Promotionen und Habilitationen

Laufende Vorhaben

(abgeschlossene Projekte s.u.)

Henrik Almon M.A.: Nationalistische Tendenzen brasilianischer Kunstmusik im 20. Jahrhundert

Dissertationsprojekt

Das ehemalige Einwanderungsland Brasilien ist als Sammelbecken der unterschiedlichsten Kulturen zu verstehen. So bilden die Nachfahren europäischer Kolonisatoren, afrikanischer Sklaven und indigener Völker die unterschiedlichen Ausgangskomponenten eines noch relativ jungen Nationalbewusstseins. Trotz einer immensen kulturellen Diversität zieht sich der Wunsch, dieses Nationalbewusstsein kreativ auszudrücken und zu erfassen, im Laufe des 20. Jahrhunderts durch alle Künste. Mit Schwerpunkt auf dem Umfeld und den Auswirkungen der Diktatur von Getúlio Vargas und seines Estado Novo (ca. 1930–1950) werden innerhalb dieses Dissertationsprojektes die nationalistischen Tendenzen in der brasilianischen Kunstmusik untersucht. Anhand ausgewählter Text- und Musikbeispiele von Persönlichkeiten wie Mário de Andrade, Camargo Guarnieri oder auch Cláudio Santoro wird aufgezeigt, inwiefern der nationalistische Diskurs in der damaligen Zeit das Denken einer ganzen Komponistengeneration bestimmte. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Tiago de Oliveira Pinto betreut.

Maria Behrendt M.A. M.A.: Romantische Aspekte im Lied der 1830er Jahre

Dissertationsprojekt

Die 1830er Jahre werden in Bezug auf das Kunstlied oft als Zeit der "Kleinmeister", "Nebenromantiker" oder "Biedermeier im Lied" bezeichnet. Dies beruht jedoch auf einem retrospektiven Geschichtsbild, denn Schuberts Lieder galten in den 1830er Jahren keineswegs als modellhaft. Zudem fanden in den 1830er Jahren eine Reihe von Umbrüchen statt, die direkten Einfluss auf die Liedgeschichte nahmen und teils eine Weiterentwicklung der frühromantischen Diskurse darstellen. So verschärfte sich die Diskussion um Heinrich Heine mit dem Verbot seiner Schriften 1835. Der wachsende Nationalismus wurde durch Gründung des "Deutschen Preß- und Vaterlandsvereins" 1832 verstärkt. Auch die Emanzipation des Bürgertums gewann durch die Revolution um 1830 an Kraft, wie auch – als Gegenentwurf – der Rückzug in die Beschaulichkeit des eigenen Heims. Diese Umbrüche spiegeln sich im Liedrepertoire wieder, wie etwa in der Auseinandersetzung mit Heine, der wachsenden Anzahl an Rheinliedern, sowie von Liedern, die bürgerliche Häuslichkeit propagieren, wie etwa Wiegenlieder. Ziel der Arbeit soll eine Neubewertung der Dekade sein unter dem Aspekt des Romantikbegriffes. Dabei sollen die Termini der "Nebenromantiker" etc. problematisiert werden und stattdessen untersucht werden, inwiefern sich im Lied der 1830er Jahre romantische Aspekte finden.

Kontakt: maria.behrendt(at)hfm-weimar.de

Martin Breternitz M.A.: Die Jazzszene in Thüringen in den 1970er- und 1980er-Jahren und die Mechanismen der DDR-Kulturpolitik

Dissertationsprojekt

Jazz galt für die Kulturpolitik und Staatssicherheit der DDR als eine "verwestlichte Unterhaltungsmusik" mit negativ-dekadentem Einfluss, als provokant und zu abstrakt. Dagegen war Jazz für die Fans und Musiker oft Entstehungsort "freier Töne", Protestmusik, Teil einer Jugendszene und Rückzugsort in eine Nische innerhalb der "durchherrschten" Gesellschaft. Das Dissertationsvorhaben hat zum Ziel, die DDR-Kultur- und Sicherheitspolitik gegenüber der Jazzszene durch Sichtung und Auswertung umfänglichen Aktenmaterials aus der Stasi-Unterlagenbehörde (BStU) historisch aufzuarbeiten und zugleich anhand von Befragungen von Jazzfans, Musikern und Veranstaltern deren Engagement in den Jazzclubs sowie deren alltägliche Lebenswelten und biographische Erfahrungen in einer "geschlossenen"  Gesellschaft zu rekonstruieren. Der Fokus liegt auf den 1970er- und 1980er-Jahren und auf dem Kulturraum des heutigen Thüringen. Das Dissertationsvorhaben knüpft an Forschungsarbeiten zu Rock, Punk und Heavy Metal in der DDR an und soll dazu beitragen, das Bild des staatlichen Umgangs mit jugendlichen Musikszenen in der DDR zu vervollständigen.

Omid Christoph Bürgin M.A.: „Historical Documents as Work of Art“ Koch-Grünbergs’s field recordings on Brazilian Indians between (1911 – 1913) and their transcriptions and analyses by Hornbostel as active creative performers and informants to the field of

Die Arbeit wird von Prof. Dr. Tiago de Oliveira Pinto betreut.

Benjamin Burkhart M.A.: Sound – Bedeutung – Kulturtransfer. Reggae und Dancehall in musik- und diskursanalytischer Perspektive

Dissertationsprojekt

Im Zentrum des Dissertationsvorhabens stehen mit Reggae und Dancehall Stilbereiche der populären Musik jamaikanischer Provenienz, die in der Musikwissenschaft hinsichtlich analytischer Ansätze sowie bezüglich ihrer weltweiten Rezeption und Produktion bislang weitgehend unbeachtet geblieben sind. Eingedenk anhaltender Debatten zur adäquaten Analyse populärer Musikformen möchte die Studie einen Beitrag leisten, der musik- und diskursanalytische Methoden gezielt zu verbinden und multimodale Erklärungsmodelle zu entwickeln versteht. Zunächst sieht das Forschungskonzept vor, Diskurse über Reggae und Dancehall auf der Text- und Bildebene sowie ästhetische Kriterien der Bewertung anhand einer inhaltsanalytischen Auswertung der führenden deutschsprachigen Special-Interest-Zeitschrift Riddim zu rekonstruieren und zu systematisieren. Die Ergebnisse dieses Arbeitsschrittes werden als Grundlage für eine analytische Auseinandersetzung mit dem Klanggeschehen jenseits textzentrierter Ansätze heranzuziehen sein, die auf die ermittelten ästhetischen Kriterien Bezug nehmen soll. Folglich ist ein analytischer Weg zu beschreiten, der eine wechselseitige Durchleuchtung der diskursiven Rahmung des Klanggeschehens einerseits, zum anderen des Klanggeschehens selbst zu leisten verspricht. Für das Vorhaben zentral sind Fragen zu ästhetischen Dimensionen sowie zur Bedeutungsproduktion populärer Musik, überdies zu Ergebnissen der Rezeption karibischer Popmusik im deutschsprachigen Raum, deren Beantwortung zugleich Möglichkeiten einer empirisch fundierten analytisch-ästhetischen Popmusikforschung aufzeigen soll. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Martin Pfleiderer betreut.

Artjom Butyrev M.A.: Stilsynthese und musikalische Dramaturgie. Studien zu den Opern Wolfgang Amadeus Mozarts

Dass Wolfgang Amadeus Mozart in seinen Opern aus einem unerschöpflichen Fundus stilistischer Formen schöpfte, ohne dabei die musikalische Einheit zu gefährden, und gleichzeitig aus der Synthese verschiedener Stilarten einen dramatischen Sinn entwickelte, ist in der Forschung eine weit verbreitete Ansicht. Bisherige Studien, die sich mit diesem Thema befassten, haben sich vor allem auf die Vermischung von Gattungsstilen, wie Seria und Buffa, konzentriert. Diese Kategorien bilden jedoch ein zu grobes Raster um das ephemere Phänomen ‚Stil‘ in allen seinen Facetten greifen zu können und das Verfahren der Stilsynthese in allen ihren Details zu verstehen. Diese in Vorbereitung befindliche Dissertation nähert sich auf analytische Weise dem Aspekt der Stilsynthese in den Opern Wolfgang Amadeus Mozarts. Dabei wird zur Stilidentifikation und -klassifikation methodisch auf neueste Erkenntnisse der Topic Theory sowie auf das von Robert O. Gjerdingen erarbeitete Repertoire galanter Schemata zurückgegriffen. An exemplarisch ausgewählten Szenen werden das Wechselspiel verschiedener Stilarten und -elemente sowie die daraus resultierenden musikdramaturgischen Konsequenzen untersucht.

