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Im Herzen ein Thüringer: Joan Pagès Valls, neuer künstlerischer Leiter des Hochbegabtenzentrums, im Gespräch

Joan Pagès Valls | Foto: Alexander Burzik

Im Herzen ein Thüringer: Joan Pagès Valls, neuer künstlerischer Leiter des Hochbegabtenzentrums, im Gespräch

Er ist neu und doch schon allerorts bekannt. Mit Beginn des Schuljahres 2017/18 hat Joan Pagès Valls die künstlerische Leitung des Hochbegabtenzentrums am Musikgymnasium Schloss Belvedere von Prof. Christian Wilm Müller übernommen. Bereits seit acht Jahren ist der gebürtige Spanier dort der Chefdirigent des Orchesters und unterrichtet zudem Orchesterleitung an der HfM. Pagès Valls lebt seit 22 Jahren in Deutschland, studierte zunächst in Detmold und dann hier in Weimar.

Herr Pagès Valls, was hat Sie gereizt, künstlerischer Leiter des Hochbegabtenzentrums zu werden?
Zum einen ist es mir ein großes Anliegen, dass die Schüler eine sehr gute musikalische Ausbildung erhalten. Die zweite Sache ist der Ort und das Team. Gerade letzteres finde ich sehr wichtig. Ich bin seit acht Jahren in Belvedere und mit vielen Lehrern verbunden. Die Zusammenarbeit mit ihnen habe ich mir sehr gut vorstellen können.

Was haben Sie sich für die nächsten Monate vorgenommen?
Zunächst möchte ich noch einmal einen großen Dank an Prof. Christian Wilm Müller aussprechen, der das Hochbegabtenzentrum in den vergangenen neun Jahren geleitet hat. Er hat das Musikgymnasium in einem sehr guten Zustand hinterlassen, mit tollen Partnern nach innen und außen.
Als eine erste Aufgabe sehe ich, von innen anzufangen. Ich bin jetzt sozusagen in einer Lernzeit, wo ich die Institution, die Schülerschaft und die Lehrerschaft von einer anderen Seite kennenlerne und gucke, wo es Bedürfnisse gibt. Wenn diese Etappe gut angelaufen ist, möchte ich die Vernetzung mit Thüringen überprüfen, die Zusammenarbeit mit Musikschulen, mit Schulen, Musikvereinen und den anderen Institutionen.
International habe ich auch einige Kontakte. Als Orchesterleiter habe ich eine Konzertreise nach Spanien organisiert und daran möchte ich anknüpfen. Aber das sollten wir sehr sorgfältig einsetzen, denn wir sind kein Reiseveranstalter.

Was macht die Arbeit mit jungen Menschen für Sie so spannend?
Ein Schüler ist eine Persönlichkeit, die noch nicht ausgereift ist. Meiner Meinung nach geht es in diesem Alter nicht primär darum, Musiker zu formen, sondern Menschen. Darin liegt der Reiz der Arbeit. Dass man nicht nur mit hochengagierten, motivierten Menschen arbeitet, sondern dass man diese wichtige Phase des Lebens begleiten kann.

Welche Ihrer Eigenschaften helfen Ihnen, die Aufgaben als künstlerischer Leiter auszuüben?
Ich glaube, ich bin ein Macher-Mensch und jemand, der sich für die Sache einsetzt. Ich versuche, mich und meine Handlungen immer zu hinterfragen und zu reflektieren. Jeder hat ja ein Motto, nach dem er lebt. Für mich stehen Worte wie „verbinden“ und „Miteinander“. Auch die Art der Kommunikation, wie wir miteinander reden und leben, ist für mich sehr wichtig.

Was verbindet Sie mit Ihrer Heimat Spanien, was mit Ihrer Wahlheimat Deutschland?
Ich sage es immer scherzhaft, aber meine es ernsthaft: Ich bin ein Halb-Thüringer, nicht nur, weil ich die Thüringer Bratwürste so gern esse oder prinzipiell die thüringische Küche mag (lacht), sondern weil ich mit vielen Menschen und Institutionen hier verbunden bin. Aber ich bin auch oft in Spanien. Meine ganze Familie lebt dort. Für das Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober bin ich nach Katalonien gereist. Das war mir sehr wichtig. Und ich bin immer wieder an verschiedenen Projekten beteiligt. Für die Konzertreise des Kammerchors Ende September nach Spanien habe ich zum Beispiel die Kontakte zu den Konzertorten hergestellt.

Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Ina Schwanse