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„Ein wunderbar freies Feld“: Maximilian Marcoll wurde zum neuen Professor für elektroakustische Komposition und Klangkunst berufen

Maximilian Marcoll | Foto: Oliver Look

„Ein wunderbar freies Feld“: Maximilian Marcoll wurde zum neuen Professor für elektroakustische Komposition und Klangkunst berufen

In der Nachfolge der langen und verdienstvollen Ära von Prof. Robin Minard erhalten das Werkstattstudio und das Studio für elektroakustische Musik einen neuen Leiter: Der in Lübeck geborene Komponist Maximilian Marcoll ist als neuer gemeinsamer Professor für elektroakustische Musik und Klangkunst der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar und der Bauhaus-Universität Weimar berufen worden.

Der 39-Jährige tritt seine Stelle zum 1. April 2021 an.

„Ich freue mich sehr darauf, die Studierenden bei ihrer Entwicklung zu eigenständigen Künstlerpersönlichkeiten zu unterstützen“, sagt Maximilian Marcoll, der selbst über ein Schlagzeugstudium zur Komposition fand.

„Ein Kompositionsstudium ist ja vor allem auch eine Entdeckungsreise – im Idealfall für alle Beteiligten. Was die Stelle in Weimar für mich fachlich ganz besonders attraktiv macht, ist einerseits das Zusammendenken von elektroakustischer Komposition und Klangkunst, andererseits die Positionierung des Studios an sowohl der Musikhochschule als auch der Bauhaus-Universität Weimar, wodurch ein wunderbar freies Feld eröffnet wird.“

Die Bandbreite des eigenen künstlerischen Schaffens von Maximilian Marcoll reicht von rein instrumentalen und vokalen, elektronischen und hybriden Stücken über Klang- und audiovisuelle Installationen bis hin zu Live-Elektronik-Performances.

Hinzu kommen elektronische Überformungen Alter Musik, die Entwicklung von Setups zur Improvisation mit Elektronik und Videos, rein visuelle Arbeiten, Softwareentwicklung sowie Medienkunst. Das Profil der gemeinsamen Professur der beiden Weimarer Hochschulen fordere das Denken jenseits ausgetretener Pfade heraus, meint der 39-Jährige designierte Stelleninhaber.

„Ich gehöre nicht zu den Komponist*innen, die sich auf bestimmte Settings oder Formate spezialisiert haben“, sagt Marcoll. „Die im Profil der Professur angelegte Offenheit entspricht genau der Beweglichkeit, die elektroakustische Komposition in meinen Augen heute haben sollte.“

Grundsätzlich sei die Elektronik aus dem Konzertleben, zumindest in der zeitgenössischen Musik, nicht mehr wegzudenken. Sie sei längst zu einem Teil des „ganz üblichen Werkzeugkastens“ geworden. „So wie ich elektroakustische Musik verstehe, basiert ihr Wesen aber gar nicht so sehr auf den technischen Mitteln selbst, als vielmehr auf einer durch die Technik möglich gewordenen Art, Musik zu denken.“

Maximilian Marcoll, geboren 1981 in Lübeck, absolvierte zunächst ein Schlagzeugstudium am Institut für schulbegleitende Musikausbildung an der Lübecker Musikhochschule. Im Anschluss studierte er bis 2006 instrumentale und elektronische Komposition an der Hochschule für Musik in Lübeck und der Folkwang Universität Essen.

Im Jahr 2006 wurde er zum Kompositionsworkshop im Rahmen der „Weimarer Meisterkurse“ eingeladen – und gewann den Franz-Liszt-Förderpreis der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar, der ihm u.a. von seinem Vorgänger im neuen Amt, Prof. Robin Minard, zugesprochen wurde.

Bereits 1999 gründete und leitete er das Ensemble Neue Musik Lübeck, drei Jahre später folgte die Gründung des Elektronik-Duos „dis.playce“. Im Jahr 2006 wurde er Mitglied der Künstlergruppe „Stock11“, und von 2008 bis 2018 übernahm Maximilian Marcoll die technische Leitung des Festivals „Klangwerkstatt Berlin”.

Mitte der 2010er Jahre weilte er als „Composer in Residence“ am „Centro Mexicano para la Música y las Artes Sonoras“ in Morelia (Mexiko), am „Institute for Computer Music and Sound Technology“ in Zürich (Schweiz), im Künstlerhaus „Lukas“ in Ahrenshoop (Deutschland) – und 2020 am Institut für Elektronische Musik und Akustik in Graz (Österreich).

Sein kompositorisches Schaffen ist auf einer Vielzahl von CD-Einspielungen in den Labels „Wergo“, „Naivsuper“, „Genuin“ u.a. dokumentiert.

Marcolls Werke wurden auf zahlreichen Festivals sowie von namhaften Ensembles im In- und Ausland aufgeführt, darunter das Ensemble Mosaik, Neue Vocalsolisten, Ensemble UnitedBerlin, Ensemble Cotrechamps, Ensemble Vortex, Suono Mobile, Cepromusic, Ensemble Resonanz und Ensemble Liminar. Am Pult standen dabei Dirigenten wie u.a. Vladimir Jurowski, Enno Poppe und José-Luis Castillo.

Als Pädagoge hielt Maximilian Marcoll Gastvorträge und gab Meisterkurse in ganz Deutschland sowie in Paris (IRCAM), London (Brunel), Huddersfield, Leeds, Belfast (SARC), Tiflis, Mexico City, Morelia (CMMAS), Wien, Zürich und Graz.

Von 2007 bis 2014 war er Lehrbeauftragter für Musikinformatik am Institut für Musik und Medien der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf, parallel lehrte er bis 2020 am Institut für Studienvorbereitende Ausbildung der Musikschule Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin die Fächer Komposition, Tontechnik sowie Musiktheorie und Gehörbildung. Außerdem war von 2017 bis 2020 Lehrbeauftragter für Audioprogrammierung an der Hochschule für Künste Bremen.

Nähere Informationen: www.marcoll.de

[09.12.2020]