Dr. Michael Chizzali: Italienische Spuren in der wettinischen Hofmusikpflege des 16. Jahrhunderts

Habilitationsvorhaben

Betrachtet man signifikante Phasen der Musikpflege, die an den (insbesondere kurfürstlichen) Höfen des Hauses Wettin im 16. Jahrhundert praktiziert wurde, mit geschärftem Blick, so offenbart sich eine kontextuell vielfältige und quellentechnisch vergleichsweise gut belegbare Kontinuität an musikalischen Transferlinien aus Italien: Beispiele hierfür wären »italienische« Überlieferungskonstellationen in den Jenaer Chorbüchern Friedrichs des Weisen, der Einbezug von italienischen Anteilen kurfürstlicher Musikaliensammlungen in das Druckprogramm Georg Rhaws, die Rezeption leichterer italienischer Musik durch italienischstämmige Dresdner Hofkapellmeister (Antonio Scandello, Giovanni Battista Pinello di Ghirardi) sowie die Dreiecksbeziehung Florenz-Dresden-Prag in den Jahrzehnten um 1600. Auf der Basis eines über enge institutionelle Kategorisierungen hinausgehenden Begriffes der Hofmusikpflege soll versucht werden, die Tragweite der Beziehungen wettinischer Höfe zur italienischen Musikkultur zu hinterfragen, zu vertiefen und vor einem breiten kulturhistorischen Hintergrund zu kontextualisieren, neue Quellen und wenig berührte höfische Umfelder (z.B. Weimar) zu erschließen sowie schlussendlich vernachlässigten bzw. unbekannten ästhetischen Diskursen im Hinblick auf eine frühe musikalische Italianità nachzugehen.

Giuseppina Crescenzo M.A. M.A.: Die cantata sacra des mittleren 18. Jahrhunderts – Topoi und Kontexte

Dissertationsprojekt

Die italienische Kirchenkantate – häufig „cantata sacra“, „mottetto a voce sola“, „concerto“, „modulamina sacra“, genannt – war bislang noch nicht Gegenstand umfassender systematischer Untersuchungen. Ausgehend von zentralen theologischen bzw. frömmigkeitskulturellen Topoi (Apokalypse, Tod, Sünde, Hölle, Paradies, Passionsreflexion, Reue etc.)  sollen in diesem Dissertationsprojekt repräsentative Repertoireausschnitte der italienischen cantata sacra untersucht, stilistische und inhaltliche Entwicklungen sowie zeitgenössische Einflüsse nachvollzogen werden.
Thematisiert wird dabei auch das Verhältnis zwischen Religion und Kantate, welches sich im Spannungsfeld zwischen katholischem Reformdiskurs und Aufklärung konkretisiert. Darüber hinaus stellt sich die Frage nach dem jeweiligen institutionellen Kontext und der Zusammensetzung der verschiedenen Klangkörper, die die Entwicklung der cantata sacra prägten. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Helen Geyer betreut.

Kontakt: giuseppina.crescenzo(at)hfm.uni-weimar.de

Diplom-Staatswissenschaftler Univ. Rico Chmelik: Zwischen Selbst- und Fremdbestimmung: Perspektiven der Wirksamkeit Auswärtiger Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland als präventives und nachsorgendes Instrument in Krisenregionen

Dissertationsprojekt

Die Doktorarbeit gibt einen Überblick über die Entstehung, Bedingungen und Auswirkungen der Auswärtigen Kulturpolitik Deutschlands. Dabei wird die Funktionsweise der Kulturpolitik in Krisenregionen untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse werden mit anderen Politikfeldern verglichen und Handlungsempfehlungen für (kultur-)politische Entscheidungsträger entwickelt. Die Basis der Doktorarbeit sind Politikfeldanalysen sowie Studien und Fallbeispiele von Mittlerorganisationen der Auswärtigen Kulturpolitik zu den Bedingungen der politischen Kultur in Krisenregionen. Vor dem Hintergrund obiger Problemstellung soll die theoriebasierte Erforschung der Wirksamkeit der Förderung von Fremdbestimmungsprozessen über die Analyse der Anwendbarkeit kulturpolitischer Maßnahmen bei der Prävention,  Nachsorge und Lösung in von Konflikten und Krisen geprägten Staaten vornehmen. Konkret soll die Frage beantwortet werden, inwieweit Kulturpolitik einen Beitrag zur Konfliktbefriedigung sowie Demokratisierungsfähigkeit in Krisenregionen leisten kann. Zwei Kernproblemstellungen sind für die Arbeit gegeben:  Die normativ-ethische und die strategische Dimension der Auswärtigen Kulturpolitik Deutschlands. Die erste Dimension zielt auf die Verantwortung Deutschlands ab, mit welchem Zweck die Kulturpolitik verfolgt wird und nach welchen Grundsätzen diese erfolgt. Die strategische Dimension zielt auf „Effektivität und Effizienz“ der Kulturpolitik ab im Sinne auf der Basis eines wünschenswerten Friedenszustandes existierende Stärken weiter zu stärken („use it“), die Schwächen unbedeutend zu machen („bear it“) und die Defizite hin zu Stärken zu entwickeln („change it“). Der Autor erhofft sich mit der Doktorarbeit einen interdisziplinären Erkenntnisgewinn. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Steffen Höhne betreut.

Alan Dergal Rautenberg M.A.: Zwischen Glanz, Andacht und Experiment. Eine Untersuchung der venezianischen Psalmvertonungen der Jahre 1720 bis 1770 an den vier Ospedali und San Marco

Dissertationsprojekt

Während des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelten sich die venezianischen Ospedali Grandi zu richtigen Zentren der musikalischen Pflege. Zusammen mit der Basilica di San Marco bildeten sie den Mittelpunkt der kirchenmusikalischen Aktivität Venedigs und zogen zahlreiche Besucher, darunter viele Musikliebhaber und -kenner aus ganz Europa an, die sich oftmals auf ihren Kultur- oder Bildungsreisen befanden. Ziel des Dissertationsvorhabens ist die Aufarbeitung einer bis jetzt wenig beachteten musikalischen Gattung der Kirchenmusik in jenen Jahren zwischen Barock und Klassik, die von einer Suche nach neuen kompositorischen, klanglichen und interpretatorischen Möglichkeiten und einer bedeutenden Änderung der Ästhetik und des Stils geprägt sind. Dabei sind die aufklärerischen Tendenzen in den experimentierfreudigen Kompositionen gerade der venezianischen Ospedali Grandi, die in einem Spannungsfeld zur Basilica di San Marco stehen, von großer Bedeutung. Festgestellt werden sollen Ähnlichkeiten und Unterschiede in Konzeption, Disposition und Stil. Ebenfalls sollen Anknüpfungspunkte der Gattung an frühere Traditionen und der stilistische Wandel während des 18. Jahrhunderts herausgestellt werden.

Die Arbeit wird von Prof. Dr. Helen Geyer betreut.
Kontakt: alan.dergal(at)hfm.uni-weimar.de

Christian Diemer M.A.: Traditionelle Musik in der Ukraine. Nationale Identität und Globalisierung

Dissertationsprojekt

Seit mehr als einem Jahr beherrscht die Ukraine die westeuropäischen Nachrichten. Dabei ist nicht Weniges des politischen, medialen und öffentlichen Diskurses – sowie seiner Kritik gleichermaßen – von Unkenntnis des Landes selbst geprägt.

Das Promotionsvorhaben, ein Jahr vor Ausbruch des Konflikts begonnen, fokussiert die Rolle traditioneller Musik in der Ukraine. Wie lebendig ist traditionelles Repertoire noch, und in welchen Formen und Kontexten wird es heute dargeboten? Wie positionieren sich Tradition und Folklore zu Einflüssen der Globalisierung? Welche Relevanz besitzen traditionelle Musikpraktiken für die Konstruktion nationaler Identität in dem vermeintlich gespaltenen Land? Und wie haben Majdan-Umsturz und der bewaffnete Konflikt in der Ostukraine den Umgang mit ihnen beeinflusst?

Bisherige Ergebnisse deuten darauf hin, dass traditioneller Musik eine kaum zu überschätzende Bedeutung in den Prozessen nationaler Selbstvergewisserung zukommt. Dabei koexistiert sie allerdings weitgehend unproblematisch mit differenten, regional weniger oder anders markierten musikalischen Ausdrucksformen, etwa ukrainischem, russischem, angloamerikanischem Pop, in gewissen Gebieten auch sowjetischer Musik. Hybridbildungen auf struktureller, performativer und diskursiver Ebene sind an der Tagesordnung. Zeugnis liefert eine enorme Produktivität des Crossover-Sektors.

