►  Hochschule für Musik...  ►  Mitarbeiter  ►  Aktuelles
Ermuntern und ermöglichen: Prof. Elmar Fulda spricht im Interview über seine Pläne als neuer Vizepräsident für künstlerische Praxis

Elmar Fulda | Foto: Guido Werner

Ermuntern und ermöglichen: Prof. Elmar Fulda spricht im Interview über seine Pläne als neuer Vizepräsident für künstlerische Praxis

Elmar Fulda ist ein Wiederholungstäter: Zum zweiten Mal amtiert der Professor für Musiktheater als Vizepräsident für künstlerische Praxis. Bereits von 2010 bis 2013 hatte er das Amt inne. Wie er sein Amt versteht und was er in den kommenden drei Jahren umsetzen möchte, erzählt Prof. Fulda im Gespräch.

Herr Fulda, was bedeutet Ihnen die Hochschule?
Viel. Ich finde, sie ist ein wunderbarer Ort, um neue Erfahrungen zu sammeln, Dinge zu entdecken. Wir haben es als Lehrende mit jungen Menschen zu tun, die in einem Fachgebiet Erfahrungen sammeln wollen, für das wir brennen. Wenn ich meine Professur angucke, ist das hochspannend, gemeinsam mit den Studierenden herauszufinden, was Musiktheater ausmacht.

Ich empfinde meine Unterrichtstätigkeit nicht so, dass ich der große Meister bin, der den Studierenden Weisheiten verkündet. Natürlich geht es auch darum, Wissen zu vermitteln. Das ist der eine Teil. Aber der zweite Teil ist mindestens genauso wichtig: Dass man Werke befragt, dass man versucht herauszubekommen, wie Dinge auf der Bühne funktionieren. Das ist wie in einem Labor, man probiert aus, schaut, verwirft, legt sich am Ende fest. Das ist hochspannend, weil die Studierenden begeistert sind, die wollen die Welt erobern. Und daran teilhaben zu können, ist wunderbar.

Was hat Sie bewogen, das Amt des Vizepräsidenten noch einmal zu übernehmen?

Ich habe gemerkt, dass ich große Freude daran habe, nicht selber etwas zu tun, sondern anderen dabei zu helfen, etwas zu tun. Das war immer schon meine Tätigkeit als Lehrender und als Regisseur. Regisseure gelten ja als Dompteure oder Diktatoren. Das ist aber nicht richtig. Regie hat sehr viel damit zu tun, dass man Leute ermuntert, ihnen die Initiative gibt und sie motiviert, manchmal einen kleinen Stups gibt. Und das ist die Funktion, die ich hier habe in einem etwas größeren Rahmen.

Ich begreife mich weniger als Erfinder denn als Ermöglicher. Ich sehe mich als Staubsauger oder als Trüffelschwein: Ich gucke, was gibt es für Ideen, was möchten die Kollegen machen, was interessiert die Studierenden, und will helfen, dass diese Ideen realisiert werden. Meine Aufgabe sehe ich darin, Leute zusammenzuführen, Verbindungen herzustellen.

Wie wird sich die zweite Amtszeit von Ihrer ersten unterscheiden?
Meine erste Amtszeit war stark dadurch geprägt, dass die Hochschule unter finanziellem Druck von außen stand und angehalten wurde, Pläne zu entwickeln, wie wir mit weniger Geld mehr machen können. Das führt fast immer zu Reibereien, weil es dann immer um Interessen geht und Felder, die man verteidigen oder abstecken zu müssen glaubt. Das ist heute anders. Und natürlich bringe ich nun die Erfahrung dieser ersten Amtszeit mit, kenne die Möglichkeiten und Grenzen des Amtes. Auch bin ich älter, vielleicht ein wenig ruhiger geworden (lacht), hoffentlich gelassener. Meine Töchter haben mich erzogen, die Dinge ein bisschen entspannter zu sehen.

Welche konkreten Pläne haben Sie für die kommenden drei Jahre?
Die Studierendenschaft ist sehr aktiv, selbst Dinge zu organisieren und zu veranstalten. Das war immer schon so, ist aber in meiner Wahrnehmung in den letzten Jahren deutlich mehr geworden. Das ist eine Herausforderung für die Hochschule, weil es Ressourcen bindet. Ich persönlich finde es aber sehr wichtig, dass die Studenten sich selbst ausprobieren können und dass wir sie dabei begleiten, unterstützen und coachen. Ihnen aber zu sagen, dass in dieser Welt Ressourcen nicht unendlich vorhanden sind, gehört ebenso dazu. Kunst bedeutet für mich, dass man in diesem Moment mit dem vorhandenen Mitteln, dem Geld und diesen Leuten das Optimum realisiert.

Dann interessiert mich das Thema Digitalisierung sehr. Ich erinnere mich sehr gut daran, wie ich meine erste Schallplatte gekauft habe. Da bin ich in München in diesen Plattenladen und ich glaube, ich bin 25 Mal hingegangen, bevor ich mich entschlossen habe. Das war natürlich eine Sensation! Heute wird Musik ganz anders rezipiert: Sie gehen ins Internet und haben auf YouTube alles. Das verändert auch die Wahrnehmung von Musik. Es wird aber auch vieles viel leichter dadurch. Dadurch tun sich fast unbegrenzte Möglichkeiten auf. Diese gemeinsam zu entdecken und nutzbar zu machen für Lehre, Forschung und Pädagogik – das ist eine ganz zentrale Aufgabe, die ich angehen möchte.

Welche Baustellen sehen Sie, die Sie angehen möchten?
Ich habe mir vorgenommen, das erste Vierteljahr dafür zu nutzen, mit allen ins Gespräch zu kommen. Ich werde Antrittsbesuche machen und möchte hören, was anliegt, wo der Schuh drückt, welche Ideen da sind, wo ich helfen und was man gemeinsam tun kann. Ich möchte dazu kommen, dass wir einen Ansatz haben, der eher von unten nach oben geht. Ich sehe es also nicht als meine primäre Aufgabe, Projekte zu entwickeln.

Was haben Sie in den vergangenen drei Jahren gemacht?
Im letzten Semester habe ich erstmals im Rahmen eines Freisemesters ein Recherchevorhaben realisiert. Ich habe untersucht, was die anderen szenischen Ausbildungen an deutschen Musikhochschulen machen. Ganz konkret habe ich mich mit 17 Kolleginnen und Kollegen in Verbindung gesetzt und gefragt: Welche Ziele hat die szenische Ausbildung dort? Wie unterrichten sie? Welches Budget haben sie? Wie sind die Lehrveranstaltungen organisiert?

Die Antworten waren hochinteressant. Es gibt ähnliche Ansätze und Ziele, die wir verfolgen, aber im Detail kommen wir zu ganz anderen Lösungen. Wir als Professoren sind ja sehr stark auf unsere Tätigkeit fokussiert und manchmal geht ein wenig der Diskurs verloren, das Gespräch vor allem mit den Fachkollegen. In meinem Fall bin ich hier an der Hochschule der einzige Fachkollege und an den meisten Hochschulen ist es genauso, dass es nur einen Professor für Musiktheater gibt. Und da in einen Austausch zu kommen, hat gutgetan.

Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Ina Schwanse