Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar

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Altenburg mit Liszt-Salon

Foto: Alexander Burzik

Die Altenburg

Jenaer Str. 3

Sonderöffnungszeiten im Liszt-Jahr, noch bis zum 31.10.2011:
Dienstags bis Sonntags, jeweils 13:00 bis 15:00 Uhr

Stadtplan im Auschnitt mit Altenburg (PDF)
Stadtplan groß (Druckversion, PDF)

Liszt-Salon
Dokumentation "Liszt, die Altenburg und Europa"
Franz-Liszt-Zentrum

Die Altenburg

Etwas außerhalb des Weimarer Stadtzentrums, jenseits des Parks an der Ilm in der Jenaer Straße, liegt die Altenburg. 1810-1811 errichtet, diente die Altenburg in den Jahren nach 1848 als Wohnsitz der Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein und ihres Lebensgefährten, Franz Liszt. Das energische künstlerische und kulturpolitische Engagement des gefeierten Musikers, aber auch die gesellschaftliche Ausstrahlung seiner adeligen Freundin machten die Altenburg bald zu einem Zentrum des intellektuellen Austausches von Künstlern und Kulturinteressierten aus dem In- und Ausland.

Nach einer wechselvollen Geschichte knüpft die Altenburg nun wieder an ihre Blütezeit an. Die einst von Liszt selbst als Orchesterschule angeregte Hochschule für Musik FRANZ LISZT und die 1989 in Weimar gegründete Franz-Liszt-Gesellschaft e. V. haben das Anwesen zu einem zentralen Standort der Liszt-Forschung und zu einer Begegnungsstätte für Künstler aus aller Welt werden lassen.

Sammlung und Arbeit in Weimar

Als Franz Liszt sich im Revolutionsjahr 1848 in Weimar niederließ, hatte er viele bewegte Jahre als reisender Virtuose hinter sich. Er hatte in den Zentren des damaligen Europa gelebt und konzertiert, hatte Städte wie Paris, London, Genf, Rom, Pest, Berlin, Konstantinopel, Kiew und Wien kennen gelernt. Nun suchte er die Ruhe einer (wenn auch kulturell "vorbelasteten") Kleinstadt, um sich intensiver als bisher der musikschriftstellerischen, vor allem aber der kompositorischen Arbeit widmen zu können. Auch wollte er sich jetzt einen festen Wirkungskreis erschließen - "Sammlung und Arbeit in Weimar" betitelte Liszt selbst in einer biographischen Skizze seine ersten dreizehn Weimarer Jahre.
 
Zunächst waren es nur Liszts Lebensgefährtin Carolyne von Sayn-Wittgenstein und ihre kleine Tochter Marie, die in der Altenburg am Weimarer Stadtrand Wohnung nahmen. Liszt logierte vorerst in einem Hotel, da Carolyne offiziell noch verheiratet war. Als jedoch sämtliche Bemühungen um eine rasche Ehescheidung fehlschlugen, zog Liszt 1849 auch gegen alle Etikette zu seiner Freundin in das geräumige Privatpalais. Hier lebte er bis zu seiner Abreise aus Weimar im Jahr 1861.

Künstlerischer Begegnungsort

Die Altenburg wurde in dieser Zeit - wie einst Goethes Haus am Frauenplan - zu einem Begegnungsort von Intellektuellen und Künstlern aller Sparten aus vielen Ländern Europas; Wagner, Berlioz, Brahms, der Geiger Joachim, der Architekt Semper, der Bildhauer Rietschel oder die Dichter Hebbel und Hoffmann von Fallersleben waren nur einige der Besucher Liszts und Carolynes auf der Altenburg. Man veranstaltete Matineen und Soireen, man speiste gemeinsam, diskutierte und feierte Feste. Wer von außerhalb kam, logierte häufig nicht in einem der Weimarer Hotels, sondern im Gästeflügel des Lisztschen Domizils. Auch die wenigen ausgewählten Schüler Liszts - darunter der Komponist Peter Cornelius und der Pianist Hans von Bülow - wohnten auf der Altenburg oder verbrachten zumindest einen Großteil ihrer Zeit dort; der intensive Klavier- oder Kompositionsunterricht stellte dabei nur einen Teil des gemeinsamen Lebens und des gemeinschaftlichen Bemühens um die Kunst dar. Und was als "Neudeutsche Schule" in die Musikgeschichte eingegangen ist, hatte auf der Weimarer Altenburg seinen Dreh- und Angelpunkt.
 