Auch geographisch lässt sich die oft postulierte Zweiteilung des Landes in eine ukrainische westliche und eine östliche russische Hälfte nicht ausreichend untermauern. Es ergibt sich ein weitaus komplexeres, durchlässigeres und teilweise multiples Bild kultureller Identitäten. Dies gilt ausdrücklich auch nach Ausbruch des Konflikts und ebenso ausdrücklich in Gegenden der Ostukraine unweit des Kriegsgeschehens.

Cynthia Dretel M.A.: Rituals of Resistance: Polish Szopki in WWII Concentration Camps

Szopki are beloved Polish musical nativity puppet plays. Today, the term szopki is associated with the colorful cribs and simple folk plays in Krakow at Christmastime. Yet a heavily satirical, urban sub genre of szopki flourished in the salons and cabarets of late nineteenth-century cities like Krakow and Warsaw. By drawing on historical themes, folklore, and popular literature, this genre gave Poles living in a country partitioned by the Russian, Prussian, and Austrian Empires crucial tools to evade and subvert censorship and oppression. This subversive practice continued into the twentieth century during the World War II. Polish Catholic inmates wrote and organized performances of szopki in several Nazi concentration camps. My dissertation examines the manuscripts of several surviving szopki to investigate the complex role of resistance in the music of Polish concentration camp inmates. Through a multidisciplinary approach, my dissertation will contribute to a more nuanced understanding of the intersections of musical activities, social rituals, and resistance in World War II.

Supervisor: Dr. Jascha Nemtsov.

Sabine Feinen M.A.: Cristóbal de Morales' Magnificats im Kontext

Dissertationsprojekt

Das Magnificat gilt im 15. und 16. Jahrhundert als eine der bedeutendsten marianischen Musikgattungen neben der Marienmesse. Von fast jedem Komponisten sakraler Musik jener Zeit ist mindestens eine polyphone Magnificatvertoung überliefert. Als bekannteste gelten die Magnificats von Cristóbal de Morales. Seine Vertonungen sollen im Zentrum des Dissertationsprojekts stehen. Neben einer analytischen Untersuchung soll mit Rücksicht auf kontextuelle Besonderheiten eine Einordnung der Magnificats vorgenommen werden. Dazu werden einerseits Moralesʼ spanische Vorbilder zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Sevilla mit Blick auf das Magnificat betrachtet, andererseits die Magnificattradition am päpstlichen Hof zwischen 1535 und 1545, also der Zeit, zu der Morales am päpstlichen Hof tätig war und in der die Magnificats offenbar entstanden sind. Hinzu kommt eine genaue Betrachtung der für damalige Verhältnisse enormen Verbreitung seiner Vertonungen über Italien hinaus. So finden sich seine Vertonungen in den verschiedensten Quellen in Spanien, Portugal, Deutschland, Niederlande aber auch in der „Neuen Welt“. Abschließend soll exemplarisch Moralesʼ Einfluss auf nachfolgende Magnificatvertonungen dargestellt werden sowie die Rezeption seiner Musik, scheint es doch als sei nach Morales eine neue Magnificattradition in den Vertonungen zu beobachten. Die Arbeit wird betreut von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt.

Fabian Fricke M.A.: Weimar um 1900 – Zwischen Moderne und Konservatismus

Dissertationsprojekt

Das musikalische Leben in Weimar im 19. Jahrhundert ist vergleichsweise gut erforscht. Es gibt zwei erkennbare Schwerpunkte: die Musik der  Goethezeit und das sog. "silberne Zeitalter" von 1842  bis 1889 unter der Ägide u.a. von Franz Liszt. Wie aber sah die Kulturlandschaft in Weimar nach 1889 aus?  Ist Weimar nach dem Weggang von Richard Strauss kulturell in der Bedeutungslosigkeit versunken oder gab es neue Impulse in  der Musikkultur? Die wichtigsten Primärquellen für das Musik- und Theaterleben dieses Zeitraums liegen in den verschieden Weimarer Archiven und geben Auskunft über eine keineswegs unbedeutende, sondern lebendige und vielseitige Kulturlandschaft zwischen Moderne und Konservativismus.

In dieser Zeit wirkten in Weimar der Komponist  Eduard Lassen (1830-1904), der Nachfolger von Franz Liszt als Hofkapellmeister, Waldmar von Baußnern, der von 1909 bis 1916 die Orchesterschule leitete und auch Richard Wetz (1875-1934), der ab 1906 in Weimar und Erfurt in Erscheinung trat. Durch die  Auswertung des reichhaltigen Materials soll eine Studie über das musikalische Leben in Weimar um 1900 entstehen, in der auch gesellschaftliche und zeitgeschichtliche Aspekte eine Rolle spielen. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt betreut.

Kontakt: fabian.fricke(at)hfm.uni-weimar.de

Carolin Fritz-Reich M.A.: Die Oper Roland – Untersuchungen zur Stoffgeschichte und vergleichende Studien zu den Fassungen von Quinault/Lully (1685) und Marmontel/Piccinni (1778)

Dissertationsprojekt

Das interdisziplinär angelegte Dissertationsprojekt soll einen Beitrag zur Erforschung der Tragédie lyrique, zur Untersuchung ihrer Entwicklung von den Anfängen in den 1670er Jahren bis in das späte 18. Jahrhundert hinein leisten. Hauptgegenstand ist der Textvergleich zweier französischer Opern vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Ästhetik zur Zeit der Aufklärung, die bisher in der Opernforschung noch zu wenig beachtet wurde. Die Oper Roland (1685) zählt zu den elf Tragédies en musique, die zwischen 1673 und 1686 aus der erfolgreichen Kooperation des Komponisten Jean-Baptiste Lully mit dem Schriftsteller Philippe Quinault hervorgingen; ihre Neubearbeitung von 1778 durch Jean-François Marmontel und Niccolò Piccinni gilt als Hauptauslöser der sog. Querelle célèbre, eines bedeutenden Opernstreits um die Superiorität des italienischen oder des französischen Musikstils. Durch den Vergleich von Original und Bearbeitung soll eruiert werden, wie viel vom „Urtyp“ des französischen Opernlibrettos in der Adaption noch vorhanden ist, wie nahe sie der „klassischen“ Tragédie en musique noch steht und wie stark sich die Ästhetik der Aufklärung darin niederschlägt. Darüber hinaus wird ein größerer stoffgeschichtlicher Abschnitt der Entwicklung der Rolandsfigur in der Literatur gewidmet sein, der neue, interessante Erkenntnisse bezüglich der Entstehung einer der ersten französischen Opern und überdies zur Erforschung der Arbeitsweise des Operntexters Quinault liefern wird. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Michael Klaper betreut.

Kontakt: carolin.fritz(at)uni-jena.de

Thomas Grysko M.A.: Radiokunst im Spannungsfeld zweier deutscher Staaten – soziokulturelle Dimensionen einer akustisch-musikalischen Semantik an Beispielen radiophoner Kunst in DDR und BRD von 1960 bis zu Beginn der 1990er Jahre

Die Arbeit wird von Prof. Dr. Albrecht von Massow betreut.

Franziska Heinrich M.A.: Das Requiem und seine Anfänge - Tradition und Wandel in der "Missa pro defunctis" bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts

Dissertationsprojekt

Bei der Totenmesse oder "Missa pro defunctis" handelt es sich um einen der ältesten Bestandteile der katholischen Liturgie, doch fand er in der Renaissancemusikforschung bisher nur wenig Beachtung. Im Zentrum des Dissertationsprojektes steht ein umfangreiches Repertoire (ca. 40 Vertonungen; darunter prominente Vertreter wie Johannes Ockeghem, Josquin Desprez oder Cristóbal de Morales), das auf unterschiedliche Parameter untersucht werden soll. Der Zeitraum bis zur ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, also vor den liturgischen Reformen (Konzil von Trient), ist bewusst gewählt, da das Tridentinum Änderungen in Bezug auf Theologie und Musikanschauung mit sich brachte. Neben der zeitlichen Einordnung sollen die Requiemvertonungen hinsichtlich ihres liturgischen Ortes analysiert werden und somit sowohl einen Überblick als auch Aufschluss über die unterschiedlichen Riten (wie beispielsweise den mozarabischen Ritus) geben. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt betreut.

