Foto: Guido Werner
Die Geschichte des Hochschulsinfonieorchesters
Das Hochschulsinfonieorchester ist – noch vor dem Hochschulchor – das älteste Ensemble der Hochschule und besonderer Ausdruck ihrer Identität. Wenige Jahre nach Gründung der Großherzoglichen Orchesterschule 1872 trat deren Orchester erstmals öffentlich in Erscheinung, am 28. März 1874 im Saal des Wittumspalais u. a. mit Beethovens 1. Sinfonie, Mozarts d-Moll-Klavierkonzert und einer Trompetenfanfare von Hofkapellmeister Carl Stör. Ein Jahr später, am 15. Mai 1875, wies das Orchester durch ein Konzert mit Werken Franz Liszts („zur Feier seines ersten Besuches der Schule“) ein bemerkenswert hohes Leistungsvermögen nach. Sechs der neun Abonnementskonzerte der Schule 1883/84 waren Orchesterkonzerte. Der sehr enge Kontakt zur Hofkapelle bis 1889 war steter Ansporn zu weiterer Verbesserung; 20 bis 25 Streicher aus der Schule gestalteten deren Sinfoniekonzerte mit. Gastkonzerte führten das Schulorchester in benachbarte Städte.Mit dem Nachlassen der Orchesterorientierung der Großherzoglichen Musikschule nach 1900 und mit immer weniger Orchesterschülern verschwand die zuvor notwendige Aufgliederung der jungen Musiker in ein A- und ein B-Orchester. Seit 1906/07 überstieg gar die Zahl der zur Spielfähigkeit notwendigen Aushilfen aus Hofkapelle und Regimentsmusik die Zahl der mitspielenden Schüler. Dafür hatte man einen riesengroßen „Gemischten Chor“, in dem viele Weimarer Sangesfreunde mitwirkten.
Glanzvolle Aufführungen
In den frühen 1920er Jahren gab es eine neue starke Hinwendung zur Orchestermusiker-Ausbildung und zum praxisvorbereitenden Ensemble Schul- bzw. ab 1930 Hochschulorchester. Unter der Leitung des Chefdirigenten der Staatskapelle GMD Dr. Ernst Praetorius wurden um 1930 glanzvolle Aufführungen auch sehr anspruchsvoller Werke erreicht, mit dem Höhepunkt der Goethe-Feiern 1932. Von nun an war das „Große Orchester“, wie es in der Hochschule der 1930er Jahre, bzw. das „Hochschulorchester“, wie es später hieß, fester Bestandteil der Ausbildung und der künstlerischen Repräsentation. Seine Leistungsfähigkeit war mal größer, mal geringer – abhängig von der Qualität der Studentinnen und Studenten in den vielen Fachrichtungen der Orchesterinstrumente, abhängig ebenso von der Wertschätzung, die die Lehrkräfte der Orchesterarbeit entgegenbrachten.
Seit Anfang der 1990er Jahre arbeitet das Hochschulsinfonieorchester projektorientiert „geblockt“, d. h. nicht mehr semesterübergreifend wöchentlich, sondern phasenhaft konzentriert. Es hat eine erfreulich hohe Leistungskraft vielfach unter Beweis gestellt.
Prof. Dr. Wolfram Huschke
