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Weimarer Dirigentenschmiede

Teamwork, Berufspraxis und die nötige Strenge: Das Erfolgsrezept der Weimarer Dirigentenschmiede

"Tempoverlust" mahnt Nicolás Pasquet und schnipst rhythmisch mit den Fingern. Der Professor steht zwischen den Kontrabässen und fixiert unverwandt seinen Dirigierstudenten Johannes Braun auf dessen Podest. "Deine Auftakte sind immer noch zu träge", ruft er ihm zu.

Braun, der im sechsten Bachelorsemester steckt, nickt unmerklich und hebt den Taktstock. Vor ihm sitzt ein Kammerensemble mit rund 40 Studierenden, die in Haydns Paukenwirbel-Sinfonie heute nur für ihn da sind: das "Orchester für den praktischen Dirigierunterricht", kurz OPD.

Großzügig unterstützt vom Jenaer Unternehmensberater Dr. Christopher Hausmann – dessen Lebensgefährtin Dr. Heike Heller noch einen Chor als CPD fördert – ist das OPD einer der Schlüssel für den Erfolg der Weimarer Dirigentenschmiede. Viermal im Semester besteht so die Möglichkeit, Standardrepertoire nicht nur mit dem Korrepetitor am Klavier, sondern unter realen Probebedingungen zu erarbeiten.

Johannes Braun weiß das zu schätzen. "Die Menge an Praxis ist hier viel üppiger als meiner früheren Musikhochschule", sagt der 27-Jährige, "Weimar ist die Top-Adresse in Deutschland." Das OPD stellt dabei nur ein Bausteinchen im Ausbildungskosmos dar. Die Studierenden stehen zudem regelmäßig am Pult der Jenaer Philharmonie, der Thüringen Philharmonie Gotha und des Leipziger Symphonieorchesters.

Auch sind mehrtägige Exkursionen nach Tschechien angenehme Pflicht: Hier werden abwechselnd die Orchester in Teplice, Marienbad, Karlsbad und Hradec Králové für Praxiswochen engagiert. Johannes Braun bringt es auf den Punkt: "In meinem früheren Studium war ich ein Student, der dirigiert. Jetzt bin ich ein Dirigent, der studiert."

Im Auditorium der OPD-Probe sitzt auch der Generalmusikdirektor des Loh-Orchesters Sonderhausen, Markus L. Frank. Im Lehrauftrag unterstützt er das Dozententeam mit seiner Expertise in der Sinfonik und im Musiktheater-Repertoire.

Auch er schwärmt von den "tollen Möglichkeiten": "Als Student in Hamburg Ende der 1990er Jahre leitete ich nur einmal das Hochschulorchester und zweimal die Hamburger Sinfoniker: das war’s dann. Die jungen Leute, die hier in Weimar ihren Abschluss machen, haben dagegen schon unheimlich viel Orchestererfahrung."