Kontakt: franziska.heinrich(at)hfm.uni-weimar.de

Katharina Hoffmann M. A.: Das Sujet "Macht" im musikalischen Denken von Luigi Nono (Arbeitstitel)

Die Arbeit wird von Prof. Dr. Albrecht von Massow betreut.

Friederike Jurth M.A.: Von der Idee zum samba. Komposition und Kompositionsästhetik des samba enredo in Rio de Janeiro und seine Rezeption in escolas de samba außerhalb von Brasilien

Dissertationsprojekt

Das Promotionsvorhaben widmet sich dem musikalischen „Herzstück“ des Karnevals, dem samba-enredo, mit dem speziellen Fokus auf seine Entstehung im Kollektiv der Komponisten. Auf der Grundlage von verschiedenen mehrmonatigen Feldforschungen und der engen Zusammenarbe mit Komponistengruppen verschiedener Sambaschulen in Rio soll untersucht werden, wie, unter welchen besonderen Konditionen und Prämissen gegenwärtig die sambas entstehen und wie sie dann im „Wettstreit“ der Komponisten in den Sambaschulen von den Komponistengruppen präsentiert werden (Performance). Dabei werden als Forschungskontext auch die heutige Alltagsrealität in den Sambaschulen und die externen Einflüsse auf die Komponisten Berücksichtigung finden.

Der zweite Teil der Dissertation nimmt sich den Aufbau einer „Versatzstück-Datenbank“ zum Anliegen. Aufgrund der Beobachtung, dass sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten gewisse melodische und harmonische „Versatzstücke“ (padrões) unabhängig von der Sambaschule stetig und repetitiv in den samba-Kompositionen durchsetzen, soll diese dominante Entwicklung analytisch betrachtet und in einer Datenbank systematisiert werden.

Christopher Klatt M.A: Nationale Identitätskonstruktionen und Triumphlieder zum deutschfranzösischen Einigungskrieg 1870/71

Dissertationsprojekt

Schon während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 wurde der Konflikt gegen das Reich Napoleon III. als konstituierendes Element einer deutschen Nation zum Gründungsmythos stilisiert und die Erinnerung daran einige Jahrzehnte im kollektiven Bewusstsein manifestiert. Begleitet wurden die Ereignisse der frühen 1870er Jahre durch eine Vielzahl an musikalischen Erzeugnissen, die durch die Bezugnahme auf das politische Geschehen und die zeitgenössischen Entwicklungen als Teil einer bürgerlichen Masseneuphorie gedeutet werden können. Das Spektrum der Kompositionen reicht dabei von trivialer Gebrauchsmusik für Männerchöre oder Marschorchester bis hin zu kunstvoll gestalteten Orchesterwerken im Gewand virtuoser Instrumentation und Harmonisierung.
Mit Gründung des Deutschen Reichs hatte sich der neue Nationalstaat zunächst noch gegen diverse oppositionelle Strömungen zu behaupten. Eine gemeinsame Identität der dem Reich angegliederten Territorien musste aufgrund fehlender Traditionen nicht nur entstehen, sondern auch konstruiert werden. Mithilfe der in der Forschung noch nicht systematisch aufgearbeiteten Triumphlieder zum deutschfranzösischen Einigungskrieg 1870/71 soll der Versuch unternommen werden, einen Dialog mit der Geschichtswissenschaft aus musikwissenschaftlicher Perspektive anzutreten. Dabei ist zu untersuchen, wie die zeitgenössische Musik und deren mediale Inszenierung im Nationsbildungsprozess wirkte und wie sie dazu beitrug, nationale Identität zu konstruieren sowie nationale Bilder zu vermitteln. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt betreut.

Joachim Klein M.A.: Vom Schtetl ins Kabarett. Osteuropäisch-jüdische Unterhaltungsmusiker in der Weimarer Republik

Dissertationsprojekt

Das Promotionsvorhaben untersucht die Rolle osteuropäisch-jüdischer Unterhaltungsmusiker in der Weimarer Republik im Rahmen folgender leitender Fragestellungen: In welcher Weise hat Migration jüdischer Musiker aus Osteuropa in die Weimarer Republik stattgefunden (qualitativ, quantitativ)? Wie gestalteten sich die Integrationsbemühungen in die deutsche Gesellschaft unter den besonderen Bedingungen der Unterhaltungskultur? Welche Auswirkungen hatte die Machtergreifung auf die Unterhaltungsmusik im Allgemeinen und insbesondere auf jüdische Popularmusiker? Haben osteuropäisch-jüdische Musiker eigene musikalische Traditionen in die Popularmusik der Weimarer Republik eingebracht, z.B. osteuropäische Folklore oder spezifisch jüdische Traditionen wie Klezmer oder synagogale Stilistik? Welche Wirkung hatte Unterhaltungsmusik auf die Weimarer und die nationalsozialistische Gesellschaft - stabilisierend, kritisch, dialektisch? Was bedeutet das für das unterhaltungsmusikalische Schaffen von jüdischen Musikern? Lassen sich daraus auch Rückschlüsse auf die deutsch-jüdische Symbiose und den Status der jüdischen Emanzipation ziehen? Welche Rolle spielte die Religion im Leben osteuropäisch-jüdischer Musiker? Die Bearbeitung dieser Fragestellungen erfolgt auf der Grundlage von Erfassung und Auswertung umfassender, bislang erst in geringem Umfang erschlossener Primärquellen wie z.B. Künstlernachlässen, Entschädigungsanträgen und Schellackplattenbeständen. Dabei wird keine lexikalische Vollständigkeit angestrebt, sondern eine Auswahl schaffender und nachschaffender Musiker aus Bereichen wie Kabarett, Revue, Salonmusik, Jazz, Schlager, Tanzmusik, Filmmusik oder Operette getroffen. Vorläufig ausgewählte Musiker sind u.a. Paul Godwin, Dajos Belá, Gitta Alpár, Bronisław Kaper, Efim Schachmeister, Mischa Spoliansky, Sam Baskini, Roman Josef Cykowski, Marta Eggerth, Jan Kiepura, James Arthur Kok, Ilja Livschakoff, Leon Monosson, Arthur Rebner, Michael Schugalté, Dimitri Tiomkin und Marek Weber. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Jascha Nemtsov betreut.

Kontakt: joachim.klein(at)hfm-weimar.de

Hannah Lütkenhöner M.A.: Zwischen Universalpoesie und Kunst-Politik. Nationalromantische Konzepte der Schauspielmusik im Deutschen Kaiserreich

Dissertationsprojekt

Während sich die Schauspielmusik des klassisch-romantischen Zeitalters mittlerweile als Gegenstand musik- und literaturwissenschaftlicher Forschung fest etabliert hat, stellt jene des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts noch ein weitgehend unerforschtes Feld dar. Dabei brachte gerade diese Zeit eine immense Fülle an komplexen und profunden Schauspielmusiken hervor, denen als Kulminationspunkt verschiedenster ästhetischer, aber auch gesellschaftlich-politischer Anschauungen besondere Relevanz zukam. Zum einen erforderte das Zusammenspiel der verschiedenen Künste im szenischen Aufführungskontext – zumal vor dem Hintergrund des vorherrschenden Stilpluralismus der Zeit – individuelle kompositorische Lösungen. Zum anderen spielten Schauspielmusiken eine Schlüsselrolle bei groß angelegten Klassiker-Inszenierungen, im Rahmen derer deutsche Theater ihren Dichtergrößen – wie Goethe, Schiller, Kleist, aber auch Shakespeare – huldigten und sie gleichsam als geistige Urväter eines entstehenden und sich zunehmend als Weltmacht positionierenden Deutschen Reiches apostrophierten. Speziell in diesem Kontext der reichsnationalen Identitätsbildung und politischen Festkultur scheint sich eine vielschichtige Fortführung oder Reaktivierung einer nationalromantischen Ästhetik des frühen 19. Jahrhunderts abzuzeichnen, deren Untersuchung nicht nur im Hinblick auf das kulturelle Wertebewusstsein der Kaiserzeit und den musikalischen Paradigmenwechsel des Fin de Siècle, sondern auch für den interdisziplinären Forschungsdiskurs um das „Modell Romantik“ interessante Erkenntnisse verspricht.
Die Arbeit wird von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt betreut.

