Tradition seit 1872

Die Idee zur Gründung einer Musikhochschule in Weimar hatte kein Geringerer als Franz Liszt: Der formulierte bereits 1835 erstmals Gedanken zur Gründung von "Fortschrittschulen der Musik". Hochqualifizierte Instrumentalisten mussten her, um die Orchester leistungsfähig genug für die neue Musik ihrer Zeit zu machen. Lange kämpfte Liszt darum, in Weimar ein Ausbildungszentrum für Orchestermusiker zu errichten. Erst 1872 wurde der Traum unter der Federführung des Liszt-Schülers Carl Müllerhartung Wirklichkeit, der die erste Orchesterschule Deutschlands gründete.

Zu der Ausbildung auf allen Orchesterinstrumenten, am Klavier und im Dirigieren kamen bald auch Gesang, Oper und Theater, Komposition, die pädagogische Ausbildung zum Instrumental- und Gesangslehrer sowie die Schulung echter Virtuosen ihres Faches hinzu. Demzufolge hieß die Ausbildungsstätte zunächst "Orchesterschule", dann "Orchester- und Musikschule", später "Orchester-, Musik- und Opernschule" und schließlich "Musik-, Opern- und Theaterschule". 1947 schloss die Theaterabteilung wieder (die Opernschule blieb erhalten). Im Jahr 1948 gesellte sich zu den obligatorischen musiktheoretischen und musikgeschichtlichen Begleitfächern die Musikwissenschaft als eigenes Studienfach – das heute immer noch gültige Ausbildungsprofil war komplett. Seit dem Jahr 1956 trägt die Hochschule den Namen ihres Initiators im Titel.

In den 1990er Jahren fasste man die über die Stadt verstreuten Hochschulstandorte in vier historisch bedeutsamen Zentren zusammen, die alle von Grund auf saniert und für einen zeitgemäßen Musikunterricht eingerichtet wurden. So befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Weimarer Marktplatz das Hauptgebäude der Hochschule, das so genannte Fürstenhaus am Platz der Demokratie. In diesem in den 1770er Jahren errichteten repräsentativen Gebäude sind u. a. die Streicher, die Pianisten, die Bibliothek und die Hochschulleitung untergebracht. Ebenfalls im Stadtzentrum liegt das Klostergebäude Am Palais, in dem die Schul- und Kirchenmusiker ihre Unterrichtsräume haben. Einen schönen Blick über die Stadt an der Ilm hat man vom imposanten hochschulzentrum am horn, das neben den Jazzern, Bläsern, Musikpädagogen und Musikwissenschaftlern auch das Hochschularchiv / Thüringische Landesmusikarchiv beherbergt.

Hinter den durchweg altehrwürdigen Mauern verbergen sich moderne Räumlichkeiten, die ganz auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer abgestimmt sind: Der moderne Festsaal im Fürstenhaus und die Ensembleprobenräume im hochschulzentrum am horn bieten eine flexibel einstellbare Akustik und eine Standleitung ins jeweilige Tonstudio des Hauses. Die Schallabschirmung besonders der Unterrichtsräume im hochschulzentrum setzt Maßstäbe. Der vierte Standort schließlich ist sicherlich der malerischste: Die Sänger, Gitarristen und Akkordeonisten üben und lernen in den Kavaliershäusern des Landschaftsparks Schloss Belvedere vor den Toren der Stadt. In diesem Park befindet sich auch das Musikgymnasium Schloss Belvedere, dessen Schüler ihren ausgiebigen Musikunterricht ausschließlich von Lehrkräften und Professoren der Hochschule erhalten: Eine optimale Voraussetzung für ein zukünftiges Musikstudium.