haus und Garten sind wir im Privatleben kaum eingeschränkt. Es fehlen natürlich die Kontakte. Manchmal treffe ich eine Freundin auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause und man kann Neuigkeiten austauschen. Das ist dann mal eine kleine Abwechslung. Besuche bei den Eltern an der Ostsee oder bei unserem Sohn in München sind leider nicht möglich.

Schade ist, dass die Freizeitbeschäftigungen auch so stark eingeschränkt sind. Ja, man hat wieder Zeit zum Bücherlesen.

Aber leider kann ich nicht mit meinem Quartett proben und auch die Proben mit dem Stadtkirchenorchester Weimar und Projekte mit dem Thüringer Ärzteorchester wurden abgesagt und können leider auch nicht in absehbarer Zeit nachgeholt werden.

Wenn die Beschränkungen endlich gelockert werden oder aufgehoben sind, freue ich mich am meisten auf einen Besuch bei den Eltern. Und der Besuch beim Friseur steht ganz oben auf der Liste.

[22.04.2020]

Romeo Wecks, Student (instrumentale Komposition)

Es ist alles so unwirklich und immer noch schwer zu fassen – innerhalb der ersten Märzwochen ist alles, wofür ich gekämpft habe und worauf ich hingearbeitet habe, sinnlos geworden. Die Uraufführung meines Violinkonzertes in Sondershausen, Proben, Konzerte, Visionen und Pläne – alles abgesagt, verschoben oder auf Eis gelegt.

Nun bin ich bei meinen Eltern und froh, dass ich diese Zeit mit ihnen verbringen darf. Es ist gemeinsame Zeit, die es sonst nicht gegeben hätte. Da meine Heimat Berlin für meine Mutter als immunsupprimierte MS-Patientin im Moment keine Wahl ist, haben wir uns in unserer Zweitwohnung im Erzgebirge getroffen, um die Zeit hier in relativer Abgeschiedenheit auszuharren. Jede Woche unterrichte ich zwei Tage meine Klavierschüler via Skype, das ist natürlich nicht optimal, aber ich hätte nie gedacht, dass es so gut funktioniert.

Wir gehen viel spazieren und erkunden das häusliche Umfeld. Es ist faszinierend, wie sauber und klar die Luft nun ist, in Verbindung mit der großartigen Landschaft, ist es die perfekte Möglichkeit, um zu sich zu kommen und nachzudenken.

Es bereitet mir Angst, dass der Kulturbetrieb in den Medien kaum betrachtet wird, allenfalls wird er in einem Atemzug mit Bordellen und Biergärten genannt. Das ist beschämend. Kultur ist kein "Genussgut", sondern elementar für eine Gesellschaft und uns! Unsere Sparte trifft es mit am härtesten, da Künstler ohnehin von der Hand in den Mund leben und nun Einnahmen und Perspektiven einfach verlieren.

Auch mache ich mir Sorgen, wie es generell weitergehen soll. Ein "weiter so" wird es nicht geben, und ob die Billionen von Dollar und Euro, die gerade auf den Markt geworfen werden, so ganz ohne Folgen bleiben, wage ich zu bezweifeln.

Ich habe auch Hoffnung – wenn die Krise irgendwann überstanden ist, wird es einen Neustart geben. Neue Technologien werden sich durchsetzen und die Kultur wird eine neue Blütezeit sehen – dies ist vielleicht die Chance für die Neue Musik, eine breitere gesellschaftliche Resonanz zu erhalten!

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote: Isaac Newton war 1665 über ein Jahr lang in seinem Elternhaus in Isolation, als in England die Pest grassierte. In dieser Zeit hat er die Grundlagen für die heutige moderne Mathematik und Physik geschaffen, von der wir heute alle profitieren. Dies sollte uns heute vielleicht eine Inspiration sein, selbst nachzudenken und kreativ zu arbeiten, als die Zeit mit Sinnlosigkeiten totzuschlagen!

[18.04.2020]