Kontakt: hannah.luetkenhoener(at)hfm-weimar.de

Christian Märkl M.A.: Die Messkompositionen Cherubinis. Deutung und Bedeutung im Spannungsfeld von Französischer Revolution und Restauration

Dissertationsprojekt

Die Zielsetzung des Dissertationsvorhabens ist auf eine stilkritische Auseinandersetzung mit den Messkompositionen Cherubinis gerichtet. Im Zusammenhang mit verschiedenen Einflusssphären, welchen Cherubini gegenüberstand, und welche in aktuellen Forschungen z.B. von Birgit Lodes, Joachim Kremer oder Herbert Schneider thematisiert sind, möchte ich die Diskussion fortführen und auf eine ausführliche Forschungsgrundlage stellen.  Das methodische Vorgehen lenkt den Fokus zunächst auf die Untersuchung der ästhetischen Debatte der Zeit, welche wesentlich geprägt ist vom politischen und gesellschaftlichen Wandel mit der Revolution, dem Empire und der Restauration. Andererseits werde ich in Analysen die in stetigem Wandel begriffenen Parameter Form, Orchestrierung, Satztechnik, Textbehandlung, Harmonik und Besetzung aus der Ästhetik heraus betrachten und eine Deutung und Interpretation der dem Messenoeuvre Cherubinis eigenen Charakteristika versuchen. Im Vergleich mit ausgewählten Kompositionen aus den verschiedenen Strömungen der Kirchenmusik zwischen 1802 und 1830 möchte ich zu einer umfangreichen Sammlung von Ergebnissen kommen, welche mir letztlich erlauben, eine Verortung der Kompositionen Cherubinis vorzunehmen, gleichzeitig die Bedeutung dieser als zentrale Werke der Kirchenmusik am Beginn des 19. Jahrhunderts zu bestätigen und ihre Sonderstellung zu begründen.

Die Arbeit wird von Prof. Dr. Helen Geyer betreut.

Kontakt: christian.maerkl(at)hfm-weimar.de

Dr. Stefan Menzel: Die Bedeutung protestantischer Fürstenschulen für die mitteldeutsche Figuralmusikpflege des 16. Jahrhunderts

Das Projekt setzt sich zum Ziel, die Geschichte der figuralen Kirchenmusikpflege im ‚Kernland‛ der Reformation aufzuarbeiten. Bis heute erstaunt der hohe Verbreitungsgrad dieser äußerst voraussetzungsreichen Form gottesdienstlicher Musik im Entstehungsgebiet des deutschen Kirchenlieds, ein Umstand der in der Forschung zwar zur Kenntnis genommen, aber nie systematisch untersucht wurde. Im Projekt sollen zunächst die Auswirkung der Reformation auf die mitteldeutsche Figuralmusikpflege untersucht, die Phase ihrer Konsolidierung und Konfessionalisierung am Beispiel Wittenbergs, Zwickaus und St. Joachimsthals nachvollzogen werden. Im Zentrum des Vorhabens stehen dann die Fürstenschulen zu Meißen, Grimma, Pforta und Schwerin, an denen ca. 1550–1580 die größten Musikalienbestände der Zeit zusammengetragen wurden. Es soll gezeigt werden, dass die Fürstenschulen nach dem Bedeutungsverlust Wittenbergs im Jahr 1547 zu den wichtigsten Trägern der mitteldeutschen Figuralmusikpflege avancierten, sowohl hinsichtlich des Festhaltens an bestimmten Repertoiretraditionen, als auch durch die Erhebung figuralen Singens in den Rang von Allgemeinbildung. Um ein möglichst lebendiges Bild der Musikpflege an den Fürstenschulen zu erhalten, wird sowohl die Bestandsgenese als auch die Nutzungsgeschichte der Handschriften, Drucke und Konvolute nachvollzogen. Abschließend soll die Wirkung der Fürstenschulen auf die mitteldeutsche Figuralmusikpflege von ca. 1580 bis 1600 erörtert werden, wobei der Anteil der Alumnen unter den prägenden Persönlichkeiten des mitteldeutschen Musiklebens zu ermitteln und das Fortleben von Repertoiretraditionen am Beispiel repräsentativer Bestände (Pirna, Löbau, Zwickau, Neustadt a. O., Udestedt) zu untersuchen ist. Im Umfeld des Reformationsjubiläums 2017 will das Vorhaben zum einen die Geschichte der protestantischen Kirchenmusik aktualisieren, zum anderen an ein musikalisches Erbe der Reformation erinnern, das lange Zeit zugunsten eines ‚lutherischen Sonderweges‛ aus Geschichtsbild und kulturellem Gedächtnis ausgeschlossen wurde.

Claudia Miloschewski M.A.: Musik in der technologischen Kultur. Über 'posthumane' Paradigmen in zeitgenössischen Kompositionen

Dissertationsprojekt

Anliegen des Projektes ist, die Interferenzen zwischen Musik und Technologie differenziert zu erfassen, um sie ästhetisch einem kulturphilosophischen Rahmen zu erschließen. Dieser erforscht die Auswirkungen avancierter, zumeist digitaler Technik und "technowissenschaftlicher" Praxis auf andere kulturelle Praktiken sowie auf die (latente) Selbstdeutung des Menschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Hierzu werden die Attributionen des Konzeptes "Technologie" untersucht und an musikalischen Beispielen – u.a Second Self (2004) von Michel van der Aa – erörtert. Die Konfrontation individueller ästhetischer Lösungen mit globalen technowissenschaftlichen Prinzipien soll dabei nicht nur Einblicke in die spezifische Charakteristik zeitgenössischer Kompositionsstrategien liefern, sondern zugleich signifikante kulturelle Muster des "digitalen Zeitalters" näher beleuchten. Querverweise zu philosphischen, soziologischen und psychologischen Studien bilden das Material, diese musikalische Analyse zu vertiefen. Darüber hinaus dient eine Auseinandersetzung mit literarischen Texten von Stanis?aw Lem und Jeanette Winterson dazu, die Definition "technomorpher" Ästhetik abzurunden. Unter den Stichworten 'Science-Fiction' (als genreübergreifendes Modell technowissenschaftlicher Fiktion) und 'Posthumanismus' (als kybernetisches Selbstdeutungsmuster) soll so ein brauchbares begriffliches Instrumentarium zur Verortung künstlerischer Phänomene innerhalb der Gegenwartskultur geschaffen werden. Betreut wird die Dissertation von Prof. Dr. Albrecht von Massow.

Kontakt: claudia.miloschewski(at)hfm-weimar.de

Luka Mukhavele: Challenges and Potentials of Mozambican Traditional Musical Instruments in Present-Day Contexts: Xizambi, Ximbvokombvoko, Xibavhani and Mbira

In the Mozambican society, pervasive modern approaches tend to marginalise the role of local music traditions, which are not catching up with the fast rate of change. 
This study is, therefore, an in-depth organological examination of the selected (Mozambican) instruments, looking into their historical, sociological/anthropological, physical, technical, acoustical, and musical aspects. The investigation of the acoustical aspects requires a laboratory, for the recording, processing and analysis of the sounds.
The research reveals a decline of vitality, viability and of interest in construction and use of local traditional instruments, due to a lack of systematized knowledge, thus, causing an irrational/unbalanced resort to imported instruments, mostly western.
Thus the project is a challenge to set new paradigms that explore the potential musicology, sociology/anthropology, organology behind traditional musical instruments worldwide; and conceptualize inclusive musical scientific and artistic approaches, founded on local traditions. Subsequently this will contribute new philosophies, theories, instruments and repertoires to the existing body of knowledge in music scholarship and arts, whereby  industrialized societies provide technical means, and the non-industrialized, source materials, most of which are largely unexplored.

Markus Oppeneiger M.A.: Der Cora/Idalide-Stoff - Die italienische Oper im Wandel

Dissertationsprojekt

In den Jahren 1767 bis 1777 schrieb der französische Philosoph Jean-Francois Marmontel seinen Roman Les Incas ou la destruction de l`empire du Pérou. In ihm schildert er die Eroberung der peruanischen Inkareiche durch Pizarro. Die zentrale Episode des Romans ist die Liebesgeschichte zwischen dem spanischen Eroberer Alonzo und dem Inkamädchen Cora, das dazu bestimmt ist, als Sonnenjungfrau und der Gottheit geweihte Priesterin den Dienst im Tempel zu versehen. Mindestens acht Libretti und zwölf musikdramatische Werke, die Teile von Marmontels Roman zum Inhalt haben, sind uns überliefert.

