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Forschung und Förderung: Weimarer Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Helen Geyer erhält das Bundesverdienstkreuz am Bande

Musikwissenschaftsprofessorin Dr. Helen Geyer | Foto: Guido Werner

Forschung und Förderung: Weimarer Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Helen Geyer erhält das Bundesverdienstkreuz am Bande

Bundespräsident Gauck unterschrieb die Urkunde am 20. April, am 29. September 2015 findet nun die offizielle Verleihung in der Thüringer Staatskanzlei statt: Die Weimarer Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Helen Geyer erhält das Bundesverdienstkreuz am Bande aus den Händen von Ministerpräsident Bodo Ramelow.

Seit 20 Jahren lehrt sie in Weimar, von 1997 bis 1999 sowie von 2012 bis 2014 amtierte Frau Prof. Geyer zudem als Direktorin des gemeinsamen Instituts für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Geehrt wird Helen Geyer unter anderem für ihre Forschung, Förderung sowie Bewahrung der Schätze des musikalisch-kulturellen Erbes Thüringens und Mitteldeutschlands. Dazu zählen die von ihr initiierte Gründung der "Academia Musicalis Thuringiae" im Jahr 1998, das Festival "Güldener Herbst" (seit 1999) und diverse "Ausgrabungen" bedeutender Kompositionen und deren Aufbereitung für Einspielungen und Publikationen.

Des Weiteren wirkt Frau Prof. Geyer als Gründerin und Vorsitzende der Cherubini-Gesellschaft einschließlich der Cherubini-Edition (Krakau/ Polen) sowie als Präsidiumsmitglied der "Mitteldeutschen Barockmusik", für einige Jahre der Louis-Spohr-Gesellschaft und des Thüringer Landesmusikrats. Aktiv war sie u.a. auch in der Humboldt-Gesellschaft.

Im Deutschen Studienzentrum Venedig amtiert Helen Geyer zudem als Vizepräsidentin, nachdem sie jahrelang den Vorsitz des wissenschaftlichen Beirats innehatte. Das interdisziplinäre Forschungsinstitut, das seit mehr als 40 Jahren hervorragende wissenschaftliche Arbeit leistet, stand 2004 kurz vor der Auflösung.

Angesichts ihrer venezianischen Forschungsausrichtung in der historischen Musikwissenschaft war Prof. Geyer maßgeblich an der Rettung dieser Einrichtung beteiligt. Aber auch um die Thüringer Musikkultur erwarb sie sich bedeutende Verdienste: Bereits seit ihrem Amtsantritt 1995 in Weimar baute sie die "Alte-Musik-Szene" maßgeblich mit auf.

Dies geschah zum einen durch ihren unmittelbaren Eintritt in den Landesmusikrat und die Übernahme von Verpflichtungen im Präsidium, zum anderen durch ihr Mitwirken in einer Arbeitsgruppe für Alte Musik – und nicht zuletzt durch die Gründung der "Academia Musicalis Thuringiae", die sich an die italienischen Vorbilder des 17. und 18. Jahrhunderts anlehnt.

Die Academia bietet Diskussions- und Erprobungsraum für Neues, für überzeugende Darbietungen und Wiederentdeckungen der musikalischen Schätze dieses an Residenzen reichen Landes, das zudem noch ungeahnte Archive der Adjuvantenmusik birgt – also der hochkarätigen Musik auf den Dörfern, welche mittlerweile im Thüringischen Landesmusikarchiv sicher verwahrt und katalogisiert werden.

"Dies ist zweifelsohne alles in den vergangenen knapp 20 Jahren geglückt", resümiert Prof. Dr. Helen Geyer ihre Arbeit: "Viele Schätze konnten gerettet und der Öffentlichkeit klingend präsentiert werden."

Eine hilfreiche Stütze für diese Arbeit war die Gründung der "Mitteldeutschen Barockmusik" mit dem Ziel, das vielseitige und europäisch gewichtige kulturelle musikalische Erbe Mitteldeutschlands zu bewahren und als Identifikationsgröße vermehrt im Bewusstsein der Öffentlichkeit des In- und Auslandes zu verankern. Auch hier engagierte Helen Geyer sich verantwortungsvoll im Präsidium.

Last but not least begann Frau Prof. Geyer bereits 1983, kontinuierliche Kontakte nach Polen zu knüpfen. Sie übernahm die erste Gastprofessur des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) am Institut für Musikwissenschaft der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen in den Zeiten der Wende und gründete die Cherubini-Edition.

Einige Jahre später rief Helen Geyer dann die Cherubini-Gesellschaft ins Leben, der sie heute noch vorsteht und die wichtige Publikationen wie die "Cherubini Studies" und das Magazin "Cherubiniana" veröffentlicht. "Es gelang immer wieder, einen kontinuierlichen Austausch mit der Akademie der Wissenschaften in Warschau sowie mit den Universitäten Posen und Krakau zu pflegen", so Prof. Geyer.

Jüngstes Beispiel sei die "wirklich beeindruckende" Ausstellung der Autographe Cherubinis aus dem Bestand Preußischer Kulturbesitz Berlin in Krakau gewesen – mit Katalog, Festvorträgen, Workshop und Konzerten, unter Mitwirkung von Weimarer Musikwissenschaftsstudierenden.

"Auch Studierende der Jagiellonischen Universität nahmen teil", erzählt Geyer. "Dies war für mein persönliches Dafürhalten das bislang Beste, was ich auf diesem Gebiet leisten konnte. Der Zuspruch war enorm."