Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar

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Foto: Maik Schuck

Die Geschichte des Hochschulchors

Der Hochschulchor ist ein sehr altes Ensemble der Hochschule – und in jedem Jahr ein ganz neues, da die Studierenden ihm nur ein oder zwei Jahre angehören. Er ist eine Mischung aus professionellem und Laienensemble, d. h. viele seiner Mitglieder haben keinen Gesangsunterricht, wenn sie sonst auch musikalisch professionell ausgebildet werden. Teil einer professionellen Musikerausbildung zu sein, war und ist die Grundlage der Hochschulchorarbeit.

Dabei ging es am Ende des 19. Jahrhunderts im Fach „Chorgesang“ vor allem um Gehörbildung (dieses Fach gab es noch nicht). Solcherart Gehörbildungsunterricht hatten die (ausschließlich männlichen) Schüler der Großherzoglichen Orchesterschule von deren Gründung 1872 an. Ein öffentlich auftrittsfähiger gemischter Chor rückte 1876 in den Bereich des Möglichen, als der Schule eine Schülerinnen-Abteilung mit den Hauptfächern Klavier und Gesang angegliedert wurde. Eine Beteiligung an der Aufführung großer Chorwerke war allerdings auch zuvor schon möglich, war Gründungsdirektor Carl Müllerhartung doch gleichzeitig Leiter der großen Weimarer Singacademie und Gesangslehrer an der Mädchenschule und später Leiter des Stadtkirchenchores.

Feste Verankerung in Weimar

Überhaupt war es jahrzehntelang das künstlerische Ziel der chorischen Ausbildung, gemeinsam mit regionalen Chören große Werke aufzuführen, wie es Müllerhartung u. a. mit der Uraufführung von Liszts „Christus“ 1873 in der Stadtkirche vorgelebt hatte. Vor allem durch gemeinsames Chorsingen erreichte die Orchester- und Musikschule ihre feste Verankerung in der Weimarer Bürgerschaft. Müllerhartungs Nachfolger als Direktor und Chorleiter führte diese Entwicklung um 1905 zum Höhepunkt und nutzte sie erfolgreich gegenüber dem Staatsministerium für die Schule: Der von ihm geleitete Gemischte Chor der Großherzoglichen Musikschule umfasste über 200 Sängerinnen und Sänger, ein großer Teil dabei von außen kommend. Schon Degners Nachfolger Waldemar von Baußnern verfügte allerdings 1909 die Trennung von Schule und Gemischtem Chor, der als Verein weiterarbeitete.

Mit der Hinwendung zur Ausbildung von Schulmusiklehrern und Kirchenmusikern um 1930 kam ein eigener, künstlerisch agierender Chor mehr als zuvor in den Ausbildungshorizont der nunmehrigen Staatlichen Hochschule für Musik. Im musischen Geist der 1920er Jahre ging es nun mehr um gemeinschaftliches Singen als um Gehörbildung. Der junge Direktor der Jahre 1934 – 1939, Prof. Dr. Felix Oberborbeck, selbst Schulmusiker und Chorleiter, förderte eine solche Entwicklung intensiv und nutzte sie überaus öffentlichkeitswirksam, auch gemeinsam mit dem nun von ihm geleiteten Gemischten Chor Weimar musizierend. Ende 1937 gingen allerdings alle Weimarer Chöre im „Weimar-Chor“ auf, einem Mammutchor, mit dem Weimars Naziführer den „gewaltigen Baugedanken“ des „Gauforums“ musikalisch zu begleiten gedachten. Haydns „Schöpfung“ wurde 1938 in der Weimarhalle mit 400 Sängerinnen und Sängern unter Oberborbecks Leitung aufgeführt, Oberborbeck aber bald darauf „kaltgestellt“. Der noch jüngere Alt-Nazi GMD Paul Sixt – er war 1938 gerade 30 Jahre alt – übernahm den Chor und 1939 die Leitung der Hochschule.

Neue kulturpolitische Doktrinen

Den Abschluss der Festwoche zur 75-Jahr-Feier der Hochschule im Juni 1947 bildete Händels Oratorium „Belsazar“, Beleg für die Existenz eines leistungsstarken Hochschulchores. Dessen sehr beliebter und erfolgreicher Leiter Prof. Wilfried Friedrich wurde allerdings schon Ende 1948 vom „starken Mann“ der Hochschule Prof. Hans Pischner als unbotmäßig „herausgeekelt“. Als „FDJ-Chor“ setzte der Hochschulchor 1949 die Arbeit fort – große Chöre entsprachen in besonderer Weise auch den neuen kulturpolitischen Doktrinen. Als über die DDR-Jahrzehnte führender Chorleiter profilierte sich Günter Fredrich. Er leitete den Chor der Abteilung Schulmusikerziehung in den langen Jahren ohne Hochschulchor. Der von ihm 1964 aus Studierenden und Weimarer Bürgern gebildeten „Weimarer Singakademie“ wurde mit der Neugründung eines übergreifenden Hochschulchores 1974 die ohnehin schmale Unterstützung entzogen. Ihn leitete nun – wie auch den Kammerchor – Prof. Gert Frischmuth bzw. dann einer seiner Mitarbeiter. Im Februar 1981 war der Chor wesentlich an der glänzenden Aufführung von Liszts „Graner Messe“ unter Leitung von GMD Prof. Rolf Reuter beteiligt. Seit Ende der 1980er Jahre existierte er eher ausbildungspflichtgemäß als tatsächlich künstlerisch.

Mitte der 1990er Jahre erlebte der Hochschulchor unter Leitung des bisherigen Kirchenmusikdirektors am Halberstädter Dom, Prof. Klaus-Jürgen Teutschbein, eine bemerkenswerte Renaissance. Teutschbein führte den Chor alljährlich zu guten, mehrfach zu bemerkenswerten Aufführungen von Werken, die eigentlich nur von stabileren Ensembles gut zu leisten sind, etwa Honeggers „König David“ 2000. Der Hochschulchor wird damit seiner Ausbildungsaufgabe in hoher Qualität gerecht und wirkt künstlerisch über die Hochschule hinaus – so wie es sein soll.

Prof. Dr. Wolfram Huschke