Ziele der Arbeit sind:
Eine Beschreibung der in Jean-Francois Marmontels Roman enthaltenen aufklärerischen Themen, vorromantischer Inhalte und der für die Libretti relevanten Romankapitel.
Die Auffindung und Kompilierung der weit verstreuten Libretti und Partituren sowie eine Darstellung der jeweiligen, durchaus unterschiedlichen, szenischen und musikalischen Inhalte.
Eine Schilderung der historischen, politischen und gesellschaftlichen Situation der Stadt in der das jeweilige Werk uraufgeführt wurde. Ortsbezogene Inhalte finden sich in allen Libretti.
Eine Beschreibung der wichtigsten musikalischen und szenisch-dramaturgischen Entwicklungen im Zeitraum zwischen 1777, der Herausgabe des Romans und 1815, der letzten Uraufführung eines musikdramatischen Werkes.

Die Arbeit wird von Frau Prof. Dr. Helen Geyer betreut.

Kontakt: m.oppeneiger(at)t-online.de
Weitere Informationen: DNT Weimar

Michael Pauser M.A.: Luigi Cherubinis geistliche Kompositionen. Eine Untersuchung im Spannungsfeld zwischen Tradition, Revolution und Restauration unter besonderer Berücksichtigung seiner Motetten, Kantaten und Instrumentalmusik

Dissertationsprojekt

Nachdem sich in den letzten Jahren erste Arbeiten den Bühnenwerken sowie den Messen Luigi Cherubinis gewidmet haben, soll mit dem geplanten Dissertationsprojekt das reichhaltige Œuvre der geistlichen Musik des Komponisten erschlossen werden. In vielerlei Hinsicht gilt es dabei Neuland zu betreten. Ein in Italien traditionell ausgebildeter Komponist siedelte kurz vor der Französischen Revolution nach Paris über und besetzte im dortigen Musikleben schnell hochrangige Ämter. Wie ein Spiegel der Zeitgeschichte im Spannungsfeld zwischen Tradition, Revolution und Restauration liest sich zwangsläufig auch das Werk Cherubinis, der mit barocken Wurzeln die Klassik durchlebte, selbst die sog. Romantik noch erlebte und weit ins 19. Jahrhundert hinein ausstrahlte; man nannte ihn den „Vater von Beethoven, Weber, Schumann und Wagner“ und für Philipp Spitta stand er gar „Bach noch voran“. Die Rolle seiner geistlichen Musik in diesen Prozessen ist – abgesehen von den Messen – bis heute weitestgehend unerforscht. Sie könnte jedoch ein aufschlussreiches Bindeglied zwischen Kirche, Staat und Gesellschaft, zwischen nationalistischen Strömungen und den Ideen eines vereinten Europas sowie der Restauration traditioneller musikalischer Gattungen in einem vorwärtsdrängenden Zeitalter sein. Scheinbare Anachronismen und Paradoxa begegnen daher allenthalben.

Die Arbeit wird von Prof. Dr. Helen Geyer betreut.

Kontakt: michael.pauser(at)hfm-weimar.de

Kirstin Wichern M.A.: Zur Frühgeschichte der "L'homme armé"-Messe bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts

Dissertationsprojekt

Keine andere Melodie wurde so oft als Vorlage einer Messkomposition herangezogen wie die "L'homme armé"-Melodie. Einen Schwerpunkt des Dissertationsprojekts bildet die Kontextualisierung dieser Messen, die dafür nach örtlichen und zeitlichen Kriterien in Gruppen eingeteilt werden. Wichtige Hinweise für diese Kontextualisierung liefern die Quellen selbst durch ihre Beschaffenheit sowie nichtmusikalische, intertextuelle Bezüge wie Widmungen, Marginalien, Indices, Illustrationen etc. So soll die Beziehung der Komponisten zu den jeweiligen Höfen sowie das (militärische) Selbstverständnis des Herrschers, für den, bzw in dessen Umfeld, die Messe entstand, untersucht werden. Zentral ist die Rezeption des Rittertums, das in der Realität des 15. Jahrhunderts zwar im Untergang begriffen war, symbolisch und ideolgisch aber noch eine große Rolle spielte. Kaiser Maximilian wird "der letzte Ritter" genannt, und die Katholischen Könige, Ferdinand II. und Isabella I. sahen in Kolumbus' Versuch, einen Seeweg nach Indien zu finden, nicht zuletzt auch neue Chancen für einen Kreuzzug. Dieser Gedanke wird spätestens nach 1453, als die Türken unter Mehmet II. Konstantinopel eingenommen hatten, zentral. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt betreut.

Kontakt: kirstin.katharina.wichern(at)hfm.uni-weimar.de

Ulrike Roesler M.A.: Das Liszt-Bild in der zeitgenössischen Musikpublizistik

Dissertationsprojekt

Franz Liszt zählt zu den facettenreichsten Künstlerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Der vielschichtige Zugang zu seinem Werk hat schon im Laufe seines Lebens die Musikpublizistik zu zahlreichen Diskussionen herausgefordert, die sich bis heute auf die Musikforschung zum 19. Jahrhundert im Allgemeinen und die Liszt-Rezeption im Besonderen auswirken. Dabei reicht die Wahrnehmung Liszts als Musikschriftsteller, Pädagoge oder Kulturpolitiker weit über den reinen Künstlerberuf des Musikers, Dirigenten und Komponisten hinaus. Ziel der Arbeit ist es, das umfangreiche und durchaus heterogene Bild, das vor allem die zeitgenössische musikalische Fachpresse von Liszt zeichnet, in den Blick zu nehmen und zentrale Aspekte dieser ambivalenten Auseinandersetzung zu beleuchten. Zudem ist zu untersuchen, inwieweit diese einzelnen Rollenattribute bei Liszt auch im Kontext religiöser, politischer und nationaler Zuschreibungen einer allgemeinen Typologie des Künstlers im 19. Jahrhundert entsprechen bzw. diese hinterfragen. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt betreut.

Kontakt: ulrike.roesler(at)hfm-weimar.de

Maximilian Rosenthal M.A.: Facetten kompositorischer Reflexion. Die Widmungen an Felix Mendelssohn Bartholdy

Dissertationsprojekt

Die Widmung ist heute ein banaler Akt beinahe jeder Druckpublikation. Es wundert daher nicht, dass sie meist ‚unter dem Radar‘ der Wissenschaft fliegt, und so auch z.B. in modernen Editionen nur als Zeile über dem Haupttext zu finden ist – sofern sie nicht ganz weggelassen wird. Dass sie im Musikaliendruck des 19. Jh. deutlich höheren Stellenwert genoss, beweisen die opulent gestalteten Titelblätter, auf denen der Name des Widmenden meist deutlich hervorgehoben ist. Als Werbestrategie vor den Möglichkeiten medialer Verbreitung von Musik leuchtet das ein.
Als Forschungsgebiet gewinnt die Widmung in jüngster Zeit an Aufmerksamkeit, denn sie bieten eine neue Perspektive auf das Musikgeschehen des 19. Jh. Durch den öffentlichen, direkten Bezug zu einem Widmungsträger, der meist auch als eine Art geistiger Pate gedacht werden muss, spiegelt die Summe der Widmungswerke diesen Widmungsträger auf einer musikalischen Ebene wieder.
Das Ziel des Dissertationsprojekts ist es, diesen Ansatz auf Felix Mendelssohn Bartholdy anzuwenden, und herauszufinden, inwiefern die ihm gewidmeten Werke Aufschluss auf die zeitgenössische Rezeption seines Schaffens geben. Dazu sollen die Werke analytisch untersucht und über Ego- und Rezeptionsdokumente kontextualisiert werden. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt betreut.

Ulrike Schneider M.A.: Wielands Oberon in der Vertonung von Paul Wranitzky: Studien zur Inszenierungspraxis um 1800

1780/1784 veröffentlichte Christoph Martin Wieland sein Versepos Oberon, das nach anfänglichen Schwierigkeiten beim zeitgenössischen Publikum großen Erfolg hatte und bis hin zu Webers Vertonung (1826) mehrfach für das Musiktheater bearbeitet wurde. Im Zentrum des interdisziplinär angelegten Dissertationsvorhabens steht die Vertonung des österreichischen Komponisten Paul Wranitzky (1789), die unter Goethes Intendanz (in einer Textbearbeitung von Christian August Vulpius) auch auf der Weimarer Bühne Erfolge feierte. Für Wranitzkys Vertonung richtete der Librettist Karl Ludwig Giesecke das Sujet als dreiaktiges Textbuch ein. Er griff dafür auf ein fünfaktiges Libretto (1788) der Hamburger Schauspielerin Friederike Sophie Seyler zurück, das er für die Gegebenheiten des Wiener Freihaustheaters auf der Wieden umarbeitete.  Der textanalytische Vergleich dieser Librettofassungen bildet die Grundlage für die Frage nach den regionaltypischen Unterschieden nord- und süddeutscher Inszenierungspraktiken am konkreten Beispiel dieses Singspiels.
Als überregional erfolgreich erwies sich hingegen Wranitzkys Musik, spätestens seit der Festaufführung des Oberon anlässlich der Feierlichkeiten zur Krönung Kaiser Leopolds II in Frankfurt am Main im Oktober 1790. Die Arbeit zeichnet die von Wranitzky erfolgreich verwendeten musikalischen Topoi und deren Umsetzung nach, indem sie herausarbeitet, welche Aspekte und Inhalte aus Wielands motivreicher Vorlage, die die Vermischung von Märchen und Wunderbarem an exotischen Schauplätzen ins Werk setzte, musikalischen Eingang in das Singspiel gefunden haben.  
Betreut wird die Arbeit von Frau Professor Dr. Christiane Wiesenfeldt.

