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Ein Herz für Wagner: Gesangsabsolventin Allison Oakes stand das vierte Jahr in Folge in Bayreuth auf der Bühne

Allison Oakes | Foto: Fiona Mac Pherson

Ein Herz für Wagner: Gesangsabsolventin Allison Oakes stand das vierte Jahr in Folge in Bayreuth auf der Bühne

Sie kennt schon viele große Bühnen der Welt, singt als dramatische Sopranistin beeindruckende Rollen, feiert Wettbewerbserfolge und begeistert regelmäßig das Opernpublikum: Die Engländerin Allison Oakes begann ihre Karriere als Gesangsstudentin an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Seit ihrem Festengagement in Darmstadt (2006 bis 2009) arbeitet sie erfolgreich als freischaffende Sängerin. Inzwischen wird die Absolventin der Klasse von Prof. Gudrun Fischer regelmäßig für verschiedene Wagner-Rollen zu den Bayreuther Festspielen eingeladen. Über ihren Werdegang, Umwege im Leben und Singen als Leistungssport sprach sie mit Judith Malsam.

Frau Oakes, wie sind Sie zur Musik gekommen?


Allison Oakes: Niemand in meiner Familie ist professioneller Musiker, aber ich stehe schon auf der Bühne, seit ich fünf Jahre alt war. Ich fing sehr früh an zu tanzen, egal ob Ballett, Musical oder Stepptanz. Eines Tages fiel eine Sängerin während einer Vorstellung aus, und ich habe die Partie übernommen. Es war nur ein Satz, den ich da singen musste, aber danach haben viele zu mir gesagt, in meiner Stimme stecke etwas Besonderes. Mit der Zeit wurden die Rollen größer, und ich war in dieser Welt gefangen. Von da an wollte ich immer auf der Bühne stehen.

Sie haben aber nicht gleich Gesang studiert?

Nach dem Abitur hatte ich Bedenken und wollte etwas Vernünftiges machen. Es ist schwierig in der Musik als Opernsängerin erfolgreich zu sein. Davor hatte ich Angst. Ich habe deswegen ein Studium zum „Diagnostic Radiographer“ gemacht. Aber die Lust am Singen habe ich nie verloren. Als ich nach einem Unfall plötzlich mit einer zweiten Chance dastand, wurde mir klar, dass ich lieber auf der Bühne stehen möchte als im Krankenhaus zu arbeiten.

Ihr Gesangstudium begannen Sie in Großbritannien. Wie kamen Sie nach Weimar?

Ein Teil des Studiums war ein dreimonatiger Erasmus-Aufenthalt. Ich wurde nach Weimar zu Prof. Gudrun Fischer geschickt – und bin nie wieder zurückgekehrt. Es hat einfach gefunkt zwischen uns. Die Ausbildung an einer Hochschule ist nur so gut wie der Dozent, bei dem man studiert. Ich nehme bis heute noch Unterricht bei ihr. Sie kennt meine Stimme und sie kennt mich, das gibt mir Sicherheit und Stabilität. Außerdem gibt es in Deutschland die meisten Opernhäuser der Welt. Die Chancen, hier als Sänger weiterzukommen, sind viel besser als in England.

Ihre Karriere ist nach dem Studium fast blitzartig gestartet …

Ich hatte einige Vorsingen und nahm erfolgreich an Wettbewerben teil. Bei einem saß der Intendant des Staatstheaters Darmstadt in der Jury. Er wollte, dass ich nach Darmstadt komme und dort vorsinge. Eigentlich war ich immer ein Mezzo, auch während meiner Studienzeit, aber ich sollte auch ein Sopran-Repertoire mitbringen. Also habe ich beides gesungen. Daraufhin hat er zu mir gesagt: „Ich nehme dich nicht als Mezzo, ich nehme dich als jugendlich-dramatischen Sopran.“ Diese Chance, an einem sehr guten Theater in Deutschland einzusteigen, habe ich natürlich genutzt.

Welche Rollen sind Ihnen am liebsten?

Da kann ich ohne nachzudenken sagen, dass mein Herz Wagner gehört. Als ich mit dem Singen anfing, wollte ich zunächst immer die lustigen Rollen übernehmen. Ich komme schließlich aus dem Musical und Tanz. Wagners Musik habe ich lange nicht verstanden. Als ich musikalisch und persönlich gereift bin, habe ich entdeckt, was Wagner mir bedeutet. Jetzt stecke ich mittendrin und entdecke immer mehr. Ich bereite mich gerade auf die Rolle der Brünnhilde vor. Letztes Jahr habe ich mein Isolde-Debüt am Theater Dortmund gegeben. Ich finde, Wagner steht mir einfach am besten. Ganz dicht gefolgt von Richard Strauss. Die beiden haben mein Herz erobert!

Sie singen jetzt schon seit mehreren Jahren bei den Bayreuther Festspielen. Wie kam es dazu?

Ich habe damals in einem kleinen Theater gesungen, und Eva Wagner-Pasquier war zufälligerweise im Publikum. Sie hat danach mit meiner Agentur gesprochen und ein Vorsingen für mich arrangiert. Daraufhin haben sie mir die Rollen der Gutrune und Gerhilde angeboten. In meinem dritten Jahr durfte ich dann auch die Freia singen. Das ist alles sehr aufregend für mich! Man begegnet den Wagner-Festspielen mit viel Respekt und Ehrfurcht, denn man singt da mit den Großen der Welt. Dass ich in Bayreuth diese Chance haben werde, hätte ich wirklich nie gedacht.

Was sind ihre Pläne für die Zukunft?

Ich möchte natürlich lange auf der Bühne stehen. Singen ist ein Leistungssport. Man muss diszipliniert sein und immer an sich arbeiten. Egal wo es mich hinführt, egal was ich noch machen werde, ich will glücklich sein und gesund bleiben. Das ist das wichtigste für mich. An dieser Stelle möchte ich mich bei all denen bedanken, die mich auf meinem musikalischen Werdegang begleitet haben.

Vielen Dank für das Gespräch!