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"Unglaubliches Tempo": Drei Fragen Doris Sophia Heinrichsen, die Regisseurin des Opern-Einakters "Gianni Schicchi"

Probe von "Gianni Schicchi" mit Dirigent Valentin Egel

"Unglaubliches Tempo": Drei Fragen Doris Sophia Heinrichsen, die Regisseurin des Opern-Einakters "Gianni Schicchi"

Zum Auftakt des Sommersemester 2017 bringen Studierende der Weimarer Musikhochschule einen Einakter von Giacomo Puccini auf die Bühne. Als humorvoll-ironisches Ensemblestück feiert Puccinis "Gianni Schicchi" aus seinem Opernzyklus "Il Trittico" am Samstag, 25. März um 19:30 Uhr im Studiotheater Belvedere Premiere. Weitere Vorstellungen finden am 26. März um 16:00 Uhr, am 31. März und 1. April jeweils um 19:30 Uhr statt. Unter der Leitung des Dirigierstudenten Valentin Egel werden Sängerinnen und Sänger sowie ein Instrumentalensemble der Hochschule die Oper als studentische Produktion zur Aufführung bringen. Für die Regiearbeit konnte die freie Regisseurin Doris Sophia Heinrichsen (Dozentin an der Hochschule für Musik und Theater München) gewonnen werden, die dazu ein paar Fragen beantwortet hat.

Frau Heinrichsen, was ist das Reizvolle an Puccinis Einakter?

Doris Sophia Heinrichsen:
"Gianni Schicchi" ist Puccinis letzte vollendete Oper. Interessanterweise ist auch Verdis Alterswerk "Falstaff" eine Komödie, die einen charismatischen älteren Herrn ins Zentrum stellt und nicht das junge Liebespaar, das um sein Glück kämpft, aber eben nicht die Haupthandlung bestimmt. All dies fließt in meine Annäherung an den Stoff stärker ein als zum Beispiel der Vergleich mit Dantes "Göttlicher Komödie", der "Gianni Schicchi" ja entnommen ist. Bei Puccini ist Schicchi vom Bösewicht zu einem schlitzohrigen Helden mutiert.

In welcher Weise bestimmt die Musik Ihre Arbeit?

Heinrichsen: Die Oper hat ein unglaubliches Tempo, und meist sind fast alle Darsteller gleichzeitig auf der Bühne –  also immer mindestens zehn Personen, oft auch mehr. Da braucht es ein gutes Timing und eine konsequente Sängerführung. Für die Sängerdarsteller bedeutet das, eine Stunde lang in voller Konzentration zu bleiben. In den meisten Bühnenwerken gibt es immer wieder Abgänge für die Rollencharaktere, so dass ein Sänger dann auch einmal kurz abschalten kann, einen Schluck Wasser trinken oder in den Klavierauszug schauen kann. Nicht hier. Mich erinnert die ganze Konzeption des "Schichi" ein wenig an einen Stummfilm mit großen Gesten und viel Bewegung.

Was gehört zu Ihren Regie-Ideen?

Heinrichsen:
Wir zeigen auf der Studiobühne eine ganz schön schräge "moderne" italienische Familie, in der jeder als Einzelkämpfer mit allen Mitteln um das Erbe des verstorbenen Buoso Donatis kämpft. Die Hauptpunkte im Erbschaftsstreit sind dabei Donatis Haus in Florenz, die Mühlen in Signa und interessanterweise ein Maultier. Wir nehmen an, dass dies die Stützpunkte eines florierenden legalen oder vielleicht auch nicht ganz legalen Wirtschaftsunternehmens Buoso Donatis sind. Die Mutmaßungen im Ensemble, wie Donati zu solch einem enormen Reichtum gekommen ist, hat viel Spaß gemacht und sicher bei dem einen oder anderen die Rollengestaltung entscheidend geprägt.

Die Fragen stellte Jan Kreyßig.