Jonathan Spindler M.A.: Facetten des Bösen in der Oper. Zur musikalischen Faktur böser Figuren und böser Kräfte in der Oper des langen 19. Jahrhunderts

Dissertationsprojekt

Als musikalisch-darstellerische Großform ist die Oper abstrakt und künstlich, weil sie ihr Drama musikalisch verschlüsselt. Ihre musikalische Beschaffenheit entscheidet einerseits über den Typus des musikalischen Dramas aber auch im Detail über die Szenen, Handlungen, Figuren und ihren Sinn- und Motivationszusammenhang. Eine eigene, die Handlung motivierende Qualität des Bösen, als eigenständige Triebkraft auf ihre musikalische Umsetzung hin zu untersuchen, ist besonders für die Opern der Zeit nach 1800 interessant. Das französische Mélodrame ist die entscheidende Quelle und Motivation für eine neue Librettistik, die an den Kreuzungspunkten von Grand opéra, Drame lyrique, der romantischen Oper in Deutschland, Frankreich und Italien und besonders in der italienischen Oper des mittleren und späten Ottocento, einzigartige Figuren und musikalische Ereignisse der Operngeschichte hervorbringt. Das Libretto transportiert als Ausgangspunkt der dramatischen Anlage der Oper, die wichtigsten Hinweise und Belege für Szenen und Figuren, die unmittelbar mit dem Bösen im Zusammenhang stehen. Die hermeneutische Aufgabe besteht darin, der genauen Umsetzung des Librettos in der Musik nachzuspüren, und dabei nach den Mitteln zu suchen, die für die Wahrnehmung der spezifischen Bosheit der Charaktere konstituierend sind, um sie, falls möglich, gesammelt offen legen zu können. Die Arbeit wird betreut von Prof. Dr. Helen Geyer.

Kontakt: jonathan.spindler(at)gmx.de

Katharina Steinbeck M.A.: Zum Paradigmenwechsel in der Musikkritik des 19. Jahrhunderts. Rezeptionsästhetische Betrachtungen anhand der Symphonischen Dichtungen Liszts

Dissertationsprojekt

Wahrnehmung und Bewertung von Musik scheinen in der deutschen nach-revolutionären Musikästhetik des 19. Jahrhunderts von einem musikgeschichtlich sehr bedeutsamen Paradigmenwechsel geprägt. Anhand der Rezeptionsgeschichte vom programm-symphonischen Werk Franz Liszts, deren zeitliches Umfeld durch Fortführung wie auch Abwendung von der musikästhetischen Spaltung zwischen spätempfindsamer romantischer Wahrnehmungs- bzw. Gefühlsästhetik und Autonomie- bzw. Formalästhetik charakterisiert erscheint, lässt sich dieser Wandel brisant dokumentieren. Mit Blick auf die formal- und inhaltsästhetischen Momente einschlägiger wie auch unbekannter Kritiken der Symphonischen Dichtungen – Werke, innerhalb derer Liszt die reine Instrumentalmusik als romantisch-idealistischer Inbegriff des 'wortlosen Sagens' mit der Literatur zu einer neuen weltlite-rarischen musikalischen Ausdrucksform zu vereinen beabsichtigte – sollen diejenigen Kriterien aufgezeigt und im historischen Kontext seit Jahrhundertbeginn diskutiert werden, die zur Bildung der Wert- wie auch Geschmacksurteile – und damit zur Musikbeurteilung schlechthin – maßgeblich beigetragen haben. Die Herausgabe sämtlicher, noch nicht edierter Artikel und Rezensionen zu Liszts Symphonischen Dichtungen ist in einem zweiten Band geplant. Die Arbeit wird betreut von Prof. Dr. Christian Martin Schmidt.

Kontakt: katharina.steinbeck(at)hfm-weimar.de

Annegret Werner M.A.: Rahmen- und Zwischenaktmusiken am Fürstlichen Hoftheater in Gera 1872–1902

Wissenschaftliche Fragestellung

Gegenstand der Arbeit ist die wissenschaftliche Aufarbeitung der Rahmen- und Zwischenaktmusik am Fürstlichen Hoftheater Gera von 1872 –1902. Ziel der Erfassung der Bühnenmusik über einen Zeitraum von 30 Jahren ist, Kontinuität und Veränderung in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren aufzuzeigen. Es soll sowohl die praktische Handhabung der Zwischenaktmusik im Theaterbetrieb, als auch ihre Funktionen innerhalb des Schauspiels, anhand bestimmter Werke und Zeiträume, betrachtet werden. Die Reflektion der Bühnenmusik in den Medien und im gesellschaftlichen Leben, auch über den oben genannten Zeitraum hinaus, und der Einfluss anderer Musikbereiche sind zu untersuchen. Im Vergleich zu anderen Darstellungen ist von Interesse, dass Gera, zwischen Leipzig und Weimar gelegen, keine führende deutsche Bühne und der Zeitraum am Ende des 19. Jahrhunderts liegt. Somit lässt sich das Forschungsinteresse auch mit der gesamten kulturellen Entwicklung einer kleinen Residenzstadt ohne Hofkapelle zur Industriestadt mit Hoftheater und Sinfonieorchester begründen. Dabei spielt die Rahmen- und Zwischenaktmusik am Geraer Hoftheater eine entscheidende Rolle.

Carsten Wernicke M.A.: Musik und Selbstsorge im Zeitalter der ubiquitären Verfügbarkeit musikalischer Dinge

Dissertationsprojekt

Musik ist heute so ubiquitär wie Temperaturmessung und Beleuchtung. Sie ist nicht nur nahezu überall verfügbar, es ist auch nahezu jede Musik nahezu überall verfügbar. Diese neue Situation der Verfügbarkeit von Musik durch die Allverfügbarkeit des Soundfiles und damit ubiquitäre Zuhandensein zeitigt Veränderungen in der Lebenswelt und damit der Möglichkeiten und Phänomene der Sorge um sich sowie der Sorge um die musikalischen Dinge. In dem Dissertationsprojekt soll mithilfe von qualitativen, leitfadengestützten Tiefeninterviews und deren Auswertung im Sinne einer phänomenologisch-praxeologischen Perspektive die Dingqualitäten musikalischer Phänomene vor dem Hintergrund ihres gegenwärtigen sozialen Gebrauchs sowie die Praktiken im Umgang mit Musik und ihren Sinn sowie die Intentionen ihres Gebrauchs offengelegt werden. Zugleich wird untersucht, welche Formen des Wissens (re-)produziert werden, inwieweit der Gebrauch von Musik auf das Subjekt selbst, wie also Musik im Zeitalter ihrer Ubiquität auf die Existenz des handelnden Subjekts zurückwirkt. Letztendlich soll danach gefragt werden, wie der Hörer an sich heute in die Welt gestellt ist, wie ihm die Welt als Ganzes, wie ihm Musik, wie er Musik, wie er durch Musik der Welt und sie ihm, aber auch wie er sich selbst in Musik begegnet. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Martin Pfleiderer betreut.

