Was die Ohren sehen
Als Musiker sind wir im Gegensatz zu vielen Laien darauf trainiert, dem Ohr als Sinnesorgan einen bestimmten Vorrang zu gewähren. Oft schließen wir die Augen, wenn wir Musik hören, um unsere Aufmerksamkeit auf diesen Sinn zu fokussieren. Was aber, wenn man ohne den zusätzlichen visuellen Sinn aufwächst? Inwieweit unterscheidet sich die auditive Wahrnehmung von Blinden und Nichtblinden? Wir stellen die Hypothese auf, dass sich die Art, analytisch und räumlich zu hören, bei Blinden anders darstellt. Auch ist es interessant zu erfahren, wie Blinde die gehörte Musik beschreiben – fallen wir doch selbst häufig auf visuelle Metaphern zurück, indem wir von Klangfarbe sprechen oder sagen, ein Klang sei hell oder dunkel.Besonders die elektroakustische und akusmatische Musik (Musik für Lautsprecher) ist hier interessant, da elektroakustische Komponisten häufig mit sehr "bildhaftem" Material arbeiten, manchmal sogar vom "Kino für die Ohren" sprechen. Darüber hinaus sind die Werke inhärent räumlich konzipiert und sind über Mehrkanalsysteme räumlich zu hören.
In Form eines speziell konzipierten Konzerts lädt das Studio für elektroakustische Musik eine Gruppe von blinden und sehbehinderten Teilnehmern ein, sich mit der elektroakustischen Musik zu beschäftigen und ihre Erfahrungen mit den Studierenden des SeaM auszutauschen.
Konzert "Was die Ohren sehen"
Mittwoch, 5. Mai 2010, 16:30 bis 17:30 Uhr
Festsaal Fürstenhaus, Platz der Demokratie 2/3
Der Eintritt ist frei!