Schon bei Liszts erstem Besuch in Weimar 1841 hatte sich die Großherzogin Maria Pawlowna intensiv um Liszt bemüht - mit ihm, dem progressiven und europaweit gefeierten Künstler, wollte die Weimarer Fürstenfamilie an die Zeit des "Musenhofes", an die Zeit Goethes und Schillers anknüpfen. Man ernannte Liszt bereits 1842 zum "Kapellmeister in außerordentlichen Diensten". In der Zeit von 1848 bis 1858 schließlich machte Liszt als (nicht ernannter) Operndirektor aus dem Weimarer Hoftheater - trotz aller glorreichen Vergangenheit einem Provinztheater - einen Ort der Innovation, der in ganz Europa Beachtung erfuhr. Unter den 35 Weimarer Erstaufführungen in diesem Jahrzehnt waren neun Uraufführungen, darunter Wagners "Lohengrin". Gerade für das Werk Richard Wagners setzte Liszt sich bedingungslos ein, und als Wagner am 13.5.1849, steckbrieflich gesucht, bei Nacht und Nebel in Weimar eintraf, fand er in der Altenburg gastliche Aufnahme und zudem tatkräftige Unterstützung bei der Beschaffung eines falschen Passes, mit dem er in die Schweiz fliehen konnte.

Eine neue Kunstperiode

In seiner Weimarer Zeit widmete sich Franz Liszt erstmals intensiv der Komposition. Ein Großteil seiner Orchesterwerke entstand auf der Altenburg, und der Typus der "Symphonischen Dichtung" wurde hier überhaupt erst entwickelt. Mit dem Weimarer Opernorchester konnte Liszt seine groß besetzten Werke ausprobieren, und aufgrund der Erfahrungen in den Proben nahm er immer wieder auch noch Änderungen in der Partitur vor. Liszts Bemühungen in der Weimarer Öffentlichkeit jedoch galten weitgehend den Werken anderer Komponisten, vor allem Berlioz und Wagner.

Franz Liszt in seinem Testament vom 14.9.1860 "Zu einem gewissen Zeitpunkt (vor ungefähr 10 Jahren) hatte ich für Weimar eine neue Kunstperiode geträumt, ähnlich wie die von Carl August, wo Wagner und ich die Koryphäen gewesen wären, wie früher Goethe und Schiller. Die Engherzigkeit um nicht zu sagen der schmutzige Geist gewisser örtlicher Verhältnisse, alle Arten von Missgunst und Dummheit von draußen wie drinnen haben die Verwirklichung dieses Traumes zunichte gemacht ... Trotzdem hege ich noch dieselben Gefühle und bleibe derselben Überzeugung, dass es nur allzu leicht gewesen wäre, es allen greifbar zu machen." 

Neu-Weimar-Verein

Viele der Innovationen Liszts und seines Kreises stießen bei den konservativen Weimarer Bürgern auf Unverständnis, ja sogar auf heftige Ablehnung. Im "Neu-Weimar-Verein" unter der Federführung Liszts und Hoffmanns von Fallersleben artikulierte der Altenburg-Kreis schließlich sein Plädoyer für das Neue in der Kunst: Gegen die "Alt-Weimarer" kämpfte man - bei allem Respekt für die Meisterwerke der Vergangenheit - für ein Kulturleben, das die progressive Weimarer Tradition fortsetzen sollte. Seine Wirkung erzielte der "Neu-Weimar-Verein" jedoch eher außer- als innerhalb der Stadtgrenzen. Zur Förderung deutscher Kunst in den Bereichen Dichtung, Malerei, Bildhauerei und Musik hatte Liszt bereits zu Anfang seines Weimar-Aufenthaltes eine Goethe-Stiftung angeregt. Auch dieses Vorhaben scheiterte, ebenso wie Liszts Pläne, in Weimar ein Wagner-Theater für den "Ring des Nibelungen" zu errichten.

1861 verließ Franz Liszt Weimar, nicht ohne jedoch mit dem "Allgemeinen Deutschen Musikverein" noch eine langlebige und einflussreiche Institution des deutschen Musiklebens ins Leben gerufen zu haben. Während der überregional ausgerichteten Gründungsfestlichkeiten des ADMV im August 1861 waren Wagner und Liszt die allgemein anerkannten, gefeierten Komponisten.