Kontakt: carsten.wernicke(at)hfm-weimar.de

Wolf-Georg Zaddach M.A.: Metal Militia In Eastern Germany. Heavy und Extreme Metal als soziale und ästhetische Praxis in der DDR der 1980er Jahre

Dissertationsprojekt

Das Dissertationsvorhaben beschäftigt sich mit einem Thema, dass seit einigen Jahren ein stetig wachsendes wissenschaftliches und feuilletonistisches Interesse erfährt: Heavy Metal als Kultur- und Lebenswelt, als ästhetischer sowie sozialer Erfahrungsraum. Im Mittelpunkt steht dabei der Heavy und Extreme Metal in der DDR der 1980er Jahre. Es soll dabei der Frage nachgegangen werden, wie und in welcher Form das sich vorrangig im anglo-amerikanischen Raum und Nordeuropa entwickelte und in den 1980er Jahren stark ausdifferenzierte Genre und dessen Lebenswelt in der DDR rezipiert, adaptiert und konstituiert wurde. Unter Rückgriff auf das sozialwissenschaftliche Konzept der juvenilen Szene sollen Transferprozesse, Bedingungen und Strukturen der sozialen und ästhetischen, d.h. auch konkreten musikalischen Praxis in den verschiedenen Regionen der DDR nachgezeichnet werden. Dies bedeutet zugleich auch, die Rahmenbedingung dieser posttraditionalen Jugendkultur im Staatssozialismus und im Kontext des Kalten Krieges zu betrachten, um konkret Freiräume und Grenzen in ihren alltagskulturellen Dimensionen nachzeichnen zu können. Als empirische Grundlagen werden zum einen Oral-History-Interviews mit Zeitzeugen aus verschiedenen Regionen der DDR geführt. Zum anderen sollen Recherchen in der Stasi-Unterlagenbehörde und im Deutschen Rundfunkarchiv (Potsdam-Babelsberg) durchgeführt werden. Die Arbeit wird von Prof. Dr. Martin Pfleiderer betreut.

Kontakt: wolf-georg.zaddach(at)hfm-weimar.de
Weitere Informationen: www.wolf-georgzaddach.com

Dorlies Zielsdorf M.A.: Die Adjuvantenkultur in Thüringen

Dissertationsprojekt

Spätestens mit der Veröffentlichung des entsprechenden Artikels von Arno Werner in der ersten Ausgabe der Enzyklopädie Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG) gilt der sogenannte „Adjuvantenchor“  als typische Erscheinungsform der protestantischen Kirchenmusikpflege im mitteldeutschen Raum. Zugleich markiert dieser Artikel einen vorläufigen Schlusspunkt in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Phänomen. In der Neuauflage der MGG wird die entsprechende Passage in den Artikel „Kantorei“ integriert. Erst die Wiederentdeckung umfassender Notenbestände thüringischer Pfarrarchive sowie deren Erschließung durch das ThLMA | Hochschularchiv Weimar rücken den „Adjuvantenchor“ wieder in den Fokus der Wissenschaft. Dabei werden neue Fragen aufgeworfen: In welchem historischen, gesellschaftlichen und geographischem Umfeld entwickeln sich diese Chöre? Auf welchen Traditionen bauen sie auf? Wie und in welchen Zeiträumen entfaltet sich diese Musikpraxis? Welches Repertoire wurde von den Chören gepflegt? Welche Wechselwirkungen lassen sich zwischen musikalischer Bildung und Musikpraxis beobachten? Das Dissertationsprojekt widmet sich diesen Fragen und beleuchtet schlaglichtartig die Entwicklung und Entfaltung der Adjuvantenkultur in Thüringen von ihren Anfängen im Zeitalter der Reformation bis hin zu ihren Nachwirkungen im 20. Jahrhundert. Exemplarisch werden hierzu Zeugnisse und Berichte aus kleineren Orten der Fürstentümer Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Gotha, den schwarzburgischen, reußischen und kurmainzischen Gebiete im Gebiet des heutigen Thüringens ausgewertet.

 

Abgeschlossene Promotionen und Habilitationen

2016

Kiril Georgiev: Der Komponistenkreis »Das Mächtige Häuflein« als soziokulturelles und als ästhetisch-stilistisches Phänomen der 1860er Jahre in St. Petersburg

Benedikt Schubert: Johann Sebastian Bachs Johannespassion. Eine analytisch-exegetische Untersuchung

2015

Dirk Haas: Oper, Konzert und Orchester am Weimarer Hoftheater 1857 bis 1908

Franziska Müller: Wege zur Ästhetik eines Unfassbaren. Bewältigungsstrategien in der Landschaftsmalerei und Instrumentalmusik des 18. und 19. Jahrhunderts

Birgit Johanna Wertenson: Mythos und neue Musik. Zum Mythos als Medium des Wissenstransfer in zeitgenössischer Musik am Beispiel Orpheus & Kassandra

2014

Carolin Bahr: Ursprung – Transfer – Transformation. Aufführungsgestalten der Grand Opéra an deutschen Hoftheatern zwischen 1830 und 1848

Stefan Menzel: Hōgaku – Traditionelle japanische Musik im 20. Jahrhundert

Dominik von Roth: Mignon und Margarete in Malerei und Musik. Ästhetische Rezeption und Fragmentierung um 1800

Julia Stadter: Der Brief als Palimpsest? Briefmotive und Bühnenbriefe in Malerei, Literatur und Musiktheater

Sascha Wegner: Vokalmusikalische Modelle in der symphonischen Instrumentalmusik des 18. und 19. Jahrhunderts. Studien zur Finalgestaltung

2012

Melanie Kleinschmidt: "Der hebräische Kunstgeschmack" zur Entwicklung des Authentizitätsproblems in der deutsch-jüdischen Musikkultur

Kim Sakabasi: „Die 'andere' Moderne" um 1900. Das Zentrum Wien und die nord-westeuropäische Peripherie - historisch-systematische Untersuchungen (Studien) zur erweiterten Tonalität in Werken Gustav Mahlers, Arnold Schönbergs, Edward Elgars und Jean Sibelius

2010

Dr. Axel Schröter: Studien und Quellen zu Musik und Theater am Weimarer Hof

2009

Daniel Ortuño-Stühring: Christus-Oratorien im 19 Jahrhundert. Ein Vergleich der Werke von Franz Liszt, Friedrich Kiel, Anton Rubinstein und Felix Draeseke

Christian Storch: Der Komponist als Autor. Alfred Schnittkes Klavierkonzerte im auktorialen Diskurs

2008

Dr. Matthias Tischer: Komponieren für und wider den Staat Paul Dessaus Orchesterwerke in der DDR

Cornelia Brockmann: Instrumentalmusik in Weimar-Jena um 1800. Aufführungskontexte - Repertoire - Eigenkompositionen

Ruth Seehaber: Die "polnische Schule" Befragung eines musikhistorischen Topos

2007

Matthias Nöther: "Singen und Sagen". Melodram, Wagner-Exegese und Pathos vor dem Horizont bürgerlichen Sprachbewusstseins in der wilhelminischen Ära

2006

Karl Traugott Goldbach: Der tragische Schluss im deutschsprachigen Musiktheater des späten 18. Jahrhunderts

Knut Holtsträter: Kompositionsstrategien Mauricio Kagels – Narration, Sammeln und Intermedialität. Ästhetische und poetologische Überlegungen zu Mauricio Kagels musikalischem Werk

Philipp Schäffler: Die Idee der Bildung im Schaffen von John Cage (1912–1992)

2005

Nina Noeske: Musikalische Dekonstruktion in der DDR, untersucht anhand gewählter Kompositionen  von Reiner Bredemeyer: Paul-Heinz Dittrich, Friedrich Goldmann, Jörg Herchet, Georg Katzer und Friedrich Schenker

2004

Beate Schmidt: „Alles Andere kommt von den Göttern“. Zur dramaturgischen Funktion der Musik in Goethes Faust I und zeitgenössischen Schauspielmusiken

Christoph Sobanski: Untersuchungen zur ‚Méthode des méthodes de Piano’ von François Joseph Fétis und Ignaz Moscheles

2003

Christoph Meixner: Das Musiktheater in Regensburg im Zeitalter des Immerwährenden Reichstages

Thomas Radecke: Theatermusik – Musiktheater: Shakespeare-Dramen auf deutschen Bühnen um 1800

2001

Matthias Tischer: Ferdinand Hand – Impresario, Ästhetiker, Dilettant. Ein Beitrag zur Inhaltsästhetik im deutschsprachigen Raum in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

1999

Wieland Meinhold: Das Wirken Carl Steinhäusers in Mühlhausen - Ein exempel für das Berufsbild Thüringischer Lehrerkantoren im 19. Jahrhundert

1998

Kathrin Hirschinger: Versuch einer psychoanalytischen Betrachtung der Persönlichkeitsstruktur von Richard Wagners Tristan-Figur im Lichte existenzphilosophischer Aspekte Martin Heideggers

1996

Gabriele Hofmann: Das Tristan-Syndrom: Die Wunde des